"Bei mir wird fei eikauft!"

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Es ist gerade erst 11 Uhr morgens, doch die Gassen in der Ortsmitte sind schon voller Menschen, die sich zwischen den 141 Ständen drängen. Tausende besuchen den Mainhardter Markt, und das mitten unter der Woche. "Weil es Tradition ist", sagt Orgel-Manne, und die Händler bestätigen dies. "Das ist ein Traditionstag, da machen die Mainhardter Urlaub", erklärt Sieghart Klenk aus Haigerloch, seit fast 30 Jahren in Mainhardt bekannt als "Schwäbischer Wursti". Und was man beim Krämer-, Vieh- und Schweinemarkt macht, legt der Metzger seinen potentiellen Kunden gleich nahe: "Geh naus in den Mainhardter Wald, da kannsch Spazierengehen. Bei mir wird fei eikauft!"

Er treffe seine alten Fußballfreunde wieder, sagt einer am Stand der Jänger vom Mainhardter Wald. Eine Landfrau meint: "Man trifft Leute, die man sonst das ganze Jahr über nicht trifft." Es ist tatsächlich so: Wer nicht beim DRK oder beim Musikverein am Stand hilft, der nimmt zumindest zum Einkaufen einen Tag frei. Die Mainhardter, erklärt Bürgermeister Damian Komor, halten es so: "Da ist man halt da." Für die Mainhardter sei der Markttag im August so etwas wie ein Nationalfeiertag.

Die Händler setzen auf ihre Bekanntheit: "Wenn man mich nicht sieht, hört man mich", sagt Lederwarenhändler Frank Hahn aus Neuhausen, der von der Schulstraße auf den Marktplatz umgezogen ist. "Unsere Stammkundschaft findet uns schon." Von dieser lebt auch die 85-jährige Klothilde Kranz aus Unterdeufstetten, mit 60 Dienstjahren nennt sie sich Deutschlands älteste Marktfrau. Die Mainhardter weiß sie zu schätzen: "Die Kunden sind anhänglich." Sie habe sogar Haller getroffen, denen es beim Jakobimarkt vor zwei Wochen zu heiß war.

Selbes Urteil bei der Suppenfrau Thea Weber (73) aus Sanzenbach. "Da nehmen sich viele extra Urlaub", erklärt sie, "das ist wie in Gaildorf der Pferdemarkt". Stolz zeigt sie eine Urkunde der Gemeinde. Seit 20 Jahren kommt sie nach Mainhardt, weil der Markt so familiär ist.

Am Bierstand des VfL Mainhardt herrscht schon Volksfeststimmung, in der alten Schule füllen sich beim Albverein die Festbänke zum Mittagessen. "Küchenarbeit soll ja keine Strafarbeit sein - das soll Spaß machen", ruft nicht weit davon Jürgen Agler, der den Gurkenhobel "WSM-Duo-Schäler" anpreist. Ein paar Stände weiter versucht es wieder der Wursti aus Haigerloch: "Awa, in deinem Alter hat man Geld", frotzelt er einem knauserigen Passanten hinterher. "Komm, hol deine Rente raus, dein Ranzen kommt vom Wein, nicht von der Wurst!"

"Es ist nicht zu heiß und regnet nicht", sagt Brigitte Dietrich von den Landfrauen, die 1979 mithalfen, den Markt wieder populär zu machen. Ihre Sahnekuchen finden Abnehmer: "Heut ist es ideal".

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