Zum Schuss ermuntert

Stuttgart.  Geradezu genüsslich legte sich der Liberale Dr. Friedrich Bullinger jetzt im Landtag mit den Grünen an. Es ging um einen Antrag zum Landesjagdgesetz, den er und seine Partei, die FDP, ablehnten.

In seinem Beitrag zur Debatte im Plenum des baden-württembergischen Landtags warf Bullinger den Grünen vor, einen Gesetzentwurf zur Änderung des Landesjagdgesetzes "offensichtlich mit heißer Nadel" gestrickt zu haben. Die Grünen wollten, so hat es der Abgeordnete aus Reubach verstanden, mit Blick auf die von Wildtieren verursachten Schäden Streuobstbestände und Weinberge mit anderen landwirtschaftlichen Nutzflächen gleichstellen. "Wenn man so verfahren würde, wäre die Bereitschaft, eine Jagd zu pachten und zu betreuen, noch geringer als sie jetzt schon ist", so die Gründe des MdL.

Ein Jagdpächter müsse nämlich finanziell für die Wildschäden in seinem Jagdbezirk aufkommen, die etwa Wildschweine in einer Maiskultur eines Landwirts anrichten. Den Antrag der Grünen, nun auch noch Obstwiesen und Weinberge dazuzunehmen, lehnten Bullinger und die FDP-Fraktion ab.

Es folgte eine Argumentationskette, die einerseits den Jagdfreund, andererseits den Landwirt Bullinger erkennen ließ. Weil die natürlichen Feinde in der historisch gewachsenen Kulturlandschaft fehlten, sei die Jagd als Regulativ gefordert. Schneearme Winter, so Bullinger weiter, seien Ursache für die Vermehrung der Sauen. Wenig Schnee erschwere die Jagd zusätzlich.

Für gravierender hält der FDP-Mann die Änderungen in der Fruchtfolge. Der hohe Anteil von Raps und Mais biete Schutz und Deckung, sodass eine Jagd von April bis Oktober kaum möglich sei. Und: Wildschweinschäden in Streuobstwiesen kämen, wenn überhaupt, nur dort vor, wo das Gras nicht gemäht und das Obst nicht aufgelesen wird.

"Wenn also ein Streuobstwiese ordentlich bewirtschaftet wird, ist der Anreiz für das Wild, dort nach Futter zu suchen, gering", sagte Friedrich Bullinger vor dem Landtag. "Ist der Tisch reichlich gedeckt mit Obst und Gewürm, braucht man sich nicht zu wundern, wenn Wildschweine dort zu Nachtzeiten tafeln", ergänzte er.

Wie der Kollege Rüeck komme er aus "dem herrlichen Streuobstflecken Hohenlohe", schloss der Politiker. "Uns sind die Schilderungen der Grünen nicht bekannt", sagte er weiter. "An dieser Stelle möchte ich die Jägerschaft zum Schuss ermutigen." Und setzte einen drauf: Auch die Frischlinge sollten vor die Flinte genommen werden, weil man sonst die Population nicht in den Griff bekomme.


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Autor: MATHIAS BARTELS | 27.07.2010

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