"Zimmer mit Aussicht"

Mit dem Umzug der letzten Senioren aus dem barocken Hauptbau des Kirchberger Schlosses in den vorgelagerten Langen Bau geht für die Evangelische Heimstiftung eine Ära zu Ende.

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Nur noch die Bilder an der Wand fehlen: Heimleiterin Dorothea Bohn, Bewohnerin Hilde Erdmann, Pflegerin Elisabeth Ritzel und Pflegedienstleiterin Beate Steifer (von links) freuen sich, dass der Umzug in den Langen Bau gut über die Bühne ging.

"Jetzt kann ich sehen, wo was los ist", sagt Hilde Erdmann, als sie vom Fenster ihres neuen Zimmers im dritten Stock des Langen Baus auf den Rathausplatz davor hinunterschaut. Bis vor Kurzem hatte sie im Witwenbau zwar auch einen schönen Blick auf den Sofienberg, aber hier gefällt es ihr besser. Die 80-Jährige nimmt noch regen Anteil an dem, was um sie herum passiert, und genießt die neue Aussicht auf das Geschehen unten auf der Straße.

Seit 20 Jahren lebt Hilde Erdmann im Kirchberger Alten- und Pflegeheim. Lange Zeit wohnte sie im Hauptbau des Schlosses, dann in dessen barockem Südflügel, dem Witwenbau. "Jetzt langts mit Umziehen", lacht die Seniorin.

Inzwischen sind alle 60 Bewohner im nunmehr komplett sanierten Langen Bau untergebracht. Der erste Bauabschnitt ging 2009 mit dem Einbau einer Großküche im Erdgeschoss und dem Ausbau von erstem und zweitem Stock zu Ende. Im Juni 2012 rückten abermals die Bauarbeiter an, und bis kurz vor Weihnachten war das 50 Meter lange Gebäude ringsum von unten bis oben eingerüstet. "Wir haben das Dach komplett isoliert und neu gedeckt", berichtet Hausdirektorin Dorothea Bohn.

1,4 Millionen Euro hat die Heimstiftung in den Ausbau des Dachgeschosses investiert. "Vor allem die Auflagen des Landesdenkmalamts und des Brandschutzes erhöhten den Kostenaufwand", führt sie aus.

Entstanden sind 14 neue, helle Einzelzimmer mit eigener Nasszelle, die durch ihre Größe und Exposition die Vorgaben der Heimmindestbauverordnung mehr als erfüllen. Die Mitte des langen Flures öffnet sich zu einem großzügigen Aufenthaltsbereich mit offener Teeküche. Hier können die Bewohner die Mahlzeiten einnehmen, falls sie nicht unten im Gemeinschaftsspeisesaal essen möchten.

Für die Mitarbeiter bringt der Umzug in das neue Gebäude zwar einiges an Umstellung, aber auch Arbeitserleichterung mit sich. "Viel Arbeitszeit ging für die langen Wege drauf", teilt Pflegedienstleiterin Beate Steifer mit. Durch deren Wegfall sei jetzt eine bessere personelle Präsenz gewährleistet.

Was aus dem frei gewordenen Witwenbau einmal werden wird, steht noch in den Sternen. Während die Räume des Schlosshauptbaus seit 2009 an Künstler vermietet werden, bleibt der Witwenbau erst einmal geschlossen. Langfristig jedoch werde über eine Nutzung als Wohntrakt für Betreutes Wohnen nachgedacht, so Bohn.

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