Auch ich kann etwas ausrichten

Gedanken zum Sonntag von Pastoralreferent Wolfram Rösch von der Kirchengemeinde St. Markus in Schwäbisch Hall.

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Für den Schwäbisch Haller Pastoralreferenten Wolfram Rösch ist der Regenbogen ein Zeichen der Hoffnung. Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Der Regen goss in Strömen am vergangenen Sonntag, der Wind peitschte und es waren sogar kleine Graupelstücke auf dem Boden zu sehen. Mitten im Mai herrschte Aprilwetter. So schnell das Unwetter kam, so schnell klarte es wieder auf und über der Stadt war ein wunderschöner Regenbogen zu sehen. Viele waren davon begeistert, das Bild rührte die Menschen an und ließ ihnen das Herz aufgehen.

Viele Sagen und Legenden ranken sich um den Regenbogen. Eine Überlieferung sagt, dass dort, wo der Bogen die Erde berührt, ein Goldschatz zu finden sei. Sehr bekannt ist auch die Erzählung, die davon handelt, dass sich am Ende eines großen Durcheinanders ein großer Regenbogen über die Erde spannte. Davor war alles zerflossen und es gab keinen Halt mehr. Doch dann kehrte wieder Ruhe und Ordnung ein. Die Bedrohung war endgültig gewichen.

Davon erzählt die Bibel. Eine der Hauptpersonen in dem Geschehen ist Noah. Bekannt ist er als Erbauer der Arche. Dass die Überlieferung schon sehr alt ist, merkt man an ihren vielen Textschichten.

Sie beginnt mit einem recht dunklen und grausamen Gottesbild, das sich am Ende zum Positiven wandelt. Ganz menschlich heißt es dann, dass Gott Reue verspürte und sich geändert hat. Wahrscheinlich haben sich eher die Menschen gewandelt und weitere, barmherzige Aspekte in ihrem Gottesbild entdeckt.

Mich spricht die alte Erzählung an, denn sie schildert die Grundgefahr, in die wir Menschen immer wieder hineingeraten können: Wir beuten die Erde aus und laufen Gefahr, unsere Lebensgrundlagen zu zerstören. Dann wird wohl alles über uns einbrechen. Wie gewaltige Wassermassen, die nichts mehr aufhalten kann, werden uns die hausgemachten Probleme überfluten. Am Ende steht der große Scherbenhaufen, das Chaos und kein Stein steht bildlich mehr auf dem anderen.

Aber, so sagt der Text, es gibt eine Möglichkeit, nicht unterzugehen, nicht kaputt zu gehen. Es ist ein Schiff, die Arche, die über dem ganzen Durcheinander schwimmt und das neue Leben in sich trägt. Wir brauchen nur wie Noah den Mut, uns der Gefahr zu stellen und Lebensräume gegen die Bedrohung schaffen. Heute muss das nicht unbedingt ein Boot sein, das auf den Wellen schaukelt, auch nicht der biblische Zoo, der an Bord geht. Die Arche ist für mich ein Bild des neuen Aufbruchs.

Der entsteht dort, wo Menschen sich für gerechte Löhne einsetzen, wo niemand durch grausame Strukturen zu Tode kommt. Oder, wo Verbraucher bereit sind, höhere Preise zu zahlen, weil die Kleidung eben nicht unter menschenunwürdigen Verhältnissen hergestellt wurde, oder Tiere artgerecht gehalten wurden. Eine Arche sind auch Menschen, die aktiv "Nein" sagen, zum Raubbau des Regenwaldes, die sich auf die Seiten der Armen stellen, die ihren Visionen folgen und nicht aufgeben. Das können auch Zeitgenossen sein, die mithelfen, die kriegszerstörten Städte wieder aufzubauen, die traumatisierten Menschen einen Halt schenken.

All diese Aufbrüche zeugen davon, dass letztlich nicht der Tod, sondern das neue Leben steht; am Ende befindet sich nicht die Dunkelheit, sondern die Sonne mit ihrer Kraft und Wärme. Über allem erscheint das Hoffnungszeichen, der Regenbogen. Das macht mir Mut, denn auch ich kann etwas ausrichten und muss nicht resignieren. Dass das gelingen kann, zeigt mir der Regenbogen immer wieder neu, nicht nur am vergangenen Sonntag.

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