"Es gibt schon erste Risse"

Risse in den Brücken über Jagst und Gronach lassen beim Ausbau der Autobahn 6 keine Alternativen zu, meinen die Planer des Regierungspräsidiums. Eine Freigabe der Standstreifen als dritte Spur lehnen sie ab.

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Das längste Lagerhaus Europas: ein LKW-Stau auf der Autobahn 6 am Weinsberger Kreuz. Der Schwerlastverkehr werde proportional zunehmen, begründen die Planer einen Ausbau zwischen Weinsberg und Crailsheim. Foto: Karsten Dyba

"Wir haben das längste Lagerhaus Europas", scherzt man in Satteldorf über die Autobahn 6, die auf acht Kilometern Länge die Gemarkung durchschneidet. So berichtete es der dortige Bürgermeister und Freien-Kreisrat Kurt Wackler im Kreistag. Die Planer des Regierungspräsidiums können dies sogar mit Zahlen unterstreichen: Laut einer Verkehrszählung aus dem Jahr 2010 sind täglich rund 89100 Fahrzeuge auf der A6 westlich von Weinsberg unterwegs. Bei Crailsheim sind es noch 50100 Fahrzeuge. Bis zu 40 Prozent davon sind Schwerverkehr, an manchen Tagen fast die Hälfte. "Da diskutiert man nicht mehr über die Notwendigkeit einer dritten Spur", ist Planungsleiter Jürgen Holzwarth überzeugt.

Dass die A6 einmal eine internationale Verkehrsachse würde, daran hatte beim Bau 1979 keiner gedacht. "Keine Experimente", heißt jetzt beim Ausbau die Losung des Planungsteams A6 des Referates 44 im Stuttgarter Regierungspräsidium. Denn der Schwerverkehr hat seine Spuren hinterlassen.

"Alle Talbrücken östlich des Kochertals sind für einen sechsstreifigen Ausbau nicht dauerhaft tragfähig", betonte Holzwarth bei der Vorstellung der Ausbaupläne im Kreistag. Die Jagsttalbrücke bei Wollmertshausen sei schon jetzt zu 140 Prozent be- und damit überlastet. "Es gibt dort schon erste Risse." Die Gronachtalbrücke bei Bronnholzheim stehe nicht viel besser da. Für Holzwarth ist klar: Gäbe man den Standstreifen als dritte Fahrspur frei, wie es die Grünen vorgeschlagen haben, würden die Brückenränder die Verkehrsbelastung nicht lange aushalten. Kommt der Ausbau, müssten neue Brücken gebaut und die alten abgerissen werden.

Nur die 185 Meter hohe Kochertalbrücke bei Braunsbach sei so stabil, dass sie auch nach einem Ausbau der A6 eine dritte Spur in jede richtung verkrafte. Das Eigengewicht der Brücke sei wegen ihrer immensen Spannweite von 1128 Metern so groß, dass sie den Verkehr ohne weiteres trage.

Aus Sicht der Planer gibt es aber noch andere Gründe, warum der Seitenstreifen nicht ertüchtigt werden kann, um als dritte Fahrspur zu dienen. Er fehle bei Pannen, Unfällen und für die Straßenunterhaltung, was zu einem hohen Staurisiko beitrage und eine deutlich höhere Unfallrate verursache. Weitere Kosten entstehen durch den Anbau zusätzlicher Ein- und Ausfädelungsspuren an den Anschlussstellen.

Der Umbau des Standstreifens anstelle eines sechsstreifigen Ausbaus wäre "auch als Übergangslösung sicherheitstechnisch kaum akzeptabel und wirtschaftlich fragwürdig", betonte Holzwarth. Auch Steuerungssysteme, die den Standstreifen zeitweise freigeben, lösten das Problem nicht. Beim Güterverkehr auf der A6 gebe es keine Spitzenzeiten. "Der Schwerverkehr fährt durch, er bricht nicht in Kupferzell ab." Die Planer rechnen mit einem überproportionalen Anstieg des Güterverkehrs auf der Strecke. Schon jetzt kämen 50 Prozent der LKW aus dem Ausland. Noch ein Grund: Bei der Seitenstreifen-Alternative hätten die Anwohner keinen Anspruch auf Lärmschutz - dies sei erst bei einem Aus- oder Neubau oder deutlich mehr Lärm der Fall.

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