"Da steckt viel Mathematik drin"

Die Hermann-Merz-Schule wird derzeit saniert, Baustellen sind dort momentan normal. Doch die aktuelle auf dem Schulhof ist ungewöhnlich, denn dort schuften Schüler: Sie bauen ein Backhäuschen.

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Speis rühren wie die Großen: Zwei Siebtklässler der Hermann-Merz-Schule in Ilshofen helfen mit beim Bau eines großen Backofens. Foto: Ute Schäfer

"Der Speis hat Klumpen", ruft ein Schüler, "ist das schlimm?" Alfons Schellinger hat die Antwort parat: "Klumpen zerdrücken, bis sie weg sind", rät er.

Ofenbauer Schellinger aus Unterscheffach baut derzeit mit Schülern der Klasse 7 b der Werkrealschule in Ilshofen einen großen Backofen auf dem Schulhof. Neben dem Bauen bekommen die Schüler jede Menge Lehrstunden, zum Beispiel in praktischer Mathematik. Ein Beispiel: Wenn ein Sack Zement mit vier Litern aufgelöst werden soll, wie viele Sprudelflaschen Wasser muss man dann hineinfüllen? Oder wie viele Steine müssen geschleppt werden, um die Bodenfläche des Ofens zu belegen? "Da steckt jede Menge Mathemathik drin", sagt Schulleiter Norbert Reinauer. Er habe selbst viel gelernt, sagt Klassenlehrer Michael Egger, der Deutsch, Sport und Religion unterrichtet.

"Die Jungs sind gut", lobt Schulleiter Reinauer die Arbeitsmoral der Klasse. "Doch die Mädchen sind besser." Denn wie die Mädchen beim Mauern zugepackt hätten, wie sie in der Hitze geschuftet, wie sie sich eingesetzt hätten, das sei aller Ehren wert.

Mittlerweile ist der Speis glattgerührt, die Schüler schleppen den Eimer an das große Loch, das einmal der Backofen wird. Jetzt muss die Arbeitsfläche verputzt werden, damit die Schamottsteine später eben darauf liegen können.

Ursprünglich war die Klasse eingeteilt in verschiedene Gruppen, "je nach Neigung", sagt Egger. Doch mittlerweile macht den Jugendlichen das Bauen so viel Spaß, dass stundenweise abgewechselt wird.

Dann wird der "Bautrupp" zum "Team Dokumentation" und hält den Baufortschritt in Wort und Bild fest - am ersten Tag gabs gleich 600 Fotos. Andere Schüler kümmern sich um die Verpflegung. Sie bieten Butterbrezeln an und vor allem viel Wasser, denn allen ist es ziemlich heiß - auf dem Schulhof hat es gefühlte 40 Grad im Schatten, unter dem Sonnensegel ist es etwas angenehmer. "An Feuer will hier keiner denken", sagt Schellinger, doch das Team "Backbuch" macht genau das: Es kümmert sich um Backtemperatur, -dauer und um Rezepte.

Und warum das alles? "Mein Wunsch ist, dass Schüler Freude am Backen bekommen. Sie sollen merken, dass es mehr gibt als nur Fastfood", sagt Schellinger. Schulleiter Reinauer sieht in dem Projekt mögliche Abschlussarbeiten, und Lehrer Egger lobt den Zusammenhalt, der sich bei solch gemeinsamen Aktionen deutlich verbessere.

Doch auch andere Schüler können von dem Ofen profitieren. "Ich kann mir vorstellen, dass Klassen hier Pizza backen und so ihr Schullandheim finanzieren", sagt Reinauer. Und Schellinger denkt an einen Brothandel in großem Stil: "Das ist ja ein Profiofen", sagt er. "Man könnte mit einer Feuerung 36 Brote backen."

Darüber hinaus ist der Ofen geeignet für Spanferkel, Pizza und Auflauf. Rektor Reinauer freut sich schon auf Feste mit leckeren Speisen: "Wir sind ja eine feierfreudige Schule."

Doch die 7 b muss noch ein bisschen schwitzen, denn der Ofen muss erst noch fertig werden. Mittlerweile ist der Ofenraum glattgeputzt, zur Demonstration kommt nun die Ofentür dran. "So wirds in etwa aussehen", sagt Ofenbauer Schellinger, und die Schüler stellen sich stolz zum Gruppenfoto davor. Die Aufgabe des Dokumentationsteams - das Fotografieren - übernimmt diesmal Rektor Reinauer.

"So ein Ofen ist nicht billig, wir haben auch lang dafür gespart." Reinauer rechnet mit 8000 Euro, die vom Förderverein und von den Eltern kommen. Letztere haben auch etwas davon - allen voran die Eltern der jugendlichen Ofenbauer: Eingeweiht wird das Backhäusle nämlich beim ersten Elternabend der dann frischgebackenen Achtklässler. Reinauer: "Dann bebacken die Schüler die Eltern. Darauf freuen sich alle."

Info: Wer den Baufortschritt im Internet verfolgen will: Bilder gibt es unter www.hms-ilshofen.de.

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