"Ich will einfach nur raus"

Vorfreude bei Marina Kurz: Die Hallerin kann es kaum erwarten, im Dezember ihr neues Leben in Göppingen zu beginnen - ein Studium an der Polizeischule. Mutter Manuela ist besorgt wegen der Berufswahl.

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Der Abschied von Marina fällt schwer: "Allen Müttern geht das so", sagt Manuela Kurz. Sie und ihr Mann Norbert Kurz unterstützen die Tochter beim Schritt in ein erwachsenes Leben, machen sich aber auch Sorgen. Foto: Arslan

Bei Marina Kurz steht der Auszug aus ihrem Elternhaus bevor. Die 17-jährige Schülerin des Erasmus-Widmann-Gymnasiums hat vor wenigen Wochen ihre Abiturprüfungen geschrieben und bereitet sich zur Zeit auf das mündliche Abi vor. In Gedanken plant sie derweil schon den nächsten Schritt.

Im Dezember beginnt Marina ihr Studium an der Polizeischule in Göppingen. Für sie war sofort klar, dass sie die Strecke von etwa 70 Kilometern nicht mit Bus und Bahn pendeln wird. Bedenken wegen des Umzugs hat die Hallerin nicht. Im Gegenteil: Sie freut sich auf den Umgebungswechsel und kann es kaum erwarten, ihren Alltag in der neuen Heimat alleine zu bestreiten. "Ich will einfach nur raus", sagt Marina selbstbewusst.

Zwar wohnt sie gerne bei ihren Eltern, doch die Stadt langweilt sie. "Schwäbisch Hall ist mir auf Dauer zu klein und zu öde. Zum Einkaufen fehlen hier die Geschäfte, auch die Freizeitangebote lassen zu wünschen übrig." Angst, keinen Anschluss zu finden? "Nein, ich bin mir sicher, dass ich schnell neue Freunde und Bekannte kennenlerne", sagt Marina.

Im ersten Jahr ihres Studiums wird die Hallerin in der Polizeischule wohnen. In der dortigen Mensa wird den Polizeischülern Vollverpflegung angeboten. Morgens, mittags und abends wird Marina also bekocht - fast wie zu Hause. "Ich bin ehrlich gesagt froh, dass ich erstmal nicht kochen muss", gibt Marina zu. "Ich würde mich wahrscheinlich nur von Tiefkühlpizza ernähren, weil ich nicht kochen kann."

Natürlich wird Marina ihre Eltern und ihren älteren Bruder Martin (19) vermissen. Doch auch Martin, der bereits studiert, wohnt nicht mehr im Elternhaus. Dank moderner Kommunikationstechnik wie Skype hält sie es aber für unproblematisch, den Kontakt zu ihren Lieben zu halten. "Wenn ich Heimweh habe, kann ich ja nach Hause fahren", sagt sie lachend. In der Anfangszeit will sie ohnehin häufig nach Schwäbisch Hall zurückkommen, "vielleicht alle zwei Wochen". Was die Fahrten erleichtern könnte: Marina plant, bald ihren Führerschein in der Tasche zu haben.

Marinas Eltern Manuela und Norbert Kurz sehen dem Auszug ihrer Tochter positiv entgegen. Ihr Ziel ist es, Marina zu unterstützen, so gut es geht. Wichtig ist ihnen, Marina weiterhin das Gefühl zu geben, dass die Familie hinter ihr steht - auch wenn sie nicht mehr zusammen in einem Haus wohnen.

So wenig Bedenken die Eltern wegen des Auszugs ihrer Tochter haben, so sehr sorgt sich Marinas Mutter ob der Berufswahl ihrer Tochter. Grundsätzlich befürwortet sie Marinas Entscheidung, zur Polizei zu gehen. Sie macht sich jedoch große Sorgen um Marinas Sicherheit, da Polizisten in ihrem Berufsalltag immer wieder in gefährliche Situationen geraten können.

Was das Kontakthalten angeht, teilen Manuela und Norbert Kurz die Haltung ihrer Tochter. Trotz der Entfernung sind sie guter Dinge, weiterhin Anteil an Marinas Leben nehmen zu können und hoffen, über wichtige Schritte von ihrer Tochter informiert zu werden. "Wir sind immer für Marina da, und das weiß sie auch", sagt Norbert Kurz.

Die Eltern lassen ihren Worten Taten folgen. Damit beide Kinder - Sohn Martin und Tochter Marina - immer das Gefühl haben, in ihrem alten Zuhause willkommen zu sein, bleiben die Kinderzimmer unberührt und einzugsbereit. "Sicher darf mal ein Gast übernachten. Aber es wird nichts umgeräumt und die Zimmer werden auch nicht für etwas anderes genutzt", sagt Mutter Manuela.

Marinas Eltern gehen gefasst mit dem bevorstehenden Auszug ihrer Tochter um. Doch sie geben zu: Wir lassen sie mit einem weinenden Auge ziehen. "Natürlich fällt mir der Abschied schwer. Allen Müttern geht das so", sagt Manuela Kurz. "Aber dieser Schritt muss nun einmal gemacht werden und ausgezogen bedeutet ja nicht aus der Welt."

Info Auf der Seite des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend finden sich Informationen für Eltern, deren Kinder ausgezogen sind. Zum Beispiel Antwort auf die Frage: "Muss ich alles absagen, wenn mein Kind zu Besuch kommt?"

www.familien-wegweiser.de (unter "Kompass Erziehung" - "Auszug der Kinder").

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