Wir sind ja schon Weltmeister

Ohne Vernetzung geht in Zeiten der Globalisierung nichts mehr. Auch deshalb kamen am Donnerstag Weltmarktführer aus der Region Heilbronn-Franken in der Jagstmühle in Heimhausen zusammen.

Mulfingen - "Hier pulsiert die Kraft der Provinz". Um starke Worte ist Steffen Schoch, der Geschäftsführer der Wirtschaftsregion Heilbronn-Franken GmbH, selten verlegen. Und so ließ er am Donnerstagnachmittag im Landgasthof Jagstmühle nichts unversucht, den Vertretern großer Zeitungen und Wirtschaftsmagazine die Bedeutung des "3. Strategietreffens der Weltmarktführer" klar zu machen. Schoch wird nicht müde, Heilbronn-Franken als "Region der Weltmarktführer" zu preisen. Nirgendwo sonst, sagt er, sitzen so viele Unternehmen aus der Weltmarktspitze wie in der hiesigen Region. Und deshalb, hebt er hervor, sei vor allem hier "die Kraft der Provinz" zu spüren. Diese Kraft steckt auch in Schoch und so bewirbt der die Region schon auch mal augenzwinkernd-selbstbewusst so: "Langweilige Provinz: immer nur Platz 1".

Während also die deutschen Fußballer erst noch beweisen müssen, dass sie weltmeisterlich kicken, hat sich die Wirtschaftsregion Heilbronn-Franken ihre Weltmeisterehren schon verdient. Doch der Lorbeer welkt schnell, wenn man sich auf ihm ausruht. Das machten die Referenten des Nachmittags klar.

Der rote Faden, der sich durch die Vorträge zog, war das Thema Innovation, also Erneuerung. Hauptredner war Jürgen Jaworski, bis vor kurzem Geschäftsführer von 3M Deutschland und jetzt Vorsitzender des Aufsichtsrates. Der weltweit tätige Konzern, der seine Wurzeln in den USA hat, will das innovativste Unternehmen der Welt werden.

Ein ehrgeiziger Anspruch, aber einer, der im Unternehmen gelebt wird, wie Jaworski mit eindrucksvollen Zahlen belegen konnte. Der Konzern hält weltweit rund 26 000 Patente, gibt jährlich 1,3 Milliarden US-Dollar für Forschung und Entwicklung aus und bringt jedes Jahr mehr als 100 neue Produkte auf den Markt.

Das geht nur, wenn die Kreativität aller Mitarbeiter angezapft wird, und eine enge Vernetzung sowohl innerhalb des Konzerns als auch mit dem Markt sichergestellt ist. 3M versteht sich als "lernendes Unternehmen", hob der Aufsichtsratsvorsitzende hervor und dieser Anspruch gilt für alle Beschäftigten - für den Lehrling genauso wie für den Manager.

Aufhorchen ließ Jaworski mit seinen Ausführungen zu den ethischen Grundsätzen des Konzerns mit weltweit 75 000 Beschäftigten. Respekt und Vertrauen, so der Referent, sind die Grundlagen der Zusammenarbeit. Das sorgt nicht nur für eine ungewöhnlich niedrige Fluktuationsrate, sondern auch für einen außerordentlich geringen Krankenstand. Und noch eines ist bemerkenswert: Mit 15 Prozent ihrer Arbeitszeit dürfen 3M-Mitarbeiter machen, was sie wollen: tüfteln, nachdenken, ausprobieren. Das lohnt sich für beide Seiten, unterstrich der Aufsichtsratsvorsitzende des Unternehmens der Erfindungen und Patente. Ein wahrlich weltmeisterlicher Auftritt, befanden hinterher Zuhörer.


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Autor: ANDREAS HARTHAN | 22.05.2010

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