Antisemit statt Nazi-Gegner

Die Bischof-Meiser-Straße in Ansbach behält ihren Namen - und wird deshalb zukünftig auch nicht Friedrich-von-Praun-Straße heißen. Dies beschloss unlängst der Ansbacher Gemeinderat.

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Auch in Unterdeufstetten gibt es eine Gedenktafel für Friedrich von Praun. Seine Witwe ließ sie in den 1950er-Jahren errichten. Foto: Ute Schäfer

Die evangelische Kirche hat Friedrich von Praun die Ehre erwiesen, die sie ihm lange nicht gewährt hat: An seinem Dienstsitz in Ansbach hat sie vor einem halben Jahr eine Plakette angebracht. Darauf steht: "Der Kirchenjurist Friedrich von Praun, seit 1930 in diesem Gebäude Leiter der Landeskirchenstelle, widersetzte sich ab 1933 der Gleichschaltung, wurde als NS-Gegner denunziert und am 18. Oktober 1943 verhaftet. Am 19. April 1944 starb er unter ungeklärten Umständen im Nürnberger Gefängnis. Die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern holt die lange unterlassene Würdigung Friedrich von Prauns nach und ehrt ihn als Glaubenszeugen und Opfer des Nationalsozialismus."

Dies steht nun auf einer Plakette an der Landeskirchenstelle. Dieses kirchliche Verwaltungsgebäude allerdings - und das ist im Fall von Praun fast ein wenig zynisch - liegt an der Bischof-Meiser-Straße, und jener Bischof Meiser war bis 1944 der direkte Vorgesetzte von Friedrich von Praun. Bei dessen Beerdigung in Unterdeufstetten kam es seinetwegen sogar zu einem Eklat. Denn als von Prauns Witwe Irene, geborene von Seckendorff, am Sarg Kritik am Naziregime laut werden ließ, verließ der Bischof überstürzt die Trauerfeier. Mit den Nazis wollte sich der Kirchenmann offenbar nicht anlegen, ganz im Gegensatz zu seinem Mitarbeiter von Praun. Den allerdings hatte seine Haltung das Leben gekostet.

Bischof Meiser habe bei der Beerdigung wohl sein wahres Gesicht gezeigt, meint dazu Dr. Hasso von Haldenwang, und das passe auch sonst zu Meisers Haltung während der Nazi-Zeit. Von Haldenwang, in Wildenstein aufgewachsen, hat im vergangenen Jahr eine Biografie über Friedrich von Praun veröffentlicht und setzt sich seither dafür ein, dass die Straße in Ansbach, an der von Prauns Dienstsitz lag - und an der heute noch ein Verwaltungsgebäude der evangelischen Kirche steht - in Friedrich-von-Praun-Straße umbenannt wird.

Mit diesem Wunsch ist er nicht allein: Der Ansbacher Gemeinderat hatte bei seiner jüngsten Sitzung einen Antrag der "Offenen Linken" auf dem Tisch. Auch sie wollen der Bischof-Meiser-Straße einen neuen Namen verpassen.

Damit würde Ansbach einer Reihe von Städten folgen, die alle ihre Meiser-Straßen umbenannt haben, und das mit gutem Grund, wie Hasso von Haldenwang in seiner von-Praun-Biografie ausführlich dargestellt hat: Bischof Meiser war ein Antisemit und hat seine Äußerungen auch nach dem Krieg nie widerrufen.

Als dann im Ansbacher Gemeinderat abgestimmt wurde, votierten von den 37 Stadträten lediglich elf dafür, die Straße umzubenennen. Auch der Antrag von Bürgermeister Hannes Hüttinger von der Bürgerinitiative Ansbacher Parteiloser (BAP), die Straße zusätzlich nach dem nazikritischen Kirchenmann Friedrich von Praun zu benennen, fand keine Mehrheit.

Hasso von Haldenwang, ein entfernter Verwandter von Prauns, ist enttäuscht: "Nun halten die Ansbacher also weiterhin an einem Antisemiten als Ehrenbürger und gleichzeitigem Namensgeber für eine Straße fest. Wie muss die Jugend dieses Zeichen deuten in einer Zeit, in der die rechte Szene zur Gewalt aufrüstet und die Medien einen anscheinend wieder zunehmenden Antisemitismus diskutieren?"

Info Weitere Informationen - auch zu von Prauns Biografie - gibt es unter www.vonhaldenwang.de oder unter offene-linke-ansbach.de.

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