Arbeitskreis legt Heimatbuch vor

Ende Februar wird das Heimatbuch für Übrigshausen sowie für die Teilorte veröffentlicht. Seit Sommer 2011 erarbeiten ein knappes Dutzend Bürger - koordiniert von Frieder Krumrein - die Geschichte.

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  • Der Arbeitskreis (von links): Hans Zebisch, Frieder Krumrein, Emmi Bullinger, Wilhelm Kraft, Eberhard Rau, Thomas Hartmann, Dieter Kraft, Hermann Erkert, Doris Erkert und Andreas Volk. Auf dem Bild fehlt Hartmut Stenzel. Privatfotos 1/3
    Der Arbeitskreis (von links): Hans Zebisch, Frieder Krumrein, Emmi Bullinger, Wilhelm Kraft, Eberhard Rau, Thomas Hartmann, Dieter Kraft, Hermann Erkert, Doris Erkert und Andreas Volk. Auf dem Bild fehlt Hartmut Stenzel. Privatfotos
  • In Übrigshausen produzierte bis 1945 eine große Ziegelei Dachziegel und Steine für Bauherren aus der Umgebung. 2/3
    In Übrigshausen produzierte bis 1945 eine große Ziegelei Dachziegel und Steine für Bauherren aus der Umgebung.
  • Reste der früheren Haller Landhege im Wald bei Brachbach. 3/3
    Reste der früheren Haller Landhege im Wald bei Brachbach.
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Die 650-Jahr-Feier in Übrigshausen im Jahr 2011 gab den Anstoß zu dem Projekt. Der pensionierte Lehrer Frieder Krumrein, der seit Jahrzehnten lokale Geschichtsforschung betreibt, war gefragt worden, ob er für eine Festschrift einen historischen Beitrag verfassen könne. Konnte er. Doch wirklich zufrieden mit dem, was an Erkenntnissen da war, war Krumrein nicht. Noch im Jubiläumsjahr trommelte er geschichtlich interessierte Bürger aus allen Teilorten der bis 1972 selbstständigen Gemeinde Übrigshausen zusammen. In nur 2,5 Jahren haben die Übrigshausener und die mitschreibenden Historiker ein Werk verfasst, das vom Umfang deutlich über den anvisierten 250 Seiten liegt.

Die Arbeitsgruppe, die sich einmal im Monat traf, ging arbeitsteilig vor. Etliche recherchierten und schrieben, manche gingen nur mit Notizblock in die Häuser der Bürger und befragten sie. Die Ergebnisse wurden dann von anderen aufgearbeitet. Ergänzt werden die Berichte der Arbeitsgruppe von Ausarbeitungen durch den Haller Stadtarchivar Andreas Maisch sowie die Kreisarchivarin Monika Kolb.

"Das Buch geht ins Detail", sagt Krumrein, Schülerlisten und Konfirmandenbilder sind ebenso enthalten wie die Besitzer aller Bauernhöfe seit 1570. Mit Hilfe dieser Liste können die heutigen Hofeigner unter anderem teilweise über Jahrhunderte verfolgen, wo sie lebten.

Doch das umfangreiche Buch hat auch den Anspruch, den Lesern eine Einführung in die Geschichte des Raumes zu geben, in die Geologie, die Kirchengeschichte, in das Brauchtum sowie auch in die neuere Geschichte. Das 3. Reich und der 2. Weltkrieg sind nicht ausgeklammert worden, sagt Krumrein, "da dürfen wir uns nicht drücken". Die Berichte über diese Zeit leben auch von den zahlreichen Zeitzeugen, die dazu befragt wurden. Krumrein hat dabei festgestellt, "dass das Kriegsende, die Tage des 15., 16., und 17. April 1945, bei den Leuten noch sehr in Erinnerung ist".

Etliche Anekdoten und historische Neuigkeiten sind bei den Recherchen zu Tage gekommen, erzählt Krumrein. So wurde deutlich, dass das alte Schulhaus, das im Jahr 1564 gebaut wurde, nie der Gemeinde gehört hat: Das Haus gehörte zu dem daneben stehenden Bauernhof. Der Bauer hatte das Haus an Handwerker vermietet, die sich nebenher als Schulmeister ein Zubrot verdienten, indem sie in ihrem Wohnzimmer den Kindern aus Übrigshausen das Lesen und Rechnen beibrachten. Dokumentiert ist ein Lehrer, der 1823 einen Prozess gegen Württemberg führte, weil er Miete dafür wollte, dass er seine Stube als Klassenzimmer zur Verfügung stellte.

Auch beklemmende Aspekte sind dargestellt: Akribisch dokumentieren die Autoren die Verluste, die im 30-jährigen Krieg in Übrigshausen zu beklagen waren. Dort starb rund ein Drittel der Bürger, zahlreiche Höfe standen leer und wurden von der Stadt Hall später verkauft.

Selbst Überlieferungen werden in Frage gestellt. So hieß es lange, dass im Rahmen des Schlesischen Erbfolgekriegs bei der Schlacht bei Übrigshausen im Jahr 1742 rund 100 Soldaten ums Leben gekommen sind. Einige hundert französische Soldaten hätten damals auf dem heutigen Dorfwasen Übrigshausen gelagert, erzählt Krumrein. Sie waren auf der Flucht vor den Österreichern. Die Österreicher hatten wohl das Lager überfallen. Krumrein bezweifelt, dass 100 Soldaten getötet wurden - es müsste Hinweise auf das Massengrab geben. Aber im Stadtarchiv sei von rund 100 Gefangenen im Haller Neubau die Rede.

Info Das Buch "Die Geschichte der früheren Gemeinde Übrigshausen mit Steigenhaus, Kupfer, Brachbach und Leipoldsweiler" wird am Freitag, 28. Februar, ab 20 Uhr, im Saal der Geschäftsstelle des Bauernverbands in Übrigshausen vorgestellt. Finanziert wird es von der Gemeinde, Sponsoren und Spenden.

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