"Die ist nicht ohne"

Ludwika Maria Wagner war vieles in ihrem Leben: Zahnarzthelferin, Schneiderin, Leiterin eines Kinderheims, alleinerziehende Mutter. Am Montag, 6. Januar, feiert sie ihren 90. Geburstag.

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Seit Juni 2009 lebt Ludwika Wagner im Altenheim in Kirchberg. Foto: Anna Berger

"Meine Mutter hatte ein ziemlich aufregendes Leben", sagt Ludwika Scheiterlein über ihre Mutter Ludwika Maria Wagner, eine zierliche Frau mit eingefallenen Wangen und wasserblauen Augen. Sie sagt das, damit man weiß, wen man vor sich hat und sich nicht von dem zerbrechlichen Eindruck täuschen lässt, den die 90-Jährige heute macht. "Die ist nicht ohne", betont Scheiterlein noch.

Als Ludwika Maria Hermannski kam Wagner 1924 in einem Dorf nahe Allenstein in Ostpreußen zur Welt. "Du glaubst nicht, wie schön das bei mir war", sagt sie über ihre Kindheit und die Zeit als junge Erwachsene. Wie bei so vielen aus Wagners Generation wurde die schöne Zeit durch den Zweiten Weltkrieg beendet. Wagner, die sich zu der Zeit in der Schneiderei ihres Onkels ausbilden ließ, musste die Uniformen der deutschen Soldaten bügeln. "Das Bügeleisen ist mehrere Kilo schwer gewesen", erinnert sich Wagner. Irgendwann war ihr Arm von der harten Arbeit so geschwollen, dass er eingegipst werden musste. "Da habe ich vielleicht geheult."

Nach dem Krieg leitete sie vorübergehend ein polnisches Kinderheim. Schließlich fand sie bei einer Zahnärztin eine Anstellung. Doch auch diese Arbeit konnte sie nicht lange ausüben. 1945 war Wagners Heimat unter polnische Verwaltung gestellt worden. Deutsche Ostpreußen wurden bald darauf vertrieben oder ausgegrenzt.

In dieser Zeit traf Ludwika Wagner auf "ihre ganz große Liebe", wie es ihre Tochter ausdrückt. 1951 kam Wagners erste Tochter, Aldona, zur Welt. Es blieb das einzige Kind, das die heute 90-Jährige mit ihrer großen Liebe hatte. Als alleinerziehende Mutter kam sie schließlich 1958 nach Deutschland. Erst in ein Flüchtlingslager, dann in den Schwarzwald. Dort lernte sie Leopold Wagner kennen. Noch im selben Jahr heirateten sie. Aus dieser Ehe gingen weitere drei Kinder hervor. Es war keine glückliche Ehe. "Mit 68 Jahren hat sie sich von meinem Vater scheiden lassen", erzählt Scheiterlein. Es schwingt Bewunderung in ihrer Stimme mit, als sie das sagt. "Ich habe von meiner Mutter gelernt, dass das Leben weitergeht, egal wie tief man fällt."

Seit Juni 2009 lebt Ludwika Wagner im Kirchberger Altenheim. Ihren Geburtstag verbringt sie bei ihrer Tochter Ludwika Scheiterlein in Crailsheim.

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