"Ackerland gehört in die Bauernhand"

Global hat ein Run auf das knappe Gut Boden eingesetzt. Hintergründe zeigte eine Diskussionsrunde des Evangelischen Bauernwerks und des Maschinenrings Blaufelden in Schmalfelden auf.

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Was vom Acker kommt, kann nicht nur als Essen oder Futtermittel dienen, sondern ersetzt zunehmend auch Erdöl und Erdgas als Energieträger sowie industrielle Grundstoffe und lockt immer mehr Immobilien- und Anlagefonds an. Darüber informierte der Geschäftsführer des Evangelischen Bauernwerks in Württemberg und EKD-Agrarbeauftragte Dr. Clemens Dirscherl in der Ernst-Sachs-Liederhalle in Schmalfelden.

Wo früher die Bauern untereinander um Land und Pacht konkurrierten, mischen immer mehr Kommunen, Energiekonzerne, aber auch Geldanleger mit. Folge sind steigende Bodenpreise nicht nur in Hohenlohe, sondern bundesweit und auch in Europa. In den neuen Bundesländern stiegen die Preise in den letzten vier Jahren um bis zu 110 Prozent an. Dagegen war in Baden-Württemberg nur ein moderater Anstieg um acht Prozent zu verzeichnen. Besonders dramatisch sind die Kapitalinvestitionen in Boden für die Entwicklungsländer, wenn sich China zum Beispiel in Kongo und Sambia zusammen fast 5 Millionen Hektar Fläche aneignet, um Palmöl, Zuckerrohr oder die Energiepflanze Jatropha anzupflanzen. Nicht nur Länder, sondern auch Energiekonzerne zeigen Interesse an einem wachsenden Markt für regenerative Energien. Selbst die Deutsche Bank sucht im ausländischen Bodenmarkt sichere Geldanlagen. In Deutschland gibt es bereits das Grundstücksverkehrsgesetz, das in Baden-Württemberg durch ein Agrarstrukturverbesserungsgesetz den Bodenmarkt reguliert. International soll im Mai bei der UNO eine sogenannte "Landlinie" verabschiedet werden.

Die Kritik vom kirchlichen Agrarexperten: Alle Standardsetzungen beliefen sich bislang nur auf Freiwilligkeit, sodass kein geordneter Regelungsrahmen gegeben sei. Hier müsse unter dem Menschenrecht auf Nahrung eine UN-Konvention zum Schutz bäuerlicher Landwirtschaft verabschiedet werden.

Der Leiter des Landwirtschaftsamts Ilshofen, Helmut Hessenauer, zeigte in der Diskussion an konkreten Beispielen für die Region auf, wie sich die Konkurrenzen um Boden auswirken.

Von Amts wegen könne bei außerlandwirtschaftlichen Investoren gut eingegriffen werden, man wolle ja der heimischen Landwirtschaft eine Zukunftsperspektive geben - und darin waren sich alle einig: Ackerland gehöre vorrangig in Bauernhand.

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