Am Standard wird nicht gespart

Das neue Crailsheimer Krankenhaus soll sehr energiesparend werden. Das entschied der Sozial- und Kulturausschuss, obwohl das Sozialministerium eine Förderung von Passivhauskomponenten abgelehnt hatte.

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Das Kreiskrankenhaus in Crailsheim: Der Neubau, den der Landkreis für knapp 54 Millionen Euro plant, soll so energiesparend werden, wie es der heutige Stand der Technik erlaubt - auch wenn das mehr Geld kostet. Archivfoto: Andreas Harthan

Soll das neue Crailsheimer Krankenhaus nach höchstem Standard energiesparend gebaut werden, oder nicht? Das war für die Mitglieder des Sozial- und Kulturausschusses des Kreistags eigentlich gar keine Frage: "Wenn man einen Neubau erstellt, dann sollte er dem neuesten Stand der Technik entsprechen", betonte der Freien-Kreisrat und Schrozberger Bürgermeister Klemens Izsak. Damit bekräftigte er die Haltung der Kreisverwaltung. Diese hatte sich zuvor die Frage gestellt, ob die Kosten in Höhe von 1,38 Millionen eingespart werden könnten. Denn das Ministerium will die Passivhauskomponenten, die die Architekten einbauen wollen, nicht fördern.

Der Grund: Die bestehenden Bauvorschriften sehen eine energiesparende Bauweise, die aufwendiger ist als es die Energie-Einsparverordnung von 2009 vorschreibt, nicht vor. Das Land, so argumentierte das Ministerium, halte sich bei seinen eigenen Immobilien ebenfalls nur an den Mindeststandard mit nur zweifach verglasten Fenstern. Die Passivhauskomponenten (unter anderem dreifach verglaste Fenster) müsste der Kreis selber zahlen.

"Wir sind der Meinung, wir sollten es trotzdem tun", sagte Kreiskämmerer Werner Schmidt in der Sitzung des Sozial- und Kulturausschusses am Donnerstag. Schließlich investiere der Kreis auch in die energetische Sanierung seiner Schulgebäude. Dass der Kreis dabei ein Vorbild sein muss, steht für die Verwaltung außer Frage.

"Wenn wir das jetzt nicht investieren, dann bereuen wir es später", mahnte die Crailsheimer SPD-Kreisrätin Helga Hartleitner und kritisierte ihre Genossin Karin Altpeter (SPD), die das Stuttgarter Sozialministerium führt: "Wir verstehen nicht, dass diese Passivhauskomponenten nicht gefördert werden." Diese Regierung stehe für Umweltschutz und Energiesparen, erinnerte Landrat Gerhard Bauer. Unverständlich, dass das Land das Energiesparen nicht fördert.

Teurer kommt das Krankenhaus für den Kreis deshalb nicht, betont Kreiskämmerer Werner Schmid auf Nachfrage. Die Passivhauskomponenten seien in der Kostenkalkulation bereits enthalten (siehe rechts).

Die Möglichkeit, bei der Energiespartechnik Kosten zu sparen, wollte der Ausschuss also bewusst nicht nutzen. "Wir könnten weniger aufwendig bauen, ohne dass das Land seinen Zuschuss kürzt", gibt Schmidt zu bedenken. "Die Mehrkosten für die Bauausführung mit Passivhauskomponenten betragen 658000 Euro" - verglichen mit den Kosten für den geringeren Standard der Energie-Einsparverordnung von 2009, schreibt der Kämmerer in der Sitzungsvorlage. Verzichtete der Ausschuss auf jegliche Energiespartechnik (siehe rechts), hätte er 1,38 Millionen Euro sparen können.

"Es freut mich außerordentlich, dass sich hier ein Konsens anbahnt", sagte der Grünen-Kreisrat Hans-Joachim Feuchter. Der Ausschuss sprach sich einstimmig für den höheren Standard aus.

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