Als Schönenberg die Freiheit abgab

Erst in den 50er Jahren hat Schönenberg seine Eigenständigkeit aufgegeben und ließ sich nach Enslingen eingemeinden. Darüber hat der Arbeitskreis Ortsgeschichte Enslingen nun berichtet.

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Die Jury des Wettbewerbs "Unser Dorf hat Zukunft" bestaunt 2009 die blühenden Gärten. Den Schönenbergern ist zudem der Zusammenhalt wichtig. Archivfoto

Immer wieder greift der Arbeitskreis Ortsgeschichte um Liselotte Kratochvil, die mit großem Engagement an der Spitze steht, Themen aus Enslingen und Umgebung auf. Nun war Schönenberg auf der Höhe an der Reihe. Vielen Bürgern ist kaum mehr bewusst, dass die Schönenberger erst in den 50er Jahren ihre Eigenständigkeit aufgaben und sich nach Enslingen eingemeinden ließen. Darüber haben Liselotte Kratochvil sowie die beiden Schönenberger Landwirte Karl Müller und Dieter Stier geforscht, dafür einige Nachmittage im gut bestückten Enslinger Archiv verbracht und nun die Ergebnisse einem interessierten Publikum in der Enslinger Krone vorgestellt.

Liselotte Kratochvil berichtet, dass Schönenberg im Jahr 1344 erstmals urkundlich erwähnt wurde. Immer wieder wechselte der Besitzer des Weilers, so gab es im Jahr 1562 einen Tausch von Gütern und Rechten zwischen dem Grafen von Hohenlohe und der Reichsstadt Hall. Im Jahr 1572 dokumentierte man alle Güter im Reichssteuerverzeichnis. 1755 gingen die Schönenberger nach Rückertshausen. Den Zehnten bezahlten sie nach Hall und Langenburg. Details am Rande: Damals gab es in Schönenberg eine 24-Stunden-Wache, lediglich drei "Feuereimer" standen zur Verfügung und Bettler tauchten nie auf, weil der Ort so abgelegen war.

Nachdem Württemberg zum Königreich wurde, kam schließlich 1843 alles auf Tisch: Rechnungen und Dokumente wurden kontrolliert, die Besitzverhältnisse festgehalten. 1850 gründeten Enslingen, Gaisdorf und Schönenberg eine Gemeinde, viele Neubürger ziehen zu.

Nun fragt Karl Müller, warum die Realgemeinde Schönenberg so lange Bestand hatte? Realgemeinden sind Grundgenossenschaften mit nach Grundbesitz gestuftem Stimmrecht ihrer Mitglieder. Durch große Holzbestände war in Schönenberg Geld vorhanden. Die Wälder wurden genutzt, das zeigen alte Erlösrechnungen. Stets wurde ein Überschuss erwirtschaftet. Am 1. April 1935 verfügten die damaligen Machthaber, dass Schönenberg seine Gemeinderechte aufgeben müsse. Bei einer Zusammenkunft im Rathaus ergeht der einstimmige Beschluss, die von den Vorfahren erworbenen Rechte nicht aufzugeben. Der Gemeinderat äußert sein Unverständnis für die Sonderregelung des Teilorts. Nach Aussprachen mit dem damaligen Rathauschef ließ sich ein Teil der Bürger umstimmen. Die Verwaltung wollte die Sache im Auge behalten.

Dies sollte noch 20 Jahre dauern. Am 12. April 1954 gingen die Schönenberger aufs Rathaus und teilten mit, dass sie jetzt ablösen wollten, erklärt Dieter Stier. Mit dem damaligen Landrat Dr. Müller, Bürgermeister Brazel und drei Bürgern wurde ein Ausschuss gegründet, der sich auf eine entschädigungslose Ablösung einigte. Daheim überlegte Ausschussmitglied Karl Engelhardt, dass man die Eber- und Farrenhaltung doch behalten solle, weil die Wege so weit waren. Der Bürgermeister war einverstanden. Ein Eber wurde gekauft.

Desweiteren wollten die Schönenberger den Wald behalten, doch damit war die Behörde nur nach Bezahlung einverstanden. Der Wald wurde abgegeben, am 4. September 1957 wurde der Ablösungsvertrag unterzeichnet. Schulden in der Gemeindekasse mussten noch bezahlt werden. Obstbäume durften bis 1965 genutzt werden. Rechte und Lasten sind seither im Grundbuch festgeschrieben.

Was änderte sich? Jedes Jahr wurden 900 Mark an den Farrenwärter bezahlt. Eine wurde Tragkraftspritze wurde angeschafft. Doch sie stand mangels Räumlichkeiten immer in Gaisdorf. Mit Ernst Bürk wurde 1958 ein eigener Sprengmeister für den Steinbruch ausgebildet. Im selben Jahr wurde ein Leichenwagen angeschafft, der auch heute genutzt wird, und der Anschluss an die NOW-Wasserversorgung erfolgte.

Offenbar trägt die lange Eigenständigkeit auch zum Zusammenhalt in der Dorfgemeinschaft der mehrfach ausgezeichneten Ortschaft bei.

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