Ansbacher Landrat Rudolf Schwemmbauer gedenkt der Brettheimer SS-Opfer

Der Ansbacher Landrat Rudolf Schwemmbauer hat die Bemühungen gewürdigt, die Geschichte der Männer von Brettheim, die 1945 von der SS erhängt wurden, im Bewusstsein der Öffentlichkeit zu halten.

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Aus der Geschichte lernt man, wozu die Menschen fähig sind - Rudolf Schwemmbauer (am Rednerpult). Foto: Erwin Zoll

Bei der Gedenkfeier vor dem Brettheimer Friedhof sagte Schwemmbauer am Dienstag unter anderem mit Hinweis auf die Gedenktafel am Friedhof, die Erinnerungsstätte und ihren Förderverein, dies seien Belege dafür, "dass Brettheim sich vorbildlich und aufklärend der eigenen Geschichte der NS-Schreckenszeit und der widersprüchlichen bundesrepublikanischen Nachkriegswirklichkeit stellt." Gleichzeitig rief der 68-jährige CSU-Politiker die Brettheimer auf, sich rechts- und linksextremistischen Bestrebungen entgegenzustellen.

Im April 1945 hatte sich der Bauer Friedrich Hanselmann an der Entwaffnung von Hitlerjungen beteiligt, die Brettheim gegen die US-Armee verteidigen wollten. Bürgermeister Leonhard Gackstatter und der NS-Ortsgruppenleiter Leonhard Wolfmeyer weigerten sich, das von einem Standgericht gegen Hanselmann verhängte Todesurteil zu unterzeichnen und wurden deshalb ebenfalls zum Tod verurteilt. Alle drei wurden am 10. April an den Linden vor dem Brettheimer Friedhof erhängt.

Wenige Tage später wurden bei der Einnahme des Dorfes durch eine amerikanische Einheit 18 Menschen getötet.

Die für die Standgerichtsurteile verantwortlichen NS-Täter wurden bis auf einen nach 1945 in mehreren Prozessen freigesprochen.

Rudolf Schwemmbauer verwies auf den Artikel 1 des Grundgesetzes, nach dem die Würde des Menschen unantastbar ist. Dieses Grundrecht sei als bewusste Reaktion auf die massive Missachtung der Menschenwürde durch den NS-Staat zu verstehen. Hitler habe daran gearbeitet, Vorurteile, Feindschaften und Hass zu schüren. Der Landrat setzte dem seine Bitte an die jungen Menschen entgegen: "Lassen Sie sich nicht hineintreiben in Feindschaft und Hass gegen andere Menschen, gleich welcher Nationalität und Hautfarbe."

Aus der Geschichte lerne man, so Schwemmbauer, wozu die Menschen fähig seien. "Deshalb dürfen wir uns nicht einbilden, wir seien nun als Menschen anders und besser geworden", sagte der Landrat. Es gebe keine endgültig errungene moralische Vollkommenheit, für niemanden und kein Land. "Wir haben als Menschen gelernt, wir bleiben als Menschen gefährdet. Aber wir haben die Kraft, Gefährdungen immer von Neuem zu überwinden." Schwemmbauer rief dazu auf, sich für Freiheit, Frieden, Recht und Gerechtigkeit einzusetzen.

Vertreter des Ortschaftsrats und der Gemeinde Rot am See legten mit Schwemmbauer am Friedhofseingang einen Kranz nieder, nachdem Ortsvorsteher Reiner Groß die Namen der 21 Todesopfer verlesen hatte. Wie jedes Jahr begleiteten der Posaunenchor und der Kirchenchor die Gedenkfeier. Unter deren Teilnehmern war der frühere stellvertretende Direktor der Landeszentrale für politische Bildung, den Reiner Groß als einen der Väter der Erinnerungsstätte begrüßte.

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