"Wollen den Vereinen helfen"

Im Vereinsheim Oberrot wurde am Dienstag bis in die Abendstunden diskutiert. Bei der Vorstellung des neuen Haller Sportkreisvorsitzenden, Josef Singer, war die Zukunft der Vereine Thema.

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Der neue Haller Sportkreisvorsitzende Josef Singer (Mitte) hatte ins Oberroter Vereinsheim geladen. Martin Vinnai (rechts) erklärte, welche Auswirkungen die Ganztagesschulen auf die Vereine haben könnten.  Foto: 

Zur vierten und letzten Vorstellungsrunde hatte der neue Sportkreisvorsitzende des Sportkreises Hall, Josef Singer, für Dienstag ins Vereinsheim nach Oberrot geladen. 20 Vertreter der Vereine aus dem Umland waren seinem Ruf gefolgt. Singers Ziel ist es, in Zukunft die Zusammenarbeit zwischen Sportkreis und Vereinen zu intensivieren.

Nach kurzen Grußworten von Roland Bader (erster Vorsitzender FC Oberrot) und Daniel Bullinger (Bürgermeister Oberrot) übernahm Singer das Wort, allerdings nicht ohne Zeit für Nachfragen einzuräumen. "Den Sportkreis braucht kein Mensch", solche Aussagen höre Singer immer wieder. Deshalb fragt er sich: "Was muss passieren, damit der Sportkreis den Vereinen nützt?" Der neue Vorsitzende geht auf die Probleme ein, mit denen die Vereine aktuell zu kämpfen haben. Der Wandel in der Gesellschaft sei ein Thema, es müsse mehr Sport für ältere Vereinsmitglieder angeboten werden. Außerdem reagierten die Vereine nicht auf Trendsportarten, was dazu führt, dass sich Jugendliche anderswo nach diesen Angeboten umschauen.

Wodurch also hebt sich der ortsansässige Sportverein von anderen Institutionen, die ebenfalls sportliche Aktivitäten anbieten, ab? "Das ist ganz klar der Wettbewerb. Aber soll das in Zukunft so bleiben? Schaffen wir mit dem Wettbewerbsangebot eine Nische, oder sollen sich die Vereine für andere Angebote öffnen?", fragt Singer. "Genau zu diesen Fragen soll der Sportkreis Lösungen für die Vereine anbieten."

Eines der größten Probleme, das die Vereine und der Sportkreis in Zukunft zu bewältigen haben, ist die Kooperation mit den Ganztagesschulen. "Die Ganztagesschulen kommen definitiv. Jetzt müssen wir Lösungen anbieten", sagt Martin Vinnai, der im Sportkreis für die Zusammenarbeit von Schulen und Vereinen mitverantwortlich ist. Wie bei den vergangenen Treffen waren auch diesmal die Ganztagesschulen das meistdiskutierte Thema. Den Vereinen fehlten die Jugendleiter, eine Vielzahl habe kein Interesse mehr am Ehrenamt und würde lieber gegen Bezahlung an den Schulen arbeiten. "In Crailsheim fehlen mittlerweile sogar die Übungsleiter fürs Kinderturnen", meint einer der Anwesenden. Für "exotische" Sportarten wie Zumba wollen die Trainer mittlerweile Geld haben - Geld, das nicht alle Vereine haben. Und selbst wenn dieses vorhanden sei, sei es trotzdem nicht so einfach, Leute zu finden, die Kurse anbieten.

Was passiert also, wenn die Schulen zu Ganztagesschulen werden - abgesehen davon, dass bei den Vereinen die Übungsleiter abwandern? "Auch die Schüler fragen sich, warum sie abends noch ins Training gehen sollten, wenn sie doch schon Sport an der Schule getrieben haben. Die Konsequenz: Den Vereinen gehen auch die Sportler aus", meint Vinnai. Auch hier will Singer die Rolle des Sportkreises stärken. Er soll eine Vermittlerrolle zwischen den Vereinen und den Schulen einnehmen und ein Experte beim Thema Ganztagsschulen werden.

Aktuell laufen Anfragen mit dem Ziel, Menschen zu finden, die Übungsleiter-Lizenzen vorweisen können. Sobald diese ausgewertet seien, könne man die Übungsleiter bei Bedarf den Vereinen zuteilen. Doch auch hier treten schnell Probleme auf. Lizenzierte Trainer sind Mangelware, bei manchen sind die Lizenzen abgelaufen und müssten erneuert werden, was Zeit und vor allem wieder Geld kostet. Laut den Anwesenden kämen keine neuen Leute nach, immer weniger sind bereit, Urlaub und Freizeit für einen Übungsleiterposten zu opfern - auch wenn die Vereine für die Ausbildungen bezahlen würden. "Alle wollen Geld haben, das Ehrenamt geht nicht mehr unbezahlt", meint einer der Vereinsvertreter. Es ist der schönste und gleichzeitig traurigste Satz des Abends.

Die Vereine müssen laut Singer den Leuten also die Vorteile des Ehrenamts schmackhaft machen. "Dort lernt man, mit Leuten umzugehen. Dieses Argument lässt sich allerdings schwierig an den Mann bringen. Die Vereinsvorstände müssen also ein Stück weit Psychologen sein, um den Leuten den Grund, warum sie sich ehrenamtlich engagieren sollten, zu vermitteln." Die Jugendleiter seien ohnehin schon überlastet, man bürde ihnen jede Menge zusätzlich auf. Bleibt nur zu hoffen, dass der Sportkreis konkrete Lösungen anbietet.

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