"Man nimmt viel mit heim"

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Ein einfaches Kreuz aus Birkenholz weist auf den christlichen Charakter der Veranstaltung in der Burgberghalle Oberspeltach hin. Eröffnet wurde sie von dem Honhardter Pfarrer Michael Jag. Foto: Wolfgang Rupp

Es muss nicht immer nur die Kirche sein, um seinen christlichen Glauben zu bezeugen und zu leben, zu beten und Gott näher zu sein. Es kann und darf auch die Porsche-Arena in Stuttgart sein, oder die Burgberghalle in Oberspeltach, die Lötholzhalle in Wiesenbach, das Gemeindehaus in Waldtann oder das Gemeindezentrum der Volksmission in Crailsheim. An diesen Orten dreht sich an acht Abenden alles um Glauben, um Glaubensfragen, Glaubenszweifel, Glaubensantworten, Glaubensziele. Nach vier Jahren Pause ist wieder Pro-Christ angesagt, eine Veranstaltungsreihe, die von Stuttgart aus per Satellit in viele Hundert Orte in ganz Deutschland und Europa übertragen wird.

"Wir dürfen nicht warten, bis die Menschen in die Kirche kommen, sondern müssen zu ihnen hinausgehen", unterstreicht Petra Hägele die Notwendigkeit und Bedeutung von Aktionen wie Pro-Christ. "Uns ist es ganz arg wichtig, dass die Menschen von Jesus Christus erfahren", beschreibt sie ihr Hauptanliegen, das wiederum die Basis für ihr großes Engagement ist. Sie gehört der Süddeutschen Gemeinschaft in Crailsheim an und ist zusammen mit Kirchengemeinderätin Heidi Schwarz-Kaaden für die Veranstaltungsreihe in Oberspeltach zuständig. Die Organisation erfordert viel (unsichtbare) Vorbereitung, Abstimmung und auch Durchaltevermögen, geht Pro-Christ doch über acht Abende. Die beiden Frauen sind dabei allerdings nicht auf sich allein gestellt, sondern werden von Mitarbeitern der Kirchengemeinden, der Süddeutschen Gemeinschaft, der Volksmission sowie der Hahnschen Gemeinschaft Mainkling unterstützt.

Die Mitarbeiter sind in Oberspeltach und allen anderen Veranstaltungsorten an ihrem gelben Namensschild zu erkennen und wollen mit ihrem Einsatz vor allem eines: die Menschen zum Glauben hinführen, Impulse geben, ins Gespräch kommen "und sagen, was uns wichtig ist", wie Heidi Schwarz-Kaaden formuliert. "Wir haben durch unseren Glauben unsagbar viel gewonnen", betont sie mit einem Strahlen im Gesicht, "und das möchten wir weitergeben."

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Pro-Christ sind nicht aufdringlich, wollen nicht missionieren. Das will auch der Honhardter Pfarrer Michael Jag nicht. Nach dem Crailsheimer Dekan Dr. Winfried Dalferth am Sonntag begrüßt der Ortspfarrer die Besucher am zweiten Abend. Er greift das Tagesthema "Wie viel Netz braucht der Mensch?" auf, macht deutlich, dass Jesus Christus mehr als ein Facebookfreund ist, nämlich der wahre Mensch und der wahre Gott. "Und er will es für jeden von uns sein", macht der Pfarrer deutlich, vergleicht den PIN mit der Taufe ("durch sie sind wir mit Gott und seinem Sohn verbunden") und unterstreicht das Ziel von Pro-Christ. Diese Reihe wolle in die Gemeinschaft mit Gott einladen, das Leben lebenswerter machen "und uns zu einer guten Vernetzung mit Jesus Christus führen".

Oberspeltach ist an diesem und den folgenden Abenden mit der Porsche Arena in Stuttgart vernetzt und sollte es damit auch mit Ulrich Parzanay sein. Doch der Hauptredner erkrankt ausgerechnet zum Auftakt. Kurzerhand springt Steffen Kern ein, 39-jähriger Pfarrer aus Walddorfhäslach und Vorsitzender des Evangelischen Gemeinschaftsverbandes Württemberg der Apis (früher Altpietisten). Als die Übertragung aus Stuttgart mit Chor- und Orchestermusik beginnt, wird es in der Burgberghalle mucksmäuschenstill. Geradezu andächtig lauschen die Besucher den Worten von Pfarrer Kern. Er nimmt sie auf eine große Wiese mit, auf der sich Menschen treffen, die zueinander gehören, miteinander leben, miteinander arbeiten oder sich einfach kennen. Sie vernetzen sich, bilden eine große Gemeinschaft, in der aber nicht der Mensch im Mittelpunkt steht, sondern Jesus Christus.

Keine Frage: Der von Pfarrer Jag eingangs geäußerte Wunsch wird umfassend erfüllt. Die Zuhörer öffnen ihre Augen, Ohren und Herzen für die frohe Botschaft. Und sie erleben einen gesegneten und guten Abend. "Man nimmt viel mit heim", ist eine 74-Jährige rundum zufrieden. Sie unterhält sich nach dem offiziellen Teil mit anderen Gläubigen noch lange über Gott und die Welt und auch über die seit 2011 verwaiste Pfarrstelle in Oberspeltach Die regelmäßige Kirchgängerin will und kann nicht verstehen, "dass wir keinen Pfarrer mehr bekommen sollen". Das sei richtig traurig. Einer 51-jährigen Besucherin macht das weniger aus. Sie nennt sich selbst eine "etwas schlampige Kirchgängerin", was sie mit Bequemlichkeit, aber auch mit der Gestaltung des Gottesdienstes "nach immer gleichem Strickmuster" begründet. Bei Pro-Christ könne sie zuhören, ohne eine Sekunde lang müde zu werden, "und es werden aktuelle Themen angesprochen", freut sie sich Deshalb werde sie wohl auch noch weitere Abende besuchen, "mit denen wir den Glauben unter die Menschen bringen wollen", wie Kirchengemeinderatsvorsitzender Helmut Schwarz formuliert.

Die Besucher nehmen nicht nur in ihren Gedanken und Herzen viel mit heim, sie könnensich auch an dem von der Christlichen Bücherstube Crailsheim zusammengestellten Tisch reichlich mit Broschüren, Heften und Büchern rund um das Thema Glauben eindecken.

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