Auch Kinder aus deutschen Familien haben Sprachdefizite

Der Jugendhilfeausschuss des Kreistags informierte sich über die Umsetzung eines Bildungs- und Erziehungskonzepts im Kindergarten. Es ging auch um sprachliche Einschulungsdefizite bei Kindern.

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Schon in Kindertagesstätten werden Mädchen und Jungen besonders gefördert, wenn es sprachliche Defizite gibt. In den Schulen gibt es auch Förderunterricht.

Um Kindergartenkinder bestmöglich auf die Schule vorzubereiten, gibt es den sogenannten Orientierungsplan. Die Kreistagsfraktion Grüne/ÖDP hatte kürzlich wissen wollen, in welchem Umfang dieses Bildungskonzept in den Kindergärten umgesetzt wird. Bisher ist der Plan, bei dem die Sprachförderung eine zentrale Rolle spielt, für die Kindertagestätten unverbindlich. Er lässt den Einrichtungen viel Freiraum zur Gestaltung. Um zu beurteilen, wieviele Kitas nach dem Konzept arbeiten, hat das Jugendamt an alle 74 Träger solcher Einrichtungen im Landkreis Fragebögen verschickt. 37 Träger haben den Bogen beantwortet. Das Ergebnis stellt Melina Savvidis, Mitarbeiterin im Jugendamt, dem Jugendhilfeausschuss des Kreistags vor:

Drei Viertel geben an, ihre Mitarbeiter vollständig für den Orientierungsplan geschult zu haben, bei einem Drittel ist die Fortbildung noch nicht komplett. Das Konzept schreibt vor, die Entwicklung der Kinder gewissenhaft zu beobachten und zu dokumentieren.

Fast alle Träger teilen mit, dass die Erzieherinnen in ihren Einrichtungen das Konzept umsetzen. Wert legt der Plan darauf, den Übergang von der Kita in die Schule etwa durch Besuche der Grundschullehrer in der Kita oder Schnuppertage für Kita-Kinder in der Schule, zu erleichtern. In den Kitas von 33 Trägern sei das so üblich. Nach der Einschätzung der Träger arbeiten fast vier Fünftel der Einrichtungen zu 75 bis 100 Prozent nach den Vorgaben des Orientierungsplans. Ob die restlichen der insgesamt 74 Träger den Orientierungsplan noch nicht umgesetzt haben oder ob es andere Gründe gibt, warum sie nicht geantwortet haben, ist nicht bekannt. Für die Grünen-Kreisrätin Beate Braun war die Befragung "ein guter Anfang", auch wenn die Antworten recht subjektiv seien.

Auskunft erbat die Fraktion auch zur Anzahl der Kinder, die eine Förderung brauchen, um schulfähig (früher nannte man das schulreif) zu sein. Das trifft im Kreis Hall auf gut ein Drittel aller Kinder zu.

Etwa ein knappes Viertel aller Kinder haben Sprachdefizite, selbst wenn die Muttersprache Deutsch ist. Der SPD-Kreisrat Rüdiger Schorpp, Leiter der Grundschule in Sulzdorf, bestätigt aus seiner Erfahrung einen steigenden Trend.

Positiv vermerkt er, dass das Gesundheitsamt seit ein paar Jahren die Kinder ein Jahr vor Schuleintritt untersucht und dabei auch sprachlich testet. Die Kinder könnten dann im letzten Kindergartenjahr noch besonders gefördert werden. Beate Braun wirft ein, ob es nicht besser wäre, die Kinder über drei Jahre im Kindergarten durch mehr Personal stärker zu fördern. Darüber gebe es verschiedene Ansichten, so Ursula Hägele, Ärztin beim Haller Gesundheitsamt. In welcher Form die Kindergärten Sprachförderung anbieten, sei denen freigestellt.

Laut Schulamt in Künzelsau beklagen sich auch einige Grundschulen über mangelnde Sprach- und Sozialkompetenz von Schulanfängern. Zahlen dazu gibt das Amt aber nicht bekannt. Nur, dass an 22 Standorten im Landkreis Sprachförderklassen an Grund- und Werkrealschulen eingerichtet sind.

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