"Eine fundamentale Krise"

Aus Feuer und Eis bestand vor 50 Jahren ein Drama, von dem die Hohenloher noch heute sprechen: Ein Gedenkgottesdienst erinnerte an den verheerenden Brand des Langenburger Schlosses.

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Es war kein Zufall, dass am Mittwoch in Langenburg kurz die Sirenen heulten und dann die Glocken der Stadtkirche läuteten. Und es kommt nicht von ungefähr, dass in dem Gotteshaus jetzt ein neues, vom Fürstenhaus gestiftetes Lesepult (Ambo) mit der hebräischen Inschrift "Ich bin, der ich bin" steht, das der Bildhauer Rudolf Kurz aus Stimpfach mit dem biblischen Motiv des brennenden Dornbuschs gestaltet hat - wie schon im Jahr 1995 das Kirchenportal, ein Geschenk von Fürst Kraft zu seinem 60. Geburtstag.

Die tiefe Symbolik der Flammen prägte den Gedenkgottesdienst zum Schlossbrand. Ganz real waren an diesem Abend die Erinnerungen von vielen Feuerwehr-Veteranen aus ganz Hohenlohe und aus Stuttgart, die damals verzweifelt gegen das Feuer kämpften. Dem Fürstenhaus war es ein großes Bedürfnis, speziell diese Männer 50 Jahre später zu der vom "Bächlinger Streich-Trio" umrahmten Gedenkfeier in der Kirche und danach in den Innenhof des Schlosses einzuladen.

Pfarrer Ulrich Hermann, der als Kind in seiner Heimatstadt Plochingen im Radio von der Katastrophe in Hohenlohe hörte, stellte den Propheten Jesaja in den Mittelpunkt seiner Gedanken: "Und wenn du ins Feuer gehst, sollst du nicht brennen und die Flamme soll dich nicht versengen. Denn ich bin der Herr, dein Gott, dein Heiland".

"Viele Feuerwehrmänner und freiwillige Helfer", so der Seelsorger, "sind in dieser Nacht durch das brennende Schloss geirrt." "Das Leben dieser Helfer war aber geborgen", wie Pfarrer Hermann den glücklichen Umstand erklärte, dass in diesem Meer aus Flammen kein Mensch schwere Verletzungen erlitt. "Gott rettet auch aus Todesgefahr - selbst dann, wenn wir am Ende sind, hebt er uns empor", wie der Pfarrer den Wappenspruch des Hauses Hohenlohe ("Aus den Flammen steige ich empor") gedanklich verlängerte. Als "fundamentale Krise" für seine Familie bezeichnete Fürst Philipp das Feuer vor 50 Jahren, das fast die Hälfte dieses baugeschichtlichen Juwels vernichtete.

Sein Vater, der 2004 verstorbene Fürst Kraft, habe nur ungern über den Brand und seine Folgen gesprochen. Der Wiederaufbau sei von ihm aber nie infrage gestellt worden: "Wer so tief mit dieser Stadt und mit diesem Land verbunden ist, der baut auch seine Wurzeln wieder auf."



Posthume Auszeichnung: Fürst Kraft zum Ehrenbürger der Stadt Langenburg ernannt

Keine Ahnung hatte Fürst Philipp von einem Beschluss des Langenburger Gemeinderates - obwohl er selbst in diesem Gremium sitzt. Der Grund: Die posthume Ernennung seines 2004 überraschend verstorbenen Vaters Fürst Kraft zum Ehrenbürger der Stadt Langenburg sollte eine Überraschung sein.

Ohne den Wiederaufbau des Langenburger Schlosses unter der Regie von Fürst Kraft sähe Langenburg heute anders aus, wie Bürgermeister Wolfgang Class bei dem Gedenkgottesdienst in der Stadtkirche sagte. Er würdigte auch das vielfältige Engagement des Fürsten im kommunalpolitischen und sozialen Bereich. Der damalige Chef des Hauses Hohenlohe und Gründer des Automuseums hatte zum Beispiel jahrzehntelang Sitz und Stimme im Gemeinderat sowie im Kreistag. Die Besucher in der Kirche reagierten mit Beifall auf die nachträgliche Verleihung der Ehrenbürgerwürde.

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