Auf der Suche nach Geldverstecken

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    Ist da was im Eimer? Ein Polizist durchsucht am Donnerstag die Gartenhütte. Foto: 
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    Die Polizei lässt ein Beet umgraben. Foto: 
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    Ein Suchhund vom Zoll ist ebenfalls im Einsatz. Foto: 
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Um 10.05 Uhr erreichte die Redaktion am Donnerstag ein anonymer Anruf. In einem Wohngebiet in Satteldorf gebe es einen Polizeieinsatz, hieß es. Die Nachbarn wüssten nicht, was los sei. Vor Ort wurde dann schnell deutlich, dass es sich um einen nicht ganz alltäglichen Einsatz handelte. In der Straße parkten Autos von Polizei, Kriminalpolizei und Zoll.

Beobachtet von ein paar Schaulustigen durchsuchten Beamte bis zum späten Nachmittag ein Wohnhaus mit Garten und Garage nach Geldverstecken. Im Einsatz war auch ein Bargeldsuchhund. Bei der Aktion wurde „eine Vielzahl von Beweismitteln aufgefunden und sichergestellt“, schrieb die Polizei später in einer Pressemitteilung. Ob Geld gefunden wurde, und wenn ja, wie viel, darüber ist nichts zu erfahren. Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Ellwangen und der Polizei dauern an.

Dringender Verdacht

Der Durchsuchung waren umfangreiche Ermittlungen des Polizeireviers Crailsheim vorausgegangen. Gegen eine 34-Jährige bestünde „der dringende Verdacht, dass diese an ihrer Arbeitsstelle in Crailsheim in einem Zeitraum von etwa zwei Jahren das Kassensystem manipuliert und einen sechsstelligen Bargeldbetrag unterschlagen hat“. Laut HT-Informationen arbeitete die Frau bei einer Metzgerei.

Das Amtsgericht Ellwangen erließ Haftbefehl gegen die Beschuldigte. Dieser wurde bereits vollzogen. Anwohner berichteten, dass die Frau vor rund zwei Wochen von der Polizei mitgenommen wurde und seitdem nicht mehr aufgetaucht sei. Wer die Handynummer wählt, die im Zusammenhang mit ihrem Namen auftaucht, erhält folgende Auskunft: „Ihr Gesprächspartner ist zurzeit leider nicht erreichbar.“

Auf die Frage, wo denn seine Frau sei, soll der 35-jährige Ehemann geantwortet haben, dass sie an den Händen erkrankt sei. Kinder gibt es keine. Gegen den Mann ermittelt die Polizei wegen Beteiligung an den Taten. Er war gestern übrigens anwesend, als Haus, Garten, Garage und Auto durchsucht wurden. Auch der Geschäftsführer der Metzgerei fuhr mit einem Firmenfahrzeug vor. Auf spätere telefonische Nachfrage wollte er sich nicht zum Fall äußern, sondern erst mit seinem Anwalt sprechen. Anwohner berichteten, dass die Garage voller Fleischboxen gewesen sein soll.

Reisegewerbe angemeldet

Die Polizei durchsuchte auch zwei Anhänger, die auf dem Grundstück standen. Mit dem einen soll der Mann regelmäßig auf einem Supermarkt-Parkplatz in Crailsheim gestanden haben, um dort Gebäck zu verkaufen. Angemeldet hat er ein „Reisegewerbe mit Verkaufswagen“. Seine Frau richtete in diesem Jahr ein musikalisches und kulinarisches Event in der Turn- und Festhalle Ellrichshausen aus. Dies lässt zumindest der Name des Veranstalters vermuten, er trägt ihren Vornamen im Slogan. Ein Video im Internet zeigt das Ehepaar in der Halle beim Tanzen.

Der Ellwanger Oberstaatsanwalt Peter Staudenmaier, der ebenfalls in Satteldorf vorbeischaute, wollte mit dem Fall eigentlich erst heute an die Öffentlichkeit gehen, spätestens Anfang nächster Woche, „weil die Maßnahmen noch nicht vollumfänglich abgeschlossen“ seien, wie er sagte. In Absprache mit dem ­Polizeipräsidium Aalen kam es dann doch noch gestern zu einer Pressemitteilung. Die Durchsuchung sorgte wohl für mehr Aufsehen als erwartet. Zwischenzeitlich dachte die Polizei sogar darüber nach, einen Sichtschutz aufzustellen.

Nachts im Garten

Das Ehepaar, heißt es in Satteldorf, soll schon öfter mit der ­Polizei zu tun gehabt haben. ­Ansonsten sollen die beiden dadurch aufgefallen sein, dass sie nachts im Garten arbeiteten. Oft sei die Frau früh morgens aus dem Haus gegangen und erst spät abends wiedergekommen. Sichtbar ist auch die Vorliebe für teure deutsche Autos. Dabei fragte sich manch einer, wo das Geld dafür herkomme.

Da, wo ihr Haus steht, klaffte vor drei Jahren noch eine Baulücke. Vor knapp zwei Jahren stimmte der Gemeinderat dem Anbau einer Garage und Pergola zu. Zuletzt zog das Ehepaar eine meterhohe Mauer am Grundstück hoch, die musste es aber wieder abreißen – seit gestern gibt es wohl nichts mehr zu verstecken.

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