Würth Solar baut Stellung aus

Schwäbisch Hall.  Würth Solar will bis 2014 seinen Umsatz von 116 Millionen Euro auf über 500 Millionen Euro steigern. Dies soll mit Zukäufen, wie der Freiburger Solarmarkt AG und einem radikalen Strategiewechsel erfolgen.

Vergangene Woche hatte der Haller Innovationsführer in der CIS-Solartechnologie (Kupfer-Indium-Selen) bekannt gegeben, dass er mit Manz Automation (Reutlingen) kooperiert. Würth Solar lizenziert seine Produktionstechnologie für CIS-Fotovoltaikmodule exklusiv an die Manz Automation AG, die damit Produktionsanlagen erstellen wird.

Der Lizenzierungs- und Kooperationsvertrag mit Manz ist gekoppelt an die Unterstützung von Würth Solar bei der Planung, Ausführung und Inbetriebnahme von Produktionsanlagen für CIGS-Module. Den Zugriff auf die Dünnschicht-Technologie lässt sich Manz 50 Millionen Euro kosten, die in mehreren Raten fällig werden.

Wie jetzt bekannt wurde, steigt Würth Solar zudem verstärkt in den Großhandelsvertrieb ein. Würth Solar (250 Mitarbeiter, 116 Millionen Euro Umsatz) kauft die Freiburger Solarmarkt AG (110 Mitarbeiter, 113 Millionen Euro Umsatz). Gleichzeitig hat Würth Solar über die Solarmarkt-Tochter "Creotecc" einen Hersteller, Produktentwickler und Händler von Montagesystemen unter ihrem Dach.

Das Unternehmen will durch die Neuausrichtung bereits im Jahr 2014 den Jahresumsatz auf mehr als 500 Millionen Euro steigern. "Wir stärken konsequent unsere Positionierung als CIS-Modulhersteller sowie als Anbieter von Fotovoltaik-Lösungen im Markt", sagt Karl-Heinz Groß, Geschäftsführer von Würth Solar. Groß spricht von fünf strategischen Geschäftsfeldern: Zum bestehenden Systemvertrieb und dem Geschäftsbereich Solarkraftwerke sind durch den Kauf der SolarMarkt AG die Bereiche Großhandel und Fotovoltaik-Montagesysteme hinzugekommenen; der fünfte Bereich ist die Know-how-Lizenzierung und Kooperation mit der Manz Automation AG.

Würth Solar verspricht sich dadurch auch eine Multiplikation der CIS-Fotovoltaiktechnologie. Als Modulhersteller hat sich Würth Solar in den vergangenen zehn Jahren zum Innovationsführer im Bereich der CIS-Technologie entwickelt. Das Unternehmen konnte diese Technologie 2006 als erster Produzent weltweit in die Großserienfertigung übertragen, in die so genannte "CISfab". Manz Automation will für den Bau von Produktionsstätten für CIS-Fotovoltaikmodule die Haller "CISfab" als Vorlage nehmen, sagt Bernd Sprecher, Geschäftsführer der Würth Solar. Das Produktions-Know-how soll allerdings auch in Zukunft weiterentwickelt werden.

Hierfür wurde im Jahr 2007 die Forschungs- und Entwicklungsgesellschaft "Würth Elektronik Research" gegründet. Diese arbeitet gemeinsam mit dem Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg (ZSW) als strategischem Partner daran, die CIS-Technologie weiterzuentwickeln. Gleichzeitig will das Unternehmen Würth Solar seine Kernkompetenz im Vertrieb ausbauen. Das Unternehmen hat sich in den vergangenen Jahren als CIS-Systemanbieter etabliert und über zertifizierte Service-Partner und im Direktvertrieb "CIS-Solarstromanlagen" in einer Größenordnung von rund 70 Megawatt ans Netz gebracht. Dies ist nach Firmenangaben weltweit einmalig.

Darüber hinaus wurde Anfang des Jahres 2010 der Bereich Solarkraftwerke als weiterer strategischer Geschäftsbereich neben dem bestehenden Systemvertrieb der Würth Solar definiert.


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Autor: RAINER GRILL | 29.07.2010

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