Altbürgermeister Kuno Haberkern stirbt im Alter von 87 Jahren

Besonnen, bescheiden, fleißig - so bleibt Kuno Haberkern vielen Menschen in Erinnerung. 28 Jahre lang war er im Rathaus Wolpertshausen der Chef. Am Ostersonntag starb er - drei Wochen vor seinem 88. Geburtstag.

|

"Obwohl ich kein geborener Hohenloher bin, - vielleicht aber gerade deshalb - haben mich die Geschichte, kausale Zusammenhänge und Lebensumstände der hiesigen Bevölkerung auch außerhalb meiner beruflichen Tätigkeit interessiert", schrieb Kuno Haberkern 1997 in seinem Geleitwort zur Chronik der Gemeinde Wolpertshausen. Der umfassende und ansprechende Band war auch ein Familienprojekt, das er gemeinsam mit seiner Frau Hildegard und den beiden Töchtern Gudrun und Kunhild, die sich um die Gestaltung kümmerten, gestemmt hatte.

Für die Heimatgeschichte pflegte Kuno Haberkern stets ein großes Faible. Über Jahre hinweg hat der Wolpertshausener Altbürgermeister gemeinsam mit Dr. Beate Iländer das Gemeindearchiv geordnet, Bücher und Akten durchforstet und dabei allerlei Spannendes aus der Geschichte zutage gefördert. Oft hat Samstagnacht noch Licht im Keller gebrannt, berichteten einst Rathausmitarbeiter.

Hohenlohe und Wolpertshausen waren Haberkern zur Heimat geworden. Geboren wurde er am 22. April 1925 in Schwaigern. Nach der mittleren Reife begann er eine Ausbildung als Verwaltungsfachbeamter. 1942 wurde er zur Wehrmacht einberufen. Nach Kriegsende startete er einen Neubeginn als Verwaltungskandidat beim Bürgermeisteramt in Schwaigern. Im März 1953 heiratete er Hildegard Maier, die Töchter Gudrun und Kunhild wurde 1954 und 1956 geboren. Bis 1962 war Kuno Haberkern bei der Stadt Schwaigern beschäftigt, zuletzt als Oberinspektor.

1962 ins Amt gewählt

Ein Freund, der damals Oberbaurat beim Wasserwirtschaftsamt in Hall war, hat ihn auf Wolpertshausen aufmerksam gemacht. Ein Sonntagsausflug führte nach Hohenlohe, dann stand für ihn fest: "Das probier ich", erzählte er einst. Bürgermeister war für ihn der Traumberuf: "Die Selbstständigkeit und dass man etwas bewirken kann", das hat ihn gereizt und angetrieben.

Im Juli 1962 wurde Haberkern mit 98,7 Prozent der gültigen Stimmen zum Bürgermeister gewählt. Schnell kam der Schwabe mit der Mentalität der Hohenloher zurecht. An bösen Streit könne er sich nicht erinnern, erzählte er kurz vor seinem 80. Geburtstag: "Es gab ja immer die Nachsitzung in der Wirtschaft", dort sei vieles bereinigt worden.

Die Eigenständigkeit der Gemeinde Wolpertshausen bei der Gemeindegebietsreform Anfang der 70er Jahre durchzusetzen, war teils ein harter Kampf, den Haberkern aber mit Besonnenheit führte. 28 Jahre währte seine Amtszeit als Bürgermeister. Haberkern war in vielen Vereinen und Verbänden engagiert. 1990 wurde er in den Ruhestand verabschiedet und der Gemeinderat beschloss, ihn zum Ehrenbürger zu ernennen - eine bislang einmalige Auszeichnung in Wolpertshausen.

Ins Seniorenheim nach Berlin

Ruhestand - das wollte Kuno Haberkern nicht wörtlich nehmen. Unermüdlich forschte er in der Dorfhistorie, sammelte Unterlagen und ließ viele Geschichten, Anekdoten und Tatsachenberichte im Amtsblatt Wolpertshausen veröffentlichen. Auch nachdem seine Frau Hildegard vor vier Jahren starb, war Kuno Haberkern in der Gemeinde aktiv, vor allem in der Seniorenvereinigung.

Doch seine Gesundheit machte ihm zusehends zu schaffen. Deshalb beschloss er nun, in ein Seniorenheim nach Berlin zu ziehen, in die Nähe seiner Tochter Gudrun. Mitte März zog er um. Nach einer Operation hatte sich sein Zustand verschlechtert. Seine Töchter konnten bei ihm sein, als er am Ostersonntag starb. "Wir werden unserem Altbürgermeister Kuno Haberkern immer ein dankbares und ehrenden Gedenken bewahren", sagt Bürgermeister Jürgen Silberzahn, der mit seinem Vorgänger auch gut befreundet war.

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Floristin verlagert Blumenverkauf in ehemalige Tankstelle

Verkehr: Die kommende Sperrung der Bundesstraße 290 in Wallhausen löst zum Teil große Besorgnis aus. Dabei ist sogar von einer Bedrohung der Existenz die Rede. weiter lesen