"Du bist der Tyrannosaurus Rex"

"Der Umgang mit Kindern." Helmut Kaiser (64) braucht nicht lange zu überlegen, was ihm fehlen wird, wenn er ab September im Ruhestand ist. Der Rektor der Mainhardter Schule ist ein Mann, der Kinder mag.

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Helmut Kaiser möchte von Lina Kugler (Klasse 3) wissen, wann sie bei der Schulhocketse auftritt.  Foto: 

Helmut Kaiser eilt über den Schulhof. Die Jugendlichen, die im Schatten der Bäume stehen, grüßen den Rektor freundlich. Später im Gespräch erzählt Kaiser beiläufig, wie viel Zeit es brauchte, bis die Grüß-Kultur verankert war. "Ich grüße prinzipiell. Es hat lange gedauert, bis die Schüler gemerkt haben: Der grüßt. Jetzt ist das normal." Das einander Grüßen ist für Kaiser mehr als Form, "das ist auch ein Symbol, dass man Menschen wahrnimmt. Das ist mir wichtig."

Eine kleine Geste, die viel über Kaiser sagt: Er verfolgt seine Ziele mit langem Atem und geht als Vorbild voraus. Kaiser: "Über lange Zeit lernt der Mensch über die Beziehung zur Person." Das hatte Kaiser auch selbst aus Schülersicht erlebt: Sein Lehrer an der Berufsaufbauschule verstand es, ihn so für Chemie zu begeistern, dass er später das Fach neben Mathematik studierte.

Kaiser: Ob ein Kind lernt oder nicht, das liegt am Lehrer

Auf die Beziehung kommt es an, das hat Kaiser vielfach erlebt - auch bei Konflikten in der Schule. Sein Motto dabei: "Man kann immer wieder neu anfangen", auch nach dem heftigsten Konflikt. Für Kinder sei das lebenswichtig, zu wissen: Auch nach einem Streit kann ich mit dem Lehrer zusammen arbeiten. Wichtig war Kaiser deshalb, dass seine Lehrer nicht nur fachlich gut sind, sondern auch ihr eigenes Verhalten reflektieren.

"Der Lehrer als Schicksal" - so hatte Kaiser mal ein Kapitel in einem Buch, an dem er mitgewirkt hat, überschrieben. Ob ein Schüler etwas lernt oder nicht - das liegt nach Kaisers Beobachtung vor allem am Lehrer. Auch die Hattie-Studie unterfüttert Kaisers Auffassung. Der neuseeländische Bildungsprofessor John Hattie hat dazu mehr als 50000 Studien ausgewertet. Er kam zu dem Ergebnis, dass es vor allem an der Lehrerpersönlichkeit liegt, ob Schüler etwas lernen, dass Schulformen, Klassengrößen oder die Ausstattung nachrangig sind.

Schüler brauchen ein Gegenüber, das zum Lernen anregt, ist Kaiser überzeugt, schwache Schüler noch viel mehr. Dass Lehrer nur noch zehn Minuten Impulse geben und Schüler sich die Thematik dann selbst erabeiten, funktioniert nach Kaisers Einschätzung nicht. "Wer will von sich aus gemischte Gleichungen lernen?" Da brauche es einen Lehrer, der das einfordert und strukturiert erklärt. "Dieses Helfen beim Verstehen ist Aufgabe des Lehrers."

Den demographischen Wandel werde das dreigliedrige Schulsystem nicht überleben, meint Kaiser. Die Einführung eines zweigliedrigen Systems mit einem Gymnasium und Gemeinschaftsschule hält er für nötig - allerdings in der Variante, dass die Gemeinschaftsschulen einen gymnasialen Zug erhalten. "Nur so kommt man zu gleichwertigen Schulen." Gymnasien dürften aber auch nicht wieder zurück zur neunjährigen Schulform.

Ferien erst ab September

Am Donnerstag beginnen für die Mainhardter Schüler die Ferien. Für Kaiser noch nicht, er wird seiner Nachfolgerin Christine Kuhn beim Erstellen der Stundenpläne helfen. Ab September beginnen dann seine großen Ferien. Vermissen wird er den Umgang mit Kindern. Der war ihm in den vergangenen Jahren auch deshalb immer wichtiger geworden, weil die Kinder in der Ganztagesschule eine noch intensivere Bindung an Lehrer brauchen.

Deshalb hatte Kaiser alle seine Unterrichtsstunden auf die Nachmittagsbetreuung gelegt. Über die Klassenstufen hinweg bekam er Kontakte mit Schülern, es blieb am Rande der Hausaufgabenbetreuung oder beim Fußballspielen Zeit, das Kind, den Jugendlichen kennen zu lernen. Etwa so, erzählt Kaiser, und seine Augen strahlen: Einer der Grundschüler kam nach dem gemeinsamen Mittagessen auf Kaiser zu und meinte: "Wir spielen jetzt. Du bist der Tyrannosaurus Rex. Und ich hab Dir Deine Eier gestohlen."

Zur Person vom 25. Juli 2013
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