"Seine Zweifel verliert man nie"

Der Schriftsteller Peter Stamm sprach am letzten Mittwoch mit SWR-Redakteur Wolfgang Niess über sein Leben, das Schreiben und die Angst, zu scheitern. Unter den Zuhörern waren viele Schüler.

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"Charmanter Mann", flüstert eine Stimme aus dem Publikum, als der Schweizer Autor Peter Stamm den voll besetzten Saal der Hospitalkirche betritt. Viele Schüler sind gekommen, ist sein Debütroman "Agnes" schließlich Sternchenthema des Deutsch-Abiturs in Baden-Württemberg. An diesem Abend spricht Wolfgang Niess, Redakteur beim Südwest-Rundfunk (SWR), mit Peter Stamm über seine Person, seine Erzählungen, den eigenen Schreibstil und natürlich über "Agnes".

"Ich weiß oft nicht viel mehr als den ersten Satz. Und der kommt einfach irgendwann." Peter Stamm ist keiner der Autoren, die ihre Texte vorher planen. Keine Klebezettel, keine vorgefertigten Entwürfe. "Wenn ich vorher schon weiß, was geschieht, dann interessiert es mich nicht mehr", sagt er ganz einfach, ganz klar.

Im ersten Satz und der ersten Szene entscheide sich schon, welche Grundstimmung der Text haben werde. Die ist für Stamm in seinen Erzählungen das Wichtigste. Geschichten erzähle er ungern: "Geschichte bedeutet auch immer, Zeit vergehen zu lassen." Was doch viel wichtiger sei, sei die Frage zur Hauptperson: "Wer ist das?" Was die Person letztendlich tut, sei Nebensache, so Stamm.

"Ich will nicht erzählen, wie man erzählt, ich will eine Illusion der Realität schaffen", sagt Stamm. Dazu gehöre, Dinge zu beschreiben, wie sie sind, und nicht, wie man sie sich wünsche. Eine Erzählung sei nur ein Ausschnitt aus dem Leben des Handelnden und die Kunst liege darin, diesen Moment so genau wie möglich zu beschreiben. "Man könnte das Gefühl haben, Autoren handeln heute sehr nach der ,Mc-Donalds-Kultur: je mehr Seiten ein Roman hat, desto besser", meint Stamm. Für ihn seien Erzählungen aber die interessantere Form. Konzentrierter Inhalt lasse sich auch leichter kontrollieren. So kann es schon mal vorkommen, dass Stamm eine Erzählung dreißig bis vierzig Mal überarbeitet: "Sie ist zwar dann noch nicht perfekt, aber sie kommt näher dran."

Schon vor der Veröffentlichung seines Debütromans habe er viel geschrieben. Aber bei "Agnes" habe er es einfach gespürt: "So wollte ich es haben." Autor, oder Künstler allgemein, sei der einzige Beruf, bei dem Übung nicht den Meister mache. "Man wird nicht besser, je mehr man arbeitet. Seine Zweifel verliert man nie."

Im Moment befasst sich der Schweizer mit einem neuen Roman. "Ich bin schon zu drei Vierteln fertig, ich denke schon, dass ich es auch als Roman beenden werde", lacht er.

Info Peter Stamm ist am Mittwoch, 30. Januar, bei der Literarischen Gesellschaft in Crailsheim zu Gast. Ab 20 Uhr liest er in der Buchhandlung Baier. Die Lesung ist ausverkauft.

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