"Das Alter ist kein rostiges Auto"

Ein breites Spektrum an Themen wurde beim ersten Fachtag "Alter und Pflege" beleuchtet. Ebenso breit gefächert waren die Zielgruppen, die damit angesprochen wurden und nach Wolpertshausen kamen.

|
Vorherige Inhalte
  • Die Tagung in Wolpertshausen war gut besucht. Neben Vorträgen zum Thema Pflege wurden auch Workshops angeboten. 1/2
    Die Tagung in Wolpertshausen war gut besucht. Neben Vorträgen zum Thema Pflege wurden auch Workshops angeboten. Foto: 
  • 2/2
Nächste Inhalte

"Der demographische Wandel schüttelt Deutschland kräftig durch", stellte Landrat Gerhard Bauer als Schirmherr der Veranstaltung "Alter und Pflege", in seinem Grußwort fest und sieht dies als "elementare Herausforderung". Mit der Veranstaltung des Fachtages und den Vorberichten in der Presse sehen es der Landrat und seine Mitarbeiter als gelungen an, mehrere Zielgruppen erreicht zu haben. Fachkräfte aus Pflegeheimen, Ambulanten Diensten und Pflegende Angehörige waren ebenso gekommen, wie Vertreter von Kreisseniorenrat und weiteren Institutionen, die mit diesem Thema betraut sind.

Die Referentinnen, Professorinnen Marianne Brieskorn-Zinke und Sandra Bensch, stellten in ihren Ausführungen die Gesundheit des Menschen stark in den Mittelpunkt.

Weit gefehlt, wenn der Zuhörer nun aber meinte, dass kranke Menschen nicht angesprochen oder einbezogen wären - im Gegenteil. Brieskorn-Zinke vertritt die Theorie der Salutogenese, die fragt: "Was hält einen Menschen gesund?" Jeder Mensch, auch wenn er alt und pflegebedürftig ist, hat immer noch Anteile von Gesundheit, die geschätzt werden sollen. "Reden Sie mehr über Gesundheit, als über Krankheit, werden Sie Gesundheitsforscher anstatt Krankheitsforscher", plädierte die Professorin für Gesundheitswissenschaften.

Die Medizin halte dem Menschen den Kopf über das Wasser, wie er aber im Strom des Lebens ein guter Schwimmer werde, das komme auf seine Widerstandsressourcen an. "Sich getragen fühlen, ein Ur-Vertrauen entwickeln, das was auf mich zukommt werde ich bewältigen und Spannungszustände lösen zu können", benannte Professorin Marianne Brieskorn-Zinke als wesentliche Bestandteile, um sein Gesundheitsgefühl zu stärken.

Beide Referentinnen waren sich darin einig, dass ein viel positiveres Altersbild geschaffen werden müsse. Das Alter sei nicht mit einem rostigen Auto vergleichbar, wie es heute oftmals dargestellt werde. Sandra Bensch, Professorin für Pflegepraxis- und Didaktik, fordert ebenso eine andere Definition für Pflegebedürftigkeit ein.

Diese sei bisher zu sehr an Defizit und Zahlen orientiert. Professorin Sandra Bensch will "weg von der Minutenpflege." Den Ausbau der Betreuung im häuslichen Umfeld, neue Wohnformen und das Beachten der Ansprüche des einzelnen Menschen anstatt standardisierte Intervention sieht Sandra Bensch zukunftsweisend.

Als eine maßgebliche Botschaft des Fachtages in Wolpertshausen sollte auch eine höhere Wertschätzung des Pflegeberufes und der pflegenden Angehörigen gesehen werden. Diese Menschen brauchen mehr Selbstpflege, benötigen dringend Energiequellen und müssen sich helfen lassen.

"Ja - das sprach mir aus meinem Herzen!", betont Adelheid Erhardt, Pflegedienstleiterin vom Seniorenheim. St. Anna in Stimpfach. "Mehr auf uns zu schauen - das wünsche ich mir für uns Pflegende, um Kraft daraus zu schöpfen."

Begeistert vom Fachtag, der neben Vorträgen auch noch Vertiefungsworkshops anbot, war Jens Herrmann, Lehrer an einer Pflegeschule in Künzelsau. Er selbst holte sich "Impulse an der Basis" und findet es gleichzeitig überaus wichtig, dass diese Themen und insbesondere die Aufwertung der Pflegeberufe in der Gesellschaft tatsächlich ankommen.

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Grimmer im HT-Interview: „Viel Zeit zum Freuen bleibt nicht“

Der neue Crailsheimer Oberbürgermeister Dr. Christoph Grimmer spricht über Ehrgeiz, die geplante Verschlankung des Gemeinderats und seine Vision für eine nachhaltige Innenstadt-Belebung. weiter lesen