An Brückenbauer erinnern

Zu seinen Zeiten in Braunsbach war er jüdischer Lehrer. Von Israel aus hat er sich für die Aussöhnung zwischen Juden und Deutschen eingesetzt. Das Rabbinat in Braunsbach trägt nun seinen Namen: Simon Berlinger.

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Der Braunsbacher Bürgermeister Frank Harsch und Elisabeth Quirbach, Vorsitzende des Rabbinatsvereins, enthüllen das neue Schild am Rabbinatsgebäude. Mehr Fotos auf www.hallertagblatt.de  Foto: 

Zum Festakt strahlt die Sonne und viele Gäste (allerdings wenig Braunsbacher) sind gekommen, teilweise von weit her: Die Töchter von Simon Berlinger sind mit ihren Familien aus Israel angereist. Nurit Kahana erinnert an die letzten Tage ihres Vaters in Braunsbach: "Bis zur letzten Minute hat er sich Sorgen um seine Schüler gemacht." Er habe Deutschland gegen seinen Willen verlassen. Sie bedankt sich für die Freundschaft, die ihre Familie jetzt erlebt habe. Sie sieht es als Auftrag ihres Vaters an, junge Menschen zu Frieden zu erziehen.

Ihre Schwester Edna Bodan hat ein von ihrem Mann Haim gemaltes Portrait mitgebracht, das ihren Vater zeigt und künftig im Rabbinatsmuseum hängen soll. Braunsbachs Bürgermeister Frank Harsch betont, dass sich Berlinger immer für die Aussöhnung mit Deutschen eingesetzt habe. "Der Name Berlinger soll im Bewusstsein bleiben", erklärt er, warum das ehemalige Rabbinatsgebäude umbenannt wird.

Elisabeth Quirbach, Vorsitzende des Rabbinatsvereins, berichtet, wie sie Simon Berlinger erlebt hat. Dieser habe sich als Brückenbauer zwischen Juden und Deutschen sowie Juden und Christen gesehen. "Ihm geschah großes Unrecht und Leid, und trotzdem fühlte er keinen Hass", so Quirbach. Er habe immer den einzelnen Menschen gesehen. Als Vater und Lehrer sei er ein besonderes Vorbild für Generationen.

Landesrabbiner Netanel Wurmser erklärt, dass Berlinger jüdische Tradition gesät habe. "Und das Haus gibt wieder, was er gesät hat", so der Geistliche. Braunsbach habe eine wichtige Bedeutung - auch wegen des jüdischen Friedhofs. "Darum sollten wir uns kümmern", so Wurmser.

Dr. Hans-Peter Müller, Kreisarchivar a.D., bezeichnet Berlinger als väterlichen Freund. "Er war ein Pionier im doppelten Sinn", meint er. Berlinger sei ein Brückenbauer und ein Botschafter Israels gewesen.

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