„Oppositionsführer die wichtigere Rolle“

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„Ich bin sehr enttäuscht“, sagt Annette Sawade – und das meint sie wirklich so. Sie ist enttäuscht vom miserablen Ergebnis ihrer Partei, das im Land Baden-Württemberg mit etwa 16 Prozent sogar noch einige Prozentpunkte unter dem Bundesergebnis (20 Prozent) liegt. Die Prognosen waren im Vorfeld der Wahl schon alles andere als rosig für die SPD. „Ich habe nicht gedacht, dass es noch weiter runter geht“, zeigt sich die 64-Jährige fassungslos.

„Wie konnte das passieren?“, fragt sie sich und hat keine befriedigende Antwort parat. „Die AfD hat Stimmen gesammelt. Die Menschen sind offensichtlich der Meinung, das ist die Partei, die uns voranbringt.“ Diese Meinung teilt Sawade freilich nicht. „Es ist sehr schade für unser Land. Und schade für unsere Region.“

Platz 19 auf der Liste

Enttäuschend ist das Ergebnis auch für Annette Sawade persönlich. Es sieht schlecht aus für den erneuten Einzug in den Bundestag, dem sie fünf Jahre angehörte. Mit Platz 19 auf der Landesliste Baden-Württemberg (bei der Bundestagswahl 2013 stand sie noch auf Platz 14) hat sie bei diesem Wahlergebnis kaum eine Chance, über das Zweitstimmenergebnis in den Bundestag zu gelangen.

Doch noch liegt das Endergebnis nicht vor und mögliche Überhangmandate sind noch nicht verteilt. Also hofft sie weiter. Zum Redaktionsschluss hieß es, dass es wohl bis Platz 17 reichen würde. Sawade: „Das wäre natürlich der Gau, wenn ich es so knapp nicht schaffen würde.“

Bei der Erstellung der Liste war die SPD kurz nach der Nominierung des Kanzlerkandidaten Martin Schulz im Umfragehoch. Damals hätte Platz 19 gereicht. Doch das zählt jetzt nicht mehr. „Mir war klar, dass der Listenplatz nicht sicher ist“, sagt Sawade jetzt und ärgert sich, dass sie damals nicht für eine bessere Platzierung gekämpft hat.

Die schlechte Platzierung war auch der Grund dafür, dass sie im Wahlkampf um beide Stimmen geworben hat. Doch die Aussicht, das Direktmandat gegen Christian von Stetten zu gewinnen, war von Anfang an gering. In Schwäbisch Hall, wo Sawade zu Hause ist, erreichte sie 22,7 Prozent der Erststimmen. Nicht einmal hier konnte sie Christian von Stetten (34,3 Prozent) übertrumpfen.

So wird die SPD in Berlin wohl ohne die Diplom-Chemikerin aus Wackershofen in die Opposition gehen. Die Auflösung der großen Koalition und den Schritt der Sozialdemokraten in die Opposition findet sie richtig. „Ich kann nachvollziehen, dass der Parteivorstand das beschlossen hat. Die Rolle der SPD als Oppositionsführerin ist jetzt die wichtigere. Wir dürfen auf keinen Fall den Krawallbrüdern der AfD das Feld überlassen.“

Sawades Wahlkampfthemen waren eine soziale Gesellschaft, Vernetzung und Mobilität. Für die Mehrheit der Wähler hatten diese Themen offenbar nicht oberste Priorität.

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