"Schaut die Blumen auf dem Felde an . . ."

Gedanken zum Sonntag von Pfarrer Joachim Frisch, Johanneskirche Crailsheim.

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Liebe Leserin, lieber Leser,

jetzt zieht es mich wieder hinaus in meinen Garten. Jeden Tag muss ich meine Runde drehen. Konzentriert blicke auf den Boden. Drückt da nicht etwas durch die Erde, ein kleiner grüner Halm, das Gelb oder Blau einer Blüte? Ich nehme Zweige von den Sträuchern, schaue und staune. Ja, da leuchtet es auch schon durch die Knospenhülle. Da ein bisschen weiß, dort grün oder rosa oder gelb. Vor einer Woche schon sind die Forsythien aufgebrochen. Sie strahlen mit den Narzissen in ihrem leuchtenden Gelb um die Wette. Im Rasen haben die Krokusse bereits ihre Kraft verloren und ihre lila Blüten sind in sich zusammengesunken. Dafür legen die Blausterne (Szilla) mit ihrem leuchtenden Blau einen schönen Schimmer über den Rasen. Und auch unser Bärlauch. Er hat es geschafft! Kleine knoblauchig riechende Blätter hat er bekommen. Noch zu früh zum Ernten, aber schön, dass er den Winter überlebt hat.

Ich komme ins Schwärmen. Das Frühjahr ist für mich die schönste Jahreszeit. Und in diesem Jahr ist es besonders spannend, weil wir unseren Garten im letzten Jahr neu angelegt haben. Ja, vielleicht erlebe ich es gerade deshalb so intensiv, was für ein unbeschreibliches Wunder die Natur ist. Unfassbar mit ihrer Vielfalt von Arten, Formen und Farben, mit ihrer ungeheuren Lebenskraft, die auch ein scheinbar totes Holz wieder aufbrechen lässt, so dass sich frisches Grün, neues Leben entfalten kann.

Das kann doch kein Zufall sein, denke ich dann. Das ist so groß und unfassbar, das ist so verschwenderisch schön, da muss ein großer Geist am Werk sein. Ein Meister, der seine Freude hat an allem Schönen. Ein Gott voller Liebe und Leidenschaft, der sich an solcher Vielfalt ergötzt! Das ist kein kleinlicher, bescheidener, sparsamer Gott, sondern einer, der alle Register zieht! Für ihn ist Geiz überhaupt nicht geil, im Gegenteil! Er hasst den Geiz, er hasst die Kleinlichkeit. Er streut seine Gaben aus in einer verschwenderischen Fülle. Solcher Reichtum, solche Schönheit tut unserer Seele gut, und das ist wohl auch Gottes Absicht. Er will uns etwas Gutes tun, uns wegzureißen von der Beschäftigung mit uns selbst, von der Konzentration auf Mangel, Misslingen, Enttäuschungen.

"Ich glaub, es stinkt Gott, wenn du irgendwo in einem Feld an der Farbe Lila vorbeigehst und sie nicht siehst. . .", sagt die schwarze Frau Shug im Buch und Film "Die Farbe Lila" von Alice Walker. "Ich hab nie richtig gesehen, was Gott gemacht hat. Keine Kornähre (wie macht er das?), nicht die Farbe Lila (wo kommt die her?). Nicht die kleinen wilden Blumen. Nix. Jetzt wo meine Augen aufgehen, komm ich mir vor wie ein Idiot."

Es wäre nicht schlecht, wenn auch uns die Augen gelegentlich aufgingen. Auch wir können die belastenden Momente nie alle aus unserem Leben verbannen. Da brauchen wir etwas, das wir dagegensetzen können, da müssen wir unseren Blick auf die Dinge richten, die unserer Seele guttun. Jesus sagt:

Schaut die Blumen auf dem Feld an, wie sie wachsen! Sie arbeiten nicht und machen sich keine Kleider, doch ich sage euch: Nicht einmal Salomo bei all seinem Reichtum war so prächtig gekleidet wie irgendeine von ihnen. Wenn Gott sogar die Feldblumen so ausstattet, die heute blühen und morgen verbrannt werden, wird er sich dann nicht erst recht um euch kümmern? Habt ihr so wenig Vertrauen?

Also macht euch keine Sorgen! Fragt nicht: "Was sollen wir essen?" "Was sollen wir trinken?" "Was sollen wir anziehen?" Euer Vater im Himmel weiß, dass ihr all das braucht. Sorgt euch zuerst um Gott. . ., dann wird er euch schon mit all dem anderen versorgen."

(Matthäus-Evangelium Kapitel 6, Verse 28-33)

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