"Schule muss auch ein Ende haben"

Unterschiedliche Meinungen zu den Änderungen im Bildungssystem treffen bei einer Podiumsdiskussion in Cröffelbach aufeinander. Einig war man sich darin: Sparen und Gemeinschaftsschule geht nicht.

|
Ich denke, also bin ich: Latein-Unterricht in einer achten Klasse an einem Gymnasium. Elternbeirätin Andrea Bleher bezweifelt, dass leistungsfähige Schüler an einer Gemeinschaftsschule genauso gut gefördert werden.  Foto: 

Die von der alten Landesregierung eingeführte Werkrealschule hat ein Imageproblem - zumindest sieht es der Rektor der Haller Thomas-Schweiker-Werkrealschule, Karlheinz Lang, so. Trotz guter Arbeit, die sich in einem hervorragenden Ergebnis bei der sogenannten Fremdevaluation widerspiegelt, hätte seine Schule sinkende Anmeldezahlen. Den Grund sieht Lang auch in der Abschaffung der verbindlichen Grundschulempfehlung, für die die neue Landesregierung verantwortlich ist. "Wir verlieren dadurch die stärkeren Schüler, das wäre an der Gemeinschaftsschule anders", argumentiert er.

Dies war das Thema einer Podiumsdiskussion, zu der der CDU-Kreisverband nach Cröffelbach geladen hatte. Über 100 Interessierte füllen den Saal im Goldenen Ochsen, darunter rund 40 CDU-Mitglieder. Im restlichen Publikum finden sich etliche Bürgermeister, Schulleiter und Lehrer. Auf dem Podium sitzen Thomas Kuhn, Rektor der Leonhard-Kern-Realschule und sein Kollege Lang von der benachbarten Schweiker-Schule im Haller Schulzentrum West. Außerdem Robert Fischer, Kreßberger Bürgermeister, Andrea Bleher, Gesamtelternbeiratsvorsitzende des Gymnasiums bei St. Michael, und Volker Schebesta, CDU-Landtagsabgeordneter und Experte für Bildungspolitik.

Weil jetzt die Eltern frei wählen dürfen, auf welche Schule ihr Kind nach der Grundschule geht, hat Realschulrektor Kuhn im vergangenen Jahr rund 25 Schüler bekommen, denen die Lehrer die Hauptschule empfohlen haben. Die restlichen 100 Schüler haben eine Empfehlung für Realschule oder Gymnasium. "Wir sind es, die eine sehr heterogene Schülerschaft haben, nicht die Hauptschulen und Gymnasien", stellte Kuhn klar. "Aber wir haben deutlich weniger Lehrerstunden. Als Gemeinschaftsschule bekämen wir 240 Lehrerstunden mehr, das wäre ein enormer Zuwachs."

Kreßbergs Bürgermeister Fischer sieht für eine kleine Werkrealschule, wie es sie in seiner Gemeinde gibt, keine Chance: "Jedes Jahr verlieren wir eine Klasse an die Realschule in Crailsheim." Eine Gemeinschaftsschule wäre eine Möglichkeit, die Schule am Ort zu halten und den Kindern die zeitaufwendige Fahrt zu ersparen. Nicht einverstanden ist er mit den Kürzungen von Lehrerstellen, wie sie die Landesregierung plant. "Sparen und Gemeinschaftsschule einführen, das passt nicht zusammen", stellt er unter Applaus fest.

Andrea Bleher geht die Einführung der neuen Schulart zu schnell. Zuerst sollten die Lehrer fortgebildet werden. Viele Eltern bezweifelten, ob in der Gemeinschaftsschule talentierte Schüler ausreichend gefördert würden. "Wir brauchen weiterhin Leistungsträger", sagt sie und tritt deshalb dafür ein, die Gymnasien zu erhalten. "Sie haben das Ziel der Studierfähigkeit, darauf sind die Bildungspläne der Gemeinschaftsschulen nicht ausgelegt." Der Ganztagesbetrieb an Gemeinschaftsschulen sei nötig für berufstätige Eltern, aber es sollte den Schülern freigestellt werden, daran teilzunehmen. "Schule muss auch ein Ende haben", andernfalls würden Vereine und Kirche darunter leiden. Ein Beispiel nannte die Moderatorin Katrin Heinritz: Die Haller Musikschule habe deutlich weniger Anmeldungen, weil die Schüler zuviel Nachmittagsunterricht hätten.

Dass es im Land so wenige Schüler ohne Schulabschluss gibt, sei ein Zeichen für die Güte des bisherigen Schulsystems, glaubt der Abgeordnete Schebesta. Er rechnet auch damit, dass nicht alle Gemeinschaftsschulen überleben werden, weil sie teilweise weniger als 40 Schüler pro Jahrgang haben. Kritisch sieht er den Plan von Grün-Rot, die Gymnasien neben den Gemeinschaftsschulen zu erhalten. "Dort fehlen dann die guten Schüler und das Niveau sinkt", warnt er.

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Vorbericht: Crailsheim Merlins in Hanau

Die Merlins wollen ihre Siegesserie in Hanau fortsetzen. weiter lesen