Asylbewerber: In Kirchberg haben die Vorbereitungen bereits begonnen

"Es ist unsere Aufgabe, die Flüchtlinge hier in Kirchberg gut aufzunehmen." So reagiert Bürgermeister Stefan Ohr auf die Ankündigung des Landkreises Hall, im Adelheidstift Asylbewerber unterzubringen.

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Die Entscheidung des Landratsamts ist für die Stadt Kirchberg "nicht ganz überraschend" gekommen. Wie Bürgermeister Ohr am Montag erklärte, habe es bereits Mitte letzten Jahres Überlegungen gegeben, das Adelheidstift für Asylbewerber zu nutzen. Damals sei jedoch das Ziel vorrangig gewesen, für das 2012 geschlossene Mutter-Kind-Kurheim wieder eine Nutzung im Bereich der "sozialen/gesundheitlichen Daseinsvorsorge" zu finden. Inzwischen sei jedoch der Zuzug an Flüchtlingen so groß, dass der Kreis das Gebäude benötige. Dort sollen im Februar 29 Asylbewerber einquartiert werden.

Notwenige Akzeptanz schaffen

Stefan Ohr bemüht sich nun, alle Beteiligten und gesellschaftlichen Gruppen an einen Tisch zu bringen. Schon in der nächste Wochen soll ein Gespräch stattfinden, an dem außer der Stadtverwaltung und dem Landkreis auch Vertreter der Kirchengemeinden und der Vereine teilnehmen sollen. "Wir wollen klären, was wir tun können", beschreibt Ohr das Ziel. "Um für das Wohnheim und die dort lebenden Menschen die notwendige Akzeptanz zu schaffen, wird zwischen allen Beteiligten eine vertrauensvolle Zusammenarbeit und eine umfassende Information der Öffentlichkeit erforderlich sein", schreibt Ohr in einer Pressemitteilung. Eine erste öffentliche Information werde es in einer Gemeinderatssitzung am 27. Januar geben, an der ein Vertreter des Landratsamts teilnehmen werde. Außerdem gibt es Ohr zufolge Überlegungen, zu einem Tag der offenen Tür im Adelheidstift einzuladen.

Generell ist Ohr zuversichtlich: "Alle bisherigen Kontakte und Rückmeldungen zeigen mir, dass uns die Aufnahme der Asylbewerber in Kirchberg gut gelingen wird", schreibt er. Im Gespräch mit dem HT verweist Ohr auf die Erfahrungen des Freundeskreises Asyl, dessen Leiter der Kirchberger Pfarrer Alfred Holbein ist und der sich um die Asylbewerber in Blaufelden kümmert. "Was in Blaufelden geleistet wird, wird auch hier geschehen müssen", meint Ohr.

Bei Alfred Holbein findet Ohr Unterstützung. "Aus der Arbeit im Freundeskreis weiß ich, dass die Aufgaben auf viele Schultern verteilt werden müssen", sagte Holbein dem HT. Hilfreich sei es, vom Landratsamt zu erfahren, welche Flüchtlinge nach Kirchberg kommen werden - ob es sich um einzelne Personen, um ganze Familien oder nur um Männer handle, wer also die Zielgruppe der Betreuung sein werde. Jedenfalls berichtet Holbein, dass sich sowohl die evangelische als auch die katholische Kirchengemeinde bereits an den Vorbereitungen beteiligen.

Keine Einwände gegen die Unterbringung der Flüchtlinge in dem ehemaligen Kurheim hat die Kirchbergerin Monika Hinderer, die sich mit dem im Dezember 2012 gebildeten "Runden Tisch Adelheid" für die Reaktivierung der Einrichtung eingesetzt hatte. Die Hoffnung, dass das Adelheidstift noch einmal als Kureinrichtung genutzt werden würde, habe sich bereits im März 2013 zerschlagen. Das Adelheidstift sei ein Gebäude, in dem eine menschenwürdige Unterbringung von Flüchtlingen machbar sei, sagte Hinderer auf HT-Anfrage. Deshalb sei es richtig, die Menschen dort unterzubringen.

200 Einwohner verloren

Die Unterbringung der Flüchtlinge im Adelheidstift wird sich aller Voraussicht nach günstig auf die städtischen Finanzen auswirken. Wie das baden-württembergische Finanzministerium dem HT auf Anfrage bestätigt hat, werden Asylbewerber wie alle anderen meldepflichtigen Einwohner der Stadt bei der Berechnung der Zuweisung aus dem kommunalen Finanzausgleich mitgezählt. Und je mehr Einwohner eine Kommune hat, desto höher fällt ihr Anteil an den Zuweisungen aus. Im vergangenen Jahr waren Kirchberg durch die Volkszählung rund 200 Einwohner verloren gegangen. Bürgermeister Ohr war damals davon ausgegangenen, dass die Stadt dadurch im Finanzausgleich einen sechsstelligen Betrag einbüßt.

Im Zusammenhang mit den Flüchtlingen spielen derartige Überlegungen für Ohr jetzt noch keine Rolle. "Wir müssen uns zuerst um die Menschen kümmern", sagt er, "die Frage des Finanzausgleichs steht nicht im Vordergrund."

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