"Das Gedächtnis des Dorfes"

Die jüdische Geschichte von Michelbach an der Lücke arbeitet der ehemalige Bürgermeister Karl Müller auf. Der Ortschronist und Leiter vieler Chöre bekam dafür einen Heimatpreis der Sparkassenstiftung.

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  • Ortschronist und ehemaliger Bürgermeister von Michelbach an der Lücke: Karl Müller. Foto: Christian Rieger 1/2
    Ortschronist und ehemaliger Bürgermeister von Michelbach an der Lücke: Karl Müller. Foto: Christian Rieger
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Eben kommt Karl Müller aus "seiner" Synagoge. Zwei Führungen hat er dort geleitet. "Es kommen viele Schulklassen", sagt er. Dass dies möglich ist, ist zum großen Teil ihm zu verdanken, dem ehemaligen Bürgermeister und späteren Ortsvorsteher aus Michelbach an der Lücke.

Es war Karl Müller, der die Bedeutung der Synagoge erkannt und sie vor dem Abriss bewahrt hat. Das war in den frühen 70er Jahren. Im Lauf der Jahre ist er so zum "Gedächtnis der Dorfes" geworden, lobte Laudator Folker Förtsch vom Crailsheimer Stadtarchiv bei der Heimatpreisverleihung.

Dabei stammt Müller gar nicht aus Michelbach. Geboren wurde er in Kirchberg. Er war Landwirt - das hat er studiert -, bis ihn der Bürgermeisterstuhl in Michelbach lockte. Das war 1966. "Jetzt ist Michelbach meine Heimat geworden", sagt Müller, über die er offenbar noch immer nicht genügend weiß: Noch heute sitzt er fast jeden Vormittag in Wallhausen im Archiv. Dort trägt Müller derzeit alles über die 28 Michelbacher Häuser zusammen, in denen Juden einstmals lebten.

Eines allerdings steht nicht mehr: Dasjenige nämlich, in das die alten Juden eingesperrt wurden, als die Jungen im Dezember 1941 abtransportiert wurden. Bis August 1942 wurden sie in jenem Haus von der Polizei bewacht. Dann kamen auch sie fort. "Davon wusste ich nichts. Das hab ich erst kürzlich erfahren. Nach so vielen Jahren." Und so ist es Karl Müller zu verdanken - und das ist vielleicht sogar sein größtes Verdienst -, dass sich "die Zungen etwas gelockert haben", und damit das Tabu, das über der jüdischen Vergangenheit Michelbachs lag.

Doch die Synagoge - oder die Heimatforschung überhaupt - ist nicht das Wichtigste für ihn. Das sei die Musik. Vier Chöre leitete Müller lange Jahre gleichzeitig, nicht zu zählen die Auftritte als Organist oder in Posaunenchören. "Der Tag beginnt mit Musik", sagt er. "Während meine Frau den Kaffee kocht, setze ich mich ans Klavier."

Heimatpreis

Serie In einer Serie stellen wir die Preisträger des Heimatpreises der Sparkassenstiftung für den Landkreis Schwäbisch Hall vor. Demnächst: Karl Müller aus Michelbach/Lücke.

SWP

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