"Das war meine Schule"

40 Jahre lang war Bernd Lang Lehrer, seit 2003 ist er Schulleiter in Untermünkheim. Am Freitag wird Lang in den Ruhestand verabschiedet. Rosemarie Gerhardt übernimmt kommissarisch den Posten.

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Ein gebastelter Baum hängt hübsch gerahmt im Rektorat. Auf jedem Blatt ist ein guter Wunsch vermerkt. Das Bild war ein Geschenk für Bernd Lang zur Einsetzung als Schulleiter. Das ist nun elf Jahre her. Jetzt steht in Langs Leben wieder eine große Veränderung an: Er geht wegen Altersteilzeit und einer Schwerbehinderung in den Vorruhestand. Zufrieden, aber auch etwas wehmütig sagte er mit einem Rundumblick: "Das war meine Schule."

Die Ölkrise war Schuld, dass Bernd Lang Lehrer wurde. Sein ursprünglicher Berufswunsch war Programmierer. Die Tests bei der Bausparkasse waren positiv ausgefallen. Bis zum Arbeitsbeginn musste er nur noch den Zivildienst ableisten. Bedingt durch die Krise verhängte die Bausparkasse 1973 allerdings einen Einstellungsstopp, der auch Lang betraf.

"Das Lehrerstudium war zunächst eine Verlegenheitslösung, wurde dann aber zur Berufung", berichtet der Schulleiter. Er merkte schnell, wie viel Freude er am Umgang mit Kindern und Jugendlichen hatte. Er studierte für die Grundschule, hörte dann aber auf den Rat seines früheren Schulleiters: "Ein gestandenes Mannsbild gehört an die Hauptschule." Tatsächlich gefiel ihm der Unterricht in den 7., 8. und 9. Klassen am besten.

Nach neun Jahren Tätigkeit an der Hauptschule in Ingelfingen zog es Lang zurück in die Heimat. Die Familie ließ sich in Michelfeld nieder und Bernd Lang arbeitete dort ein Jahr als Grundschullehrer. "In der Grundschule habe ich mich wohl gefühlt, in der Hauptschule fühlte ich mich aber noch wohler", meint er lächelnd.

Aus diesem Grund bat er um Versetzung nach Untermünkheim, wo zu der Zeit noch eine Hauptschule angegliedert war. Vierzehn Tage vor Schulbeginn erfuhr er, dass er als Erstklassenlehrer eingesetzt würde: "Das war zunächst ein Schock, später aber vollkommen in Ordnung", berichtet er. Grund- und Hauptschullehrer wären eigentlich zwei verschiedene Berufe: "Jugendlichen begegnet man auf Augenhöhe. Sie haben ganz andere Themen. Man kann an der Persönlichkeitsentwicklung mitarbeiten, erlebt Probleme wie Alkohol, Drogen, Freundschaften. Dieses Spannungsfeld hat mich einerseits gereizt und bringt andererseits große Erfolgserlebnisse mit sich." Einer der wichtigsten Grundsätze sei: "Ohne Beziehung ist keine Erziehung möglich. Wenn dem Lehrer das nicht gelingt, verpufft jede Form von Erziehung."

In den vergangenen 40 Jahren habe sich in der Gesellschaft enorm viel verändert. "Es gibt mehr alleinerziehende Eltern und berufstätige Mütter. ADHS, die Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätsstörung, findet sich öfter als früher und in fast allen Klassen." Die mediale Welt mit ihren massiven Reizüberflutungen lasse die Kommunikation oft zu kurz kommen. "Da wird das Smartphone häufiger gestreichelt als die Freundin. Der zwischenmenschliche Bereich muss wieder mehr ins Bewusstsein rücken und gute Umgangsformen sollten selbstverständlich sein. Das ist enorm wichtig", appelliert der scheidende Rektor.

Ein bedeutender Schwerpunkt seines Schaffens war die intensive Zusammenarbeit mit den Eltern. Seit zehn Jahren gibt es das Elternforum. 40 bis 60 Eltern und Organisationen ermöglichen halbjährig 400 bis 600 Schülern die Teilnahme an verschiedenen Kursen. "Viele Aktive verzichten auf ihre Aufwandsentschädigungen und ermöglichen so die Leseförderung. Das gibt es in dieser Intensität wohl an keiner anderen Schule."

Zum Abschluss seiner beruflichen Tätigkeit ist dem Schulleiter daher wichtig, dem Kollegium, den Eltern und der Gemeinde für das überaus kooperative Miteinander zu danken: "Je besser das Klima je besser die Arbeit."

Langweilig wird es dem Pensionär nicht werden. In Zukunft wird Bernd Lang als Jugendschöffe im Gericht wirken. Und neben dem Lesen und dem Abarbeiten einer umfangreichen To-Do-Liste stehe ein Besuch bei seinem Sohn an. Dieser lebt in China.

Zur Person vom 30. Januar 2014

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