Als Kürbis und Paprika fremd und verdächtig waren

Maria Schubert hat Rezepte ihrer Großmutter aus dem Banat mitgebracht, und vor allem der Kürbiskuchen ist ihr wichtig.

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Serbien? Das frühere Jugoslawien? Maria Schubert, gelernte Köchin, tut sich schwer mit der geografischen Einordnung ihrer alten Heimat. Sie sieht sich als Ungarin aus dem Banat, in der Tradition der Monarchie Österreich-Ungarn und der Donauschwaben. Die Küche, die sie 1965, mithin vor 52 Jahren nach Hohenlohe gebracht hat, reicht weit zurück. Oma Anna, 1880 geboren, hat aufgeschrieben, was zu tun ist, und seither wurden die bewährten Rezepte nicht mehr verändert.

Der Neuanfang war sehr schwer. Mit Grausen erinnert sich Maria Schubert an die erste Zeit in einer kleinen Wohnung beim Diebsturm, in der die Wäsche am Bett getrocknet wurde, über ausgebreiteten Zeitungen, und der Schornsteinfeger von ihrer Stube aus regelmäßig das ganze Haus wartete und alles mit schwarzem Ruß überzog. Das sollte das Land sein, in dem Milch und Honig flossen?

Das gute Leben wollte hart verdient sein. Selbst als es nicht mehr am Nötigsten fehlte, wurden Banater Selbstverständlichkeiten vermisst: Auf Crailsheimer Märkten und in den Läden suchte sie vergeblich nach  Paprika, Zucchini, Kürbis, Mais und Auberginen. Also gab’s Versorgungsfahrten in den Osten und vor allem eigene Anbauversuche. Unvergessen ist der Polizeiauftritt in ihrem Mohnbeet. Hui, war das ein Theater, bis die Behörden akzeptierten, dass das Stadium des möglichen Mohnsaftes überschritten war und die Vernichtung der Ernte nicht mehr nötig: „Aber machen Sie das ja nicht noch mal“, wurde ihr gesagt.

Die Hohenloher kannten das alles nicht, und sie fanden’s gewöhnungsbedürftig: „Wunderbar, aber nächstes Mal bitte ohne das Paprikapulver“, hat sie mal gehört, als sie ein Gericht aus geräuchertem Aal weitergab.

Von der schwierigen Zutatenbeschaffung und dem doch sehr eingeschränkten Warenkorb  ließ sich Maria die Freude am Kochen nicht verderben, die sie als Mädchen entwickelt, als Köchin im Kinderkrankenhaus vertieft und sich im Übrigen bis heute bewahrt hat. Auf dem Regal steht ein großes Glas voller Suppennudeln: In der alten Heimat war ein Mädel erst heiratsfähig, wenn sie Nudeln machen konnte. Bis heute nutzt sie keine Nudelmaschine, sondern ein Holzbrett und einen Holzstab, der aussieht, als er hätte er seine Existenz als Besenstiel begonnen. Damit lässt sich ein Teig ausrollen, durch den sich mit ein bisschen Fantasie die Zeitung lesen lässt.

Hätte sie in den 60er-Jahren Polenta und Kürbissuppe angeboten, ist sie sicher, sie hätte nur Kopfschütteln geerntet. Mittlerweile sind ihre Rezepte gefragt. Ihre Mohn-, Nuss- und Semmelbröselmühlen könnte sie im Schrank stehen lassen, das alles wird längst gemahlen verkauft. Heute lächelt sie manchmal beim Gang durch den Supermarkt und dem Blick auf allgegenwärtige Paprika, auf Mohn, Mais und Kürbisflut. Sie mag Muskatkürbis, arbeitet aber auch gern mit dem Hokkaido, der eigentlich nicht geschält werden müsste:  „Für meinen Kuchen wird er geschält, dann ist das Kürbisfleisch zarter.“

Das Alter genießen

Maria Schubert, mittlerweile verwitwet, lebt ein gutes Beispiel für einen lebenswerten Lebensabend; sie hat sich ihr Temperament erhalten, ihr Lachen, ihre Freude am Umgang mit Menschen. Ehrenamtlich hat sie fürs DRK und das Gustav-Adolf-Werk gearbeitet, sie stellt sehr aufwendig bestickte und beklebte Grußkarten her, und natürlich kocht sie, am liebsten die Rezepte ihrer Großmutter. Wie sie es immer getan hat.

Zutaten

250 g Maisgrieß, 250 ml heiße Milch, 120 g Schweinefett, 200 g Zucker, vier Eier, ein Päckchen Vanillezucker, eine Prise Salz, Zitronenabrieb oder einige Tropfen Zitronenöl, 130 Gramm Mehl, ein Päckchen Backpulver, Muskatkürbis oder Hokkaido

Zubereitung

Den Maisgrieß mit der heißen Milch übergießen und zudecken.
Schweinefett (alternativ Butter oder Margarine) schaumig rühren, Zucker und vier Eigelb einrühren, Vanillezucker, Salz, Zitronenschale oder –öl beigeben. Den Maisgrieß und das gesiebte Mehl mit dem Backpulver unterrühren, zwei Handvoll grob geriebenen Kürbis und vier steif geschlagene Eiweiß unterheben. Das Ganze in eine 30 x 40 cm große Backform streichen und bei 200 Grad 30 Minuten bei Ober- und Unterhitze backen. Den fertigen Kuchen in Rhomben schneiden. bt

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