"Daten sind bei Wissenschaftlern gefragt"

Der 63-jährige Ekko Bruns, ursprünglich als Flugwetter-Berater ausgebildet, ist beim Deutschen Wetterdienst in Offenbach als Netzverwalter für die phänologische Wetterbeobachtung zuständig.

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Ekko Bruns ist der Chef des phänologischen Beobachtungsnetzes. Privatfoto

HOHENLOHER TAGBLATT: Welchen Umfang hat die phänologische Wetterbeobachtung beim Deutschen Wetterdienst (DWD)?

EKKO BRUNS: Der DWD unterhält zurzeit ein phänologisches Beobachtungsnetz mit zirka 1300 Beobachtern. Es handelt sich um ein pflanzenphänologisches Netz; hier wird also die Entwicklung von Pflanzen beobachtet. Etwa 400 der DWD-Beobachter melden aber auch für den österreichischen Wetterdienst, der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik in Wien, tierphänologische Daten.

Welche Erkenntnisse gewinnt der Wetterdienst aus der Beobachtung von Pflanzen?

BRUNS: Klima und Witterung haben einen großen Einfluss auf die Pflanzenentwicklung. Sie kennen das: Milde Winter regen die Vegetation zu einer frühen Entwicklung an, lange Winter wie heuer veranlassen die Pflanzen, mit der Entwicklung auf höhere Temperaturen zu warten, obwohl das Licht schon ausreichen würde.

Wer verwendet die Daten, die bei der phänologischen Wetterbeobachtung gewonnen werden?

BRUNS: Die Daten werden vom DWD zum Beispiel für die agrarmeteorologische Beratung, die Pollenflugvorhersage und für Statistiken herangezogen. Außerdem sind sie gefragt von Wissenschaftlern der unterschiedlichsten Fakultäten, vor allem auch von Klimatologen.

Liefert die phänologische Wetterbeobachtung Erkenntnisse über den Klimawandel?

BRUNS: In den letzten zweieinhalb Jahrzehnten traten überwiegend milde Winter auf, die ihre Spuren in den phänologischen Reihen hinterlassen haben. Der phänologische Winter ist um fast zwei Wochen kürzer geworden und die phänologischen Jahreszeiten zeigen eine entsprechende Tendenz, früher zu beginnen.

Wie wird man phänologischer Wetterbeobachter und welche Voraussetzungen muss man erfüllen?

BRUNS: Das Ehrenamt ist von Freiwilligkeit gekennzeichnet. Besondere Voraussetzungen werden nicht verlangt. Die Interessenten bringen entweder eine einschlägige Ausbildung oder berufliche Tätigkeit mit oder sie engagieren sich aus persönlichen Beweggründen. Das Interesse an der Natur und an der Umwelt ist bei allen Beobachtern gleich.

An wen muss man sich wenden, wenn man sich dafür interessiert, phänologischer Wetterbeobachter zu werden?

BRUNS: An den Deutschen Wetterdienst in Offenbach. Meldet sich ein Interessent, dann schauen wir, ob er in das Netz passt. Die wichtigsten Kriterien sind: Gibt es in der Nachbarschaft schon einen Beobachter? Wie ist der Naturraum mit Beobachtern besetzt? Liegt möglicherweise schon eine lange Reihe von Beobachtungsdaten vor? In Crailsheim wurde gerade Hermann Stephan als neuer Beobachter ins Netz genommen. Ich grüße ihn auf diesem Wege.

Wird die Tätigkeit als phänologischer Wetterbeobachter bezahlt? BRUNS: Es ist ein Ehrenamt und wird nicht bezahlt. Die Beobachter erhalten für die Jahresmeldung eine jährliche Aufwandsentschädigung von 230 bis 270 Euro je nach Dauer der Mitarbeit. Für zusätzliche Aufgaben wie die Sofortmeldung oder die Grasvergilbungs-Meldung gibt es kleine Aufschläge.

Info Wer sich für die Tätigkeit als phänologischer Wetterbeobachter interessiert, kann sich an Ekko Bruns (Telefon 0 69 / 80 62 -20 22, E-Mail phaenologie@dwd.de) wenden.

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