"Geliebter Sohn, geliebte Tochter"

Gedanken zum Sonntag von Vikar

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Auch wenns vordergründig "nur" ums Dschungelcamp geht: Jeder Mensch hat Qualitäten, Talente und Seiten, die ihn liebenswürdig machen. Doch vielen fällt es schwer, dass für sich selber zu erkennen. Foto: Stefan Gregorowius/RTL

Volker Keith von der katholischen Kirche Crailsheim.

Wenn ich Sie, liebe Leserinnen und Leser, bitten würde, zählen Sie mir drei Dinge auf, die Sie besonders gut können oder drei Eigenschaften, die Sie an sich liebenswert finden, könnten Sie dann spontan antworten?

Ich vermute eher nein.

Diese Aufgabe habe ich den Teilnehmern unserer Exerzitien im Alltag in der letzten Fastenzeit gestellt. Und die meisten hatten damit große Probleme. Obwohl ich von jedem/er Teilnehmer/in locker mindestens fünf Stärken und positive Eigenschaften hätte aufzählen können.

Oft tun wir uns mit Positivem schwer, Negatives dagegen kommt uns gleich in den Sinn. Wir Menschen neigen ja gerne dazu, uns zu vergleichen. Das geht schon im Kindergarten los, wenn ein Kind etwas ein wenig früher kann als das andere.

Auch spielen wir gerne Rollen, weil wir anderen gefallen wollen oder weil wir denken, dass andere es von uns erwarten. Bei Gott ist das anders. Da dürfen wir sein, wie wir sind.

Am letzten Sonntag haben wir mit dem Fest "Taufe des Herrn" die Weihnachtszeit beendet. Im Evangelium haben wir gehört, wie Jesus von Johannes getauft wurde. Dabei öffnete sich der Himmel und eine Stimme sprach: "Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Gefallen gefunden."

Diese Zusage, liebe Leserinnen und Leser, gilt auch uns. Die Taufe offenbart uns, dass wir alle Söhne und Töchter Gottes sind. Gottes geliebte Kinder, mit allem Positiven, mit unseren Stärken, aber auch, und vor allem, mit unseren Ecken und Kanten. Achten Sie mal darauf, was Gott Ihnen an Talenten mit auf den Weg gegeben hat. Ich bin mir absolut sicher, es ist eine ganze Menge.

Falls Sie sich schwer damit tun, fragen Sie doch Menschen aus Ihrem persönlichen Umfeld, was sie liebenswert an Ihnen finden, was Ihre Stärken sind. Vielleicht sollten wir uns das viel häufiger sagen, anstatt aneinander zu kritisieren, und miteinander, statt übereinander zu reden.

Vielleicht sollten wir nicht so sehr darauf achten, was Kinder noch nicht können, sondern auf das, was sie können. Nicht jeder ist gleich, und manche brauchen einfach etwas länger.

Öffnet sich da nicht der Himmel?

Drei Wochen ist das neue Jahr nun schon wieder alt. Ich wünsche Ihnen für die restlichen 49 Wochen alles Liebe, Gute, Gottes reichen Segen. Und: Trauen Sie sich etwas zu!

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