"Seine Herrlichkeit erscheint über dir"

Gedanken zum Sonntag und zum Wochenspruch Jesaja 60,2 von Pfarrer Hermann Beck aus Lendsiedel.

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Ist es nicht einfach herrlich, aus der Dunkelheit der Nacht in den strahlenden Sonnenaufgang hineinzugehen? Oder dies auf der Fahrt über Land zu erleben?

Einfach herrlich, die Nacht hinter sich zu lassen und mit ihr die Müdigkeit des vergangenen Tages, die Enttäuschungen, alles Misslungene. Mit den ersten kräftigen Strahlen des Sonnenaufgangs beginnt ein neuer Tag, brechen Stunden neuer Möglichkeiten an. Das weckt Hoffnung und Mut. Die Strahlen der Sonne berühren unser Herz, streicheln unsere Seele.

So mag es jenen Israeliten ergangen sein, als ihnen der Prophet zurief: "Über dir geht auf der Herr, und seine Herrlichkeit erscheint über dir." Dieser Zuruf war Kontrastprogramm pur angesichts der Wirklichkeit, in der die Israeliten lebten. Da passte allzu sehr, was der Prophet im Satz zuvor schonungslos beschrieben hatte: "Denn siehe, Finsternis bedeckt das Erdreich und Dunkel die Völker."

Wir leben 2500 Jahre später, können uns dieser nüchternen Analyse der Wirklichkeit aber nicht entziehen. Die Lebensumstände haben sich sehr verändert, auch verbessert. Dennoch fällt diese Analyse heute kaum anders aus.

Mitten in Finsternis und Dunkel im Großen der Völker wie im Kleinen des ganz persönlichen Lebens lässt Gott uns diesen Sonnenaufgang seiner Herrlichkeit zusagen. Wo wir verworrenere Zustände sehen, scheinbar unauflösbare Feindschaft, die über Leichen geht, kündigt Gott seine Herrschaft an. Er wird Frieden schaffen, wo uns nicht einmal ein Waffenstillstand, ein halbwegs friedliches Nebeneinander gelingt. Er wird seinen guten Lebensregeln Geltung verschaffen, wo wir immer wieder aneinander schuldig werden.

Wie beginnt dieser Sonnenaufgang seiner Herrlichkeit mitten in der Dunkelheit dieser Welt, auch in unserem persönlichen Leben? Er hat längst begonnen. Gott ist in diese Welt gekommen. In Jesus, im Kind in der Krippe, ist er zu uns gekommen, hat er dies aufstrahlen lassen.

Am morgigen Sonntag schließt dieser Weihnachtsfestkreis. Dann gehen wir hinüber in die Passionszeit. Wir schauen auf den Weg Jesu in dieser Welt. Wir begreifen: Er ist nicht nur einst gekommen. Er ist durch seinen Tod am Kreuz ganz bei uns angekommen. Er ist diesen Weg für dich ganz persönlich gegangen, und doch zugleich für diese ganze Welt. Am Ostermorgen wird die Herrlichkeit Gottes unübersehbar. Wieder brechen Sonnenstrahlen durch die Finsternis der Welt. Die letzte Nacht der Welt wird überwunden - der Tod, der wie nichts anderes auf der Erde das Leben verfinstert. Mitten hinein in diese Dunkelheit ruft Gott uns zu: "Über dir geht auf der Herr, und seine Herrlichkeit erscheint über dir."

Für mich ist dies das eigentliche Wunder: Nicht wir mühen uns, in die Strahlen der Herrlichkeit Gottes zu kommen. Gott legt die Strahlen seiner Herrlichkeit über unser Leben, über diese Welt. Wir sind eingeladen, mit Gott und so im Licht seiner Herrlichkeit zu leben wie in einem strahlenden Sonnenaufgang.

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