Als die Fürstpröbste regierten

Matthias Steuer hat beim Heimat- und Kulturverein Bühlerzell einen Vortrag gehalten. Der Ort gehörte lange zur Fürstprobstei Ellwangen.

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Das hoch über der Stadt thronende Schloss ob Ellwangen war einst die Residenz der Fürstpröpste. Zu ihrer Herrschaft zählten Bühlerzell und Bühlertann. Archivfoto

Interessante Einblicke aus 700 Meter Akten über die Geschichte der Benediktinerabtei und später der Fürstpropstei Ellwangen vermittelte Matthias Steuer, Leiter des Ellwanger Schlossmuseums, den Zuhörern im Bühlerzeller Pfarrgemeindesaal.

Zunächst die Äbte des Benediktinerklosters und ab 1460 die Fürstpröpste waren bis zur Säkularisation 1802/03 die Herrscher auch von Bühlerzell. Bereits um 800 herum gründete das Kloster eine Celle an der Bühler. Diese Cellen waren klösterliche Außenstationen um Ellwangen herum. Durch Waldrodung und Urbarmachung des Virngrundwalds markierte das damals schon bedeutende Kloster sein Einflussgebiet. So wuchs das Herrschaftsgebiet der Fürstpropstei auf 640 Quadratkilometer. 20000 bis 23000 Einwohner lebten dort. Es umfasste somit den größten Teil des heutigen Ostalbkreises und mit Bühlerzell und Bühlertann auch Teile des Kreises Schwäbisch Hall.

In diesem eigenständigen Kleinstaat lag sowohl die weltliche als auch die kirchliche Macht in der Hand des Fürstpropstes, der vom Kaiser und Papst nach seiner Wahl durch die zwölf Stiftsherren von Ellwangen bestätigt werden musste. Somit ist die Geschichte von Bühlerzell eng mit der von Ellwangen verbunden. Dieses Jahr feiert die Stadt an der Jagst ihr 1250-Jahr-Jubiläum.

700 laufende Meter umfassen die Akten im Staatsarchiv von der Klostergründung 764 bis zur zwangsweisen Aufhebung des völlig autonomen Kleinstaates Fürstpropstei Ellwangen 1802/1803. Darin enthalten sind auch einige kuriose Geschichten. Fürstpropst und Erzbischof Franz Ludwig von Pfalz-Neuburg sollte durch eine französische Freibeuterbande bei seiner Badekur 1709 in Schlangenbad entführt werden. Durch den mutigen Einsatz von Bauern und Jägern aus der Gegend ging es für ihn jedoch glimpflich aus, nur sein Leibwächter, der kurfürstliche Oberstallmeister, wurde erschossen.

Wie heutzutage bei Internetauktionen, so ein Besucher, ging es bei der Versteigerung des fürstpröpstlichen Fuhrparks im Oktober 1812 in Augsburg zu. Im Angebot war die vergoldete "Staatskarosse" des letzten Fürstpropstes Clemens Wenzelslaus von Sachsen im Wert von 9000 Gulden. Für schlappe 450 Gulden bekam der neue Besitzer den Zuschlag.

Ein Abdruck der Pahlschen Karte von 1746 wurde von Steuer an den Vorsitzenden des Heimatvereins, Erwin Funk, als Gastgeschenk übergeben. Die Karte ist eine ausführliche Beschreibung des fürstlichen Stiftes Ellwangen und stellt eine sehr gute Leistung der Kunst und Kartenkunde dar. Sie listet alphabetisch über 500 Orte der Fürstpropstei, darunter auch Bühlerzell (damals Billerzell genannt) auf.

Ein dunkles Kapitel der Fürstpröpste war die Hexenverfolgung im 17. Jahrhundert, vor allem unter Johann Christoph I. von Westerstetten. 450 Opfer aus allen Schichten der Bevölkerung, darunter auch acht Frauen aus Bühlerzell, zeugen vom Hexenwahn dieser Zeit.

Geblieben sind in Ellwangen vor allem die baulichen Zeugen der fürstpröpstlichen Vergangenheit: die Stiftskirche St. Vitus, die Wallfahrtskirche Schönenberg, das Schloss Ellwangen, die historische Altstadt mit vielen markanten Bauten und Häusern und das reiche, pulsierende religiöse Leben.

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