Aufbruchstimmung in Gerabronn: Frischer Wind weht durch Stadt

Weit und breit kein Wehklagen - und mutige Zuversicht statt lähmender Lethargie: Beim HT-Wahlforum in Gerabronn war deutlich spürbar, dass in der "Stadt der rauen Winde" ein frisches Lüftchen weht.

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  • Die Akteure beim HT-Forum zur Kommunalwahl in Gerabronn (von links): HT-Redaktionsleiter Andreas Harthan, die Stadträte Heiko Ehrmann, Frank Mäschig und Marcus Nimrichter sowie HT-Redakteur Erwin Zoll. Fotos: Harald Zigan 1/2
    Die Akteure beim HT-Forum zur Kommunalwahl in Gerabronn (von links): HT-Redaktionsleiter Andreas Harthan, die Stadträte Heiko Ehrmann, Frank Mäschig und Marcus Nimrichter sowie HT-Redakteur Erwin Zoll. Fotos: Harald Zigan
  • Rund 70 Gerabronner Bürger verfolgten am Dienstag im ehemaligen Progymnasium die Debatte beim HT-Forum zur Kommunalwahl. 2/2
    Rund 70 Gerabronner Bürger verfolgten am Dienstag im ehemaligen Progymnasium die Debatte beim HT-Forum zur Kommunalwahl.
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Oft waren es Gerabronner selbst, die in den letzten Jahren kein gutes Haar an ihrer Kommune ließen. Dahinter steckte wohl auch der Schmerz, dass die glanzvollen Zeiten in der einstigen Hauptstadt des Oberamtes seit dessen Auflösung 1938 über viele Jahrzehnte hinweg schleichend, aber unaufhaltsam zu Ende gingen - mitsamt dem Verlust von bedeutsamen Institutionen wie dem Kreiskrankenhaus.

Leer stehende Läden, die freilich auch in anderen Kommunen von den Problemen des Einzelhandels künden, verschärften diese selbstkritische Haltung noch.

Seit zwei, drei Jahren aber macht sich ein erstaunlicher Wandel bemerkbar, der nicht nur die Kommunalpolitik beflügelte, sondern auch das bürgerschaftliche Interesse an strittigen lokalen Themen wie dem Schicksal des altehrwürdigen, aber maroden Kastenamtes am Kirchplatz verstärkte.

Auch die Stadträte Heiko Ehrmann (Freie Wählervereinigung), Marcus Nimrichter (CDU) und Frank Mäschig (SPD) verspüren diesen Aufwind deutlich, wie sie beim HT-Wahlforum im alten Progymnasium gegenüber HT-Redaktionsleiter Andreas Harthan und HT-Redakteur Erwin Zoll bekannten.

Eine große Rolle in diesem Stimmungswandel spielt ganz klar die aktuelle Sanierung der Gerabronner Innenstadt: Eine "graue Stadt im Wind", wie es eine dankbare Bürgerin formulierte, schüttelte mit einer überaus schmucken Vorzeige-Hauptstraße ihren "Wellblech-Charme" ab.

Die drei Kommunalpolitiker waren sich weitgehend einig darin, dass dieser stadtplanerische Kurs mit einem nicht allzu starren Entwicklungskonzept fortgesetzt werden sollte. Auf einer solchen Agenda könnte dann auch die Gestaltung des Kirchplatzes stehen, der durch den Abriss des Kastenamtes eine völlig neue (und vorteilhafte) Optik erhalten hat.

Nachvollziehen können die drei Kommunalpolitiker auch einen "Herzenswunsch" vieler Gerabronner: Ob mit dem Umzug der Stadtverwaltung in das frühere Rathaus allerdings auch ein neuer Sitzungssaal in einem Anbau verbunden sein muss, blieb strittig: Während Marcus Nimrichter und Frank Mäschig auf ein solches Domizil für das Gremium durchaus verzichten könnten und Alternativen wie das frühere Progymnasium ins Spiel brachten, favorisierte Heiko Ehrmann eine eigene Heimstatt für das Gemeindeparlament: "Die Stadtverwaltung gehört unter ein Dach."

Leer stehende Klassenräume in Gerabronn

Auf der roten Liste der aussterbenden Schularten steht auch die Werkrealschule in Gerabronn: Heuer gab es keine einzige Anmeldung für die fünfte Klasse. Der Zorn auf die Schulpolitik des Landes einte das Trio auf dem Podium: Marcus Nimrichter wollte es nicht in den Kopf hinein, dass zum Beispiel in Rot am See über neue Schulräume nachgedacht wird und woanders Klassenzimmer leer stehen werden.

Frank Mäschig verschonte auch einen Parteifreund nicht mit Kritik: Er könne sich "in Rage reden", wenn er an Kultusminister Stoch und seine Vorgaben denke. Konkrete Gefahren auch für das Gymnasium sah Heiko Ehrmann dagegen nicht - der Gemeinderat werde jedenfalls "alles tun, um diese Schule zu erhalten".

Die Diskussion mit den Bürgern dreht sich um die künftige medizinische Versorgung, um die Zukunft der "Nudelburg" Schüle und um die geplante Hochspannungsleitung. Mit den Ärzten wolle man Gespräche über Nachfolger führen. In Sachen Stromtrasse sah das Trio aber nur wenig Einflussmöglichkeiten - und das riesige Schüle-Areal werde angesichts von horrenden Sanierungskosten und fehlenden Investoren wohl noch länger ein ungelöstes Problem bleiben.

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