Asyl im Adelheidstift: So gehts weiter in Kirchberg

Nicht mehr lange, dann ziehen die ersten Asylbewerber im Adelheidstift ein. Was erwartet die Kirchberger, was die Flüchtlinge? Viele Fragen sind offen. Das HT fasst den aktuellen Stand der Dinge zusammen und beantwortet wichtige Fragen.

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Wann kommen die ersten Asylbewerber in Kirchberg an?

Ursprünglich hatte der Landkreis angekündigt, im Februar würden die ersten 29 Flüchtlinge einziehen. Dazu ist es nicht gekommen. "Das endgültige Belegungsdatum können wir derzeit noch nicht nennen", verlautet es nun aus dem Landratsamt. Nach HT-Informationen ist nicht vor der zweiten Märzhälfte mit einer Ankunft zu rechnen.

Wie viele Asylbewerber werden im Adelheidstift leben?

Zunächst einmal höchstens 29 - aus brandschutzrechtlichen Gründen. Später aber will der Landkreis das Gebäude mit bis zu 178 Menschen belegen. Im Kirchberger Gemeinderat hat das heftigen Widerspruch hervorgerufen (das HT berichtete). Die Stadt geht davon aus, dass eine Sozialverträglichkeit nur bis zu einer Belegung mit maximal 80 Personen gegeben ist.

Wie läuft das Asyl-Verfahren in Deutschland ab und wie hoch ist die Anerkennungsquote?

Der Ablauf eines Asyl-Verfahrens ist in der Grafik auf dieser Seite dargestellt. Es dauert im Schnitt rund ein halbes Jahr - wobei es je nach Nationalität sehr starke Schwankungen gibt. So werden Antragsteller vom Balkan (meist Roma) in der Regel im Eilverfahren abgewiesen, während andere Verfahren auch 17 Monate oder mehr in Anspruch nehmen können. Laut aktuellen Zahlen des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge waren 2013 nur 1,1 Prozent der knapp 81.000 Antragsteller asylberechtigt, 12,3 Prozent bekamen Flüchtlingsschutz. 11,4 Prozent erhielten eine befristete Aufenthaltserlaubnis, 75,2 Prozent wurden abgeschoben.

Wo - und wie - können die Kirchberger Asylbewerber einkaufen?

Jeder erwachsene Asylbewerber bekommt Wertgutscheine in Höhe von 158,63 Euro pro Monat. Eingelöst werden können diese bei sogenannten "Akzeptanzpartnern" - beispielsweise Lidl und Kaufland. "Weitere können nach Bedarf und Verhandlung hinzukommen", schreibt der Landkreis auf HT-Anfrage. In Kirchberg gibt es keinen Lidl und kein Kaufland, sondern einen Edeka-Markt. Als Bürgermeister Stefan Ohr anklopfte, war für dessen Inhaber Oliver Möller klar: "Das ist gar kein Thema, das haben wir auch früher schon gemacht. Bei uns kann jeder einkaufen. Wir sind bereit, den Aufwand zu betreiben." Danach aber gab es Irritationen, denn: Der Landkreis lässt das Wertgutschein-Geschäft von der privaten Firma Sodexo abwickeln. Diese verlangt vom Markt eine Bearbeitungsgebühr. Für Möller heißt das: mehr Aufwand, mehr Kosten. Die Verhandlungen laufen.

Haben die Asylbewerber die Möglichkeit, den öffentlichen Personennahverkehr zu nutzen?

Die Asylbewerber dürfen sich innerhalb Baden-Württembergs frei bewegen und dabei natürlich auch den ÖPNV nutzen. Die Wertgutscheine sind dafür nicht verwendbar, sie decken lediglich das "physische Existenzminimum" ab. Dafür gibt es ein Taschengeld (also Bargeld) in Höhe von 80 bis 140 Euro monatlich - "abhängig von der jeweiligen Regelbedarfsstufe", wie das Landratsamt mitteilt.

Gibt es sonstige Möglichkeiten, mobil zu sein (Fahrräder, Fahrdienste)?

Außer in begründeten Einzelfällen stehen keine Fahrdienste zur Verfügung. Auch Fahrräder werden nicht gestellt.

Haben die Asylbewerber die Möglichkeit, Deutsch zu lernen?

Viel wird hier über die ehrenamtliche Schiene laufen müssen. Zusätzlich bietet der Landkreis einen Sprachkurs an - allerdings erst ab September. Dieser wird aus dem europäischen Flüchtlingsfonds gefördert und hat einen Umfang von 300 Stunden. 20 bis 25 Menschen können teilnehmen. Die Auswahl erfolgt nach Eingang der Anmeldung. Das Landratsamt erklärt außerdem: "Im weiteren Jahresverlauf werden wir weitere Sprachkurse, die Grundkenntnisse vermitteln sollen, für einen größeren Personenkreis zur Verfügung stellen. Die Teilnahme ist in allen Fällen kostenlos."

Ist vom Beginn der Belegung an eine Sozialbetreuung vorhanden?

Ja. "Es wird von Beginn an eine Sozialberatung in Kirchberg geben. Zusätzliches Personal wurde hierfür eingestellt", teilt der Landkreis mit. Auch zum Umfang der Sozialarbeit macht die Kreisverwaltung Angaben. Demnach wird "bei voller Auslastung ein Vollzeitäquivalent (39 Stunden pro Woche)" zur Verfügung gestellt. Mit voller Auslastung ist nach offiziellen Verlautbarungen wohl eine Belegung mit 178 Flüchtlingen gemeint. Das heißt also: 178 Menschen können zusammen 39 Stunden Sozialberatung in der Woche in Anspruch nehmen. Wie es sich zu Beginn mit bis zu 29 Flüchtlingen verhält, dazu macht das Landratsamt keine näheren Angaben.

Steht den Asylbewerbern im Adelheidstift eine Küche zur Verfügung?

Im Kirchberger Gemeinderat sind zu Beginn der Woche Bedenken laut geworden, die Flüchtlinge blieben im zunächst zu belegenden Altbau des Adelheidstifts ohne Kochmöglichkeit. Auf HT-Anfrage stellt das Landratsamt klar: "Selbstverständlich steht den unterzubringenden Personen eine Küche zur Verfügung."

KOMMENTAR: Bargeld nicht doch die bessere Lösung?

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