Angeklagte auf freiem Fuß

Im Prozess um versuchten Mord und Freiheitsberaubung in Blaufelden hat es gestern in Ellwangen eine überraschende Wende gegeben.

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Gegen Ende des ersten Prozesstags hat die Große Jugendkammer des Landgerichts die Haftbefehle gegen die beiden Angeklagten, einen 39-jährigen Vater und seinen 17-jährigen Sohn, aufgehoben. Zuvor hatte eine Hauptbelastungszeugin, die 18-jährige Tochter, alle Aussagen widerrufen, die sie bei der Polizei und bei einer richterlichen Vernehmung gemacht hatte. "Ich habe die Sache übertrieben dargestellt", sagt die junge Frau. Sie begründete ihr Verhalten damit, dass sie sich in einer psychischen Ausnahmesituation befunden habe. "Ich war komplett aufgelöst", erklärte sie.

Was sich im vergangenen Jahr in der kurdischen Familie wirklich abgespielt hat, ist damit unklarer als vor Prozessbeginn. Unter anderen hatte der Staatsanwalt dem Vater vorgeworfen, seine Tochter zehn Tage lang in der Wohnung eingesperrt zu haben, weil er so den Kontakt zu ihrem Verlobten unterbinden und sie später in der Türkei verheiraten wollte. "Ich war nicht direkt eingesperrt", sagte die Tochter jetzt. Sie habe die Wohnung in Begleitung ihrer Schwester ab und zu verlassen können und sie habe auch mit ihren Freundinnen telefonieren können, wenn auch nicht mit ihrem Handy.

Die Tochter bestritt sogar, mit dem jungen Türken verlobt gewesen zu sein. Es habe sich lediglich um ein "Versprechen" gehandelt, nachdem sich beide Familien zunächst über eine Heirat einig gewesen seien. Dann jedoch hätten es sich die Familien anders überlegt. Und auch sie habe den jungen Mann nicht mehr heiraten wollen, sagte die Tochter, sie habe es aber nicht fertiggebracht, ihm dies deutlich zu erklären. Sie habe den Kontakt mit ihm nur gehalten, weil der junge Mann damit gedroht habe, sich umzubringen. "Ich habe ihn ruhiggestellt", sagte sie.

Nach den Vorfällen vom August 2012, die zur Anklage unter anderem des versuchten Mordes geführt hatten (das HT berichtete), war die Tochter in ein Zeugenschutzprogramm aufgenommen und in Heilbronn und Freiburg untergebracht worden.

Kurz vor Prozessbeginn war die Tochter in die Wohnung der Eltern in Blaufelden zurückgekehrt. Auf den Zeugenbeistand, der ihr zur Verfügung stand, verzichtete die Tochter ebenso wie auf eine Nebenklage.

Info Der Prozess wird morgen mit der Vernehmung weiterer Zeugen fortgesetzt

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