"Ich bin kein Künstlertyp"

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Dominik Stricker, Schauspieler in der SWR-Serie "Die Fallers", mit seinem vielleicht größten Fan in Hall, der 91-jährigen Elfriede Haas. Sie kennt ihn aus dem Fernsehen, seit er sechs Jahre alt ist. Heute überragt er sie locker um einen Kopf. Foto: Ufuk Arslan

Die Frau, die Dominiks Urgroßmutter sein könnte, lächelt selig, als er ihr fürs Foto den Arm um die Schulter legt. "So ein charmanter, hübscher Mann", sagt sie. Wäre die Frau tatsächlich Dominiks Urgroßmutter und stünde die Eckbank im heimischen Wohnzimmer und nicht im Nebenzimmer eines Haller Restaurants, würde Dominik jetzt vermutlich die Augen verdrehen, begleitet von einem genervten "Ach, Ur-Omi". Stattdessen rückt er noch etwas näher und sagt mit einem smarten Lächeln: "Vielen Dank."

Elfriede Haas, die schwärmende Frau, ist eine treue Anhängerin der SWR-Fernsehserie "Die Fallers", die das normale Leben einer Schwarzwaldfamilie thematisiert. Und Dominik Stricker spielt in dieser Serie eine Nebenrolle, nämlich den sympathischen Sebastian Wenzel.

Es ist das erste Mal, dass Elfriede Haas aus Schwäbisch Hall einen der Darsteller trifft. Aufgekratzt erzählt sie: "Bei mir ruft sonntags um Viertel nach sieben keiner an. Alle Verwandten und Freunde wissen, dass da die Fallers laufen." Dominik Stricker schmunzelt. Die Erzählung erinnert ihn daran, wie er als Bub von etwa vier Jahren übers Wochenende seine Großmutter besuchte. Da musste er auch immer ruhig sein, wenn die Schwarzwaldfamilie über den Bildschirm flimmerte.

Nur zwei Jahre später war er selbst Teil der Serie. Der Regisseur der Fallers entdeckte ihn, als er in Michael Schanzes Sendung "Kinderquatsch mit Michael" auftrat. "Da hab ich mich nicht gerade schüchtern vor der Kamera verhalten." Drei oder vier Castings später, zu denen ihn seine Mutter begleitet hatte, hatte er die Rolle.

Obwohl er inzwischen auf 14 Jahre als Mime zurückblicken kann, fühlt sich Dominik Stricker die meiste Zeit gar nicht wie ein Schauspieler. Bei etwa 15 Drehtagen pro Jahr bleibt stets Zeit für Freunde, Familie und Lernen. Liebesbriefe habe er noch nie erhalten, und kreischende Mädels hätten ihn auch noch nie umringt, erzählt er und zwinkert. Wenn er mit Kumpels unterwegs sei, dann ist er einfach der "Domi" und kein Schauspieler.

Trotzdem wird er hin und wieder auf der Straße erkannt, meistens von über 50-Jährigen. Aber auch Gleichaltrige haben ihn schon angesprochen. In seinem ersten Semester am Campus Hall wusste ein Dozent nicht recht, woher er sein Gesicht kannte. "Waren Sie in Hall auf dem Gymnasium?", fragte er ihn. Schließlich kam er von selbst auf die Lösung, sprach es dann auch im Seminar vor Kommilitonen an und so wussten bald einige Bescheid.

Nach Schwäbisch Hall verschlug es Dominik Stricker übrigens schon einmal, bevor er sein Studium am Campus aufgenommen hatte. Es ist schon ein paar Jahre her, als ihn seine Agentur zu einem Casting für den Margarete-Steiff-Film schickte. Und das war in Wackershofen. Auch an einem Casting für den "Tatort" hat er teilgenommen. Geklappt hat es in beiden Fällen nicht. Für Dominik Stricker zwar schade, aber nicht existenzgefährdend.

Die Schauspielerei sollte nie sein Hauptberuf werden. Nicht, weil er keinen Spaß daran hätte, sondern, weil er von Schauspielkollegen mitbekommt, wie schwierig die Branche ist. Stattdessen strebt Dominik Stricker eine leitende Funktion in der Finanzwelt an. Schon jetzt ist er Vorsitzender des Börsenvereins am Campus und arbeitet nebenher für eine Unternehmensberatung. Da überrascht es nicht, wenn er sagt: "Ich bin eigentlich kein Künstlertyp." Statt in seiner Freizeit ins Theater zu gehen - die Freilichtspiele hat er noch nicht besucht -, spielt er lieber Fußball. Zwar muss seine Mannschaft oft auf ihren Stürmer verzichten, seit dieser in Hall studiert. Doch er versucht, so oft es geht, am Training des FC Neuweiler teilzunehmen und pendelt freitagabends nach Hause in die 3000-Seelen-Gemeinde im Landkreis Calw. Dort freuen sich nicht nur seine Fußballjungs auf ihn, sondern es wartet auch seine Freundin auf ihn, die im Nachbarort wohnt.

Auch seine zwei jüngeren Schwestern - zehn und 17 Jahre alt - sind froh, wenn er nach Hause kommt. Ihren Bruder auf dem Fernseh-Bildschirm zu sehen, sei für sie indes nichts Besonderes. "Geben die Schwestern mit Ihnen an?", möchte Elfriede Haas wissen. Dominik Stricker bleibt bescheiden: "Nein, das wäre auch nicht gerechtfertigt."

In der Serie "Die Fallers" will er noch so lange mitspielen, wie es Zuschauer gibt, die ihn sehen wollen. Er lächelt Elfriede Haas an. Die reagiert sofort: "Ich mach immer Werbung für Sie!" Zum Dank bekommt sie eine Widmung in ihr Büchlein. Autogrammkarten hat Dominik Stricker nämlich keine dabei. Hat er nie, wenn er durch Schwäbisch Hall spaziert. Schließlich fühlt er sich ja meistens gar nicht wie ein Schauspieler . . .

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