Auf ein Bier in Bebels Garten

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Ein Blick in den künftigen "August-Bebel-Biergarten". Zum 100. Todestag des Sozialdemokraten feiert Nikolaos Sakellariaou dort ein Sommerfest. Privatfoto

Was könnte man zum Todestag des Sozialdemokraten August Bebel machen? Das hatten sich die Genossen des SPD-Kreisverbands gefragt, als sie Veranstaltungen zum 150-jährigen Bestehen ihrer Partei planten. "Auf jeden Fall nichts trauriges", meint der Kreisvorsitzende Nikolaos Sakellariou. Bebels Autobiografie hatte er als Schüler gelesen - seither betrachtet er ihn als politisches Vorbild. Sakellarious Vorschlag: "Was bietet sich am 13. August besser an, als ein Sommerfest?"

Der Ort dafür war auch schnell gefunden: Sakellarious privater Garten an den ehemaligen Kasernengebäuden im Solpark, wo der Genosse wohnt. 1936 von den Nazis gebaut, "und von mir zu friedlichen Zwecken genutzt", scherzt Sakellariou. Sein Garten dort heißt inoffiziell längst August-Bebel-Biergarten. Das soll nun offiziell werden: Am Dienstag lädt Sakellariou zum Sommerfest ein und schraubt dann ein entsprechendes Namensschild an.

Die Geschichte dieser Namensgebung ist auch schnell erzählt: Als in Hall der Platz "Hinter der Post", einst Judenmarkt, per Gemeinderatsbeschluss in "Sparkassenplatz" umbenannt werden sollte, taufte Sakellariou seine heimischen Garten nach Bebel. Eine Umbenennung als Werbegag für eine Bank - das hat dem Sozialdemokraten gar nicht geschmeckt. "Das geht doch nicht, das ist ein öffentlicher Platz", schimpft Sakellariou noch heute. Selbst wenn die Sparkasse als Gegenleistung einen Brunnen spendiert hat. Aus Protest benannte er seinen Garten nach Bebel, damit dieser womöglich nicht auch mit dem Namen eines Geldinstituts versehen wird. Denn, so Sakellariou, "mein Garten gehört ja auch der Bank". Müsste er also folglich "Sparkassen-Garten" heißen? "Nein", sagt Sakellariou, "Ich bin ja bei einer anderen Bank".

Beim Gartenfest am Dienstag will Sakellariou "eine besondere Persönlichkeit" würdigen. Sakellariou liest dann historische Zeitungsartikel aus dem Haller Tagblatt, in denen über Bebels Besuch in Hall um das Jahr 1873 und seine Rede vor einem vollen Saal im Goldenen Adler berichtet wird. Anstoßen wird der Politiker auf die Umbenennung seines Gartens übrigens mit einem heimischen Bier. Es soll jetzt aber nicht der Anschein erweckt werden, die Brauerei habe die Gartenmöbel gesponsert. Die Nachfahren Bebels spendieren aber auch keinen Brunnen.

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