Aufschlussreicher Vortrag von Hans Gräser über ein heimisches Adelsgeschlecht

Der frühere Geschichtslehrer am Albert-Schweitzer-Gymnasium in Crailsheim, Hans Gräser, hat beim Museums- und Kulturverein Kirchberg die Geschichte der Adelsfamilie "von Crailsheim" vorgestellt.

|
Hans Gräser referierte über die Adelsfamilie von Crailsheim.  Foto: 

Vorab: Niemand anderes hätte es wohl besser und kenntnisreicher machen können. Vermutlich kam die Familie tatsächlich aus Crailsheim und bewohnte wohl die Holzburg an der Jagst, die unweit der Johanneskirche gestanden haben soll. Als Reichsritter und Freiherren herrschten sie nicht über ausgedehnte Territorien. Oft dienten sie höher gestellten Grafen und Fürsten als Amtsmänner, verwalteten nachgeordnete Lehen, auf denen sie zuweilen längere Zeit blieben. Die Besitzungen derer von Crailsheim waren und sind weit verstreut im fränkischen Bayern, in den damaligen Kantonen Altmühltal, Steigerwald und um Ansbach. Im Raum Crailsheim haben sie Spuren hinterlassen vor allem in Erkenbrechtshausen, Gröningen, Lobenhausen und Werdeck/Gerabronn. Zum heutigen Familienbesitz gehört seit dem 14. Jahrhundert die Burg Morstein und seit 1457 die Burg Hornberg bei Kirchberg. Der heutige Stammsitz der Familienstiftung ist das Schloss Rügland bei Ansbach.

Wenn die Crailsheimer Reichsritter in Diensten der ganz Großen standen, traten sie manchmal aus dem niederadligen Schatten heraus. Wie zum Beispiel im 30-jährigen Krieg, als der Hofmarschall Bernulf von Crailsheim 1632 nach der Schlacht bei Lützen den Leichnam des schwedischen Königs Gustav Adolf in einem räumlich und zeitlich langen Trauerzug nach Stockholm überführte.

Oder ein anderes Beispiel: Als im Zuge der napoleonischen Flurbereinigung Anfang des 19. Jahrhunderts das überwiegend evangelische Franken zu Bayern kam, eröffnete sich für den Ansbacher Friedrich Krafft von Crailsheim (1841 - 1926) ein Weg in wirkliche Machtpositionen. Er wurde bei der bayerischen Regierung in München Außenminister und später dann Ministerpräsident (1890 - 1903). Ihm kam auch die Aufgabe zu, im Juni 1886 den entmündigten Märchenkönig Ludwig II. festzusetzen.

Den zweiten Teil seines Vortrags widmete Hans Gräser der Geschichte der Familie Crailsheim auf dem Gebiet der heutigen Gemeinde Kirchberg. Hier trafen im Laufe der Jahrhunderte die drei politischen "Wirkgruppen" des Alten Reiches auf engstem Raum oft streitig aufeinander: die gräflich-fürstlichen Territorien, die Reichsstädte und die Reichsritterschaft. Schon vom Jagsttal aus ist der Unterschied deutlich zu sehen: Die Fürsten residierten im Kirchberger Schloss - die Freiherren bewohnten die Burg Hornberg.

1457 hatten die Crailsheimer die Burg erworben und sich im 16. Jahrhundert nach einem Pfarr- und Wirtshaus ein Dorf mit Untertanen dazugebaut. Streitigkeiten mit den umliegenden Herrschaften waren an der Tagesordnung: Händel um Fischwasser, Jagdrechte und Viehweiden, um Zuständigkeiten beim Kirchenpatronat oder der Gerichtsbarkeit (wer darf wen an den Galgen bringen?). Acht Jahre lang wurde darüber gestritten, bei wem die Hirten aus Gaggstatt ihren Schafskäse abzuliefern hatten.

Hans Gräser zeigte am Beispiel der Freiherrenfamilie Crailsheim historische Entwicklungen auf und garnierte sie als strenger Historiker mit dokumentenfesten Begebenheiten, die aus heutiger Sicht oft skurril anmuten. Die schludrigen Gedanken darüber, was man davon halten soll, musste man sich selbst machen. Über den Adel, dem das Recht zur politischen Machtausübung in die Wiege gelegt worden war. Über die Adelsgeschlechter, die im Laufe der Jahrhunderte zu weit verzweigten Stammbäumen ausgewachsen sind, an denen die Namensschildchen wie Früchte und Früchtchen hängen. Einige griffen nach dem Reichsapfel. Andere mussten sich mit einer tauben Nuss in der Hand begnügen. Aber beruhigend: Es ist alles Geschichte.

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Gericht: Verurteilung wegen Volksverhetzung

Das Amtsgericht verurteilt einen Ordner wegen ausländerfeindlichen Äußerungen. Der 57-Jährige bestreitet die Vorwürfe. weiter lesen