"Kinder bleiben auf der Strecke"

Wenn Inklusion die Schließung der Förderschulen bedeutet, sind die Eltern der Sprachheilschüler dagegen. Denn dann fürchten sie für ihre Kinder das Schlimmste. Deshalb schrieben sie ans Kultusministerium.

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Die Klasse 3 a der Crailsheimer Sprachheilschule mit der Elternsprecherin Tanja Charour (mit Sohn Nico auf dem Schoß). Foto: Ute Schäfer

Nico geht in die dritte Klasse der Crailsheimer Sprachheilschule. Er ist ein netter Kerl, nur mit seinem Gehör hat er Probleme. "Er muss auch von den Lippen ablesen", erklärt Tanja Charour. In einer ganz normalen Grundschulklasse mit Lärmpegel und Trubel würde ihr Nico untergehen, da ist sich die Mutter sicher. In der Sprachheilschule hingegen ist Nico gut aufgehoben. Er fühlt sich wohl und lernt mit seinen Kameraden nach dem normalen Lehrplan der Grundschulen - und das zusätzliche Angebot der Schule ist genau auf seine Bedürfnisse zugeschnitten.

"Wir sind eine so genannte Durchgangsschule", erklärt Schulrektorin Sigrun Herrscher. "Wir machen die Kinder fit für die Regelschule." Und tatsächlich werden viele Schüler nach ein bis zwei Jahren wieder in die Regelklassen eingeschult. "Wir haben in jedem Jahr Realschüler dabei, manchmal auch Schüler mit Gymnasialempfehlung." Die Förderschulen - die Sprachheilschule ist eine davon - stehen derzeit aber auf dem bildungspolitischen Prüfstand. "Inklusion" ist das Stichwort. Es bedeutet, dass alle Kinder gemeinsam lernen dürfen - egal, welche Beeinträchtigung sie haben. Dazu hat sich landesweit ein Eltern-Arbeitskreis namens "Gemeinsam leben - gemeinsam lernen" gebildet. Diese Gruppe steht hinter einer Gesetzesinitiative, nach der die Förderschulen im nächsten Jahr allesamt geschlossen werden könnten. Die Förderkinder müssten dann in die Regelklassen integriert werden und ihre Lehrer die Kollegen in den Grundschulen unterstützen. "Doch wie genau das aussehen soll, weiß niemand", sagt Konrektor Robert Schmid-Denkler.

Dennoch sind die Eltern der Sprachheilschüler alarmiert. Die Fronten sind klar: Den Eltern, die die Förderschulen abschaffen wollen, stehen nun Eltern entgegen, die das zu verhindern suchen. "In einer Regelschule bleiben unsere Kinder auf der Strecke", sagt Tanja Charour aus Crailsheim. Von den 50 Sprachheilschulen im Land haben deshalb 46 gemeinsam einen Brief verfasst, der nun an das Kultusministerium geschickt wurde. Die Eltern berufen sich in dem Brief auf ein weiteres bildungspolitisches Stichwort. Es heißt "Elternwunsch" und bedeutet, dass den Eltern ein großes Maß an Mitspracherecht eingeräumt wird, was die Beschulung ihrer Kinder anbetrifft.

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