Windpark im Schäferwald: Giftmischer tötet Rotmilane

Die Todesursache steht jetzt fest, vom Täter fehlt noch jede Spur: Vier Rotmilane, die ganz in der Nähe des geplanten Windparks im Schäferwald südlich von Gründelhardt entdeckt wurden, starben an Gift.

HARALD ZIGAN |

Heimtückische Vergiftungen von Greifvögeln sind in Hohenlohe keine Seltenheit. Vor vier Jahren entdeckten Spaziergänger unweit der Windräder bei Schrozberg-Lindlein drei tote Rotmilane und einen Mäusebussard.

Der jüngste Fall spielte sich in der Nähe des geplanten Windparks im Schäferwald bei Frankenhardt-Hinteruhlberg ab, wo die Verwaltungsgemeinschaft Crailsheim auf einer Fläche von rund 105 Hektar ein Vorranggebiet ausweisen will: Drei tote Rotmilane wurden im März 2014 im Gewann Hochtänn auf der benachbarten Gemarkung von Rosenberg im Ostalbkreis entdeckt, ein vierter Vogel dieser Art verendete nur wenige Kilometer entfernt in der Nähe der Tannenburg.

Auch für Menschen und Haustiere sehr gefährlich

Eine Analyse der Tierkadaver im Veterinäruntersuchungsamt in Freiburg brachte jetzt Gewissheit: Die toten Greifvögel gehen auf das Konto eines Giftmischers. Die Experten wiesen den hochtoxischen Stoff Parathion nach - besser bekannt (und berüchtigt) unter dem Namen E 605, dessen Einsatz als Insektizid bereits seit dem Jahr 2002 in der EU verboten ist. E 605 wirkt auch als Kontaktgift über die Haut, kann also für Menschen und Haustiere bei einer Berührung des Kadavers ebenfalls sehr gefährlich werden.

Unnatürlich war auch die Todesursache bei einem Rotmilan, der ebenfalls im März 2014 unweit des Windrades bei Appensee östlich von Honhardt verendet am Boden lag: Das Tier wurde von den Rotoren erschlagen. Und im Windpark bei Kirchberg/Jagst an der A 6 wurde vor wenigen Tagen ebenfalls ein Rotmilan höchstwahrscheinlich zum Opfer einer Windmühle.

Die toten Rotmilane rings um den Schäferwald beunruhigen auch die "IG Uhlberg und Umgebung". Die grundsätzlich nicht gegen Windkraft eingestellte Gruppe, die sich neben dem Artenschutz für einen Abstand von mindestens 1000 Metern zu den Windmühlen einsetzt (geplant sind bislang nur 700 Meter), verlangt, dass die Genehmigung des Windparks um mindestens ein Jahr verschoben wird und für 2015 ein "realistisches Artenschutzgutachten" anberaumt wird.

Die Gruppe kritisiert zudem, dass die Planungen für den Windpark im Staatswald, den der Landesbetrieb Forst BW an die Firma "W-I-N-D" verpachtet hat, bereits intensiv im Gange sind, obwohl der Flächennutzungsplan für die Windenergie-Standorte noch gar nicht verabschiedet ist. Zudem besitzt die Firma inzwischen eine Fahrerlaubnis für den Wald - die Gruppe befürchtet dadurch eine Störung der brütenden Greifvögel.

Eine Planungspause für den Windpark mitsamt einer "seriösen Neubewertung" des Areals fordert auch der FDP-Landtagsabgeordnete Dr. Friedrich Bullinger, der das Projekt zum Gegenstand einer parlamentarischen Anfrage gemacht hat. Das Ministerium für Ländlichen Raum räumte in seiner Antwort ein, dass das Gebiet "mit seiner hohen Waldrandlänge und inneren Wegstrukturen mit angrenzenden Offenlandlebensräumen" eine größere Anzahl an potenziellen Greifvogelhorsten vermuten lässt.

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Anträge für 17 Windräder

Über den Stand der Dinge in Sachen Windkraft im Kreis Schwäbisch Hall erhielt der FDP-Landtagsabgeordnete Dr. Friedrich Bullinger bei seiner parlamentarischen Anfrage ebenfalls Informationen. Demnach liegen laut Ministerium derzeit drei Genehmigungsanträge für insgesamt 17 Windkraftanlagen beim Landratsamt in Schwäbisch Hall vor. Acht Anträge beziehen sich auf einen immisionsschutzrechtlichen Vorbescheid für weitere zwölf Windräder. Im Jahr 2014 wurden zudem die Genehmigungen für den Bau und Betrieb von sechs neuen Windrädern im Kreis Hall erteilt.

Für den Staatswald im Kreis Hall gibt es derzeit zwei Gestattungsverträge, die der Landesbetrieb Forst BW mit Windkraftfirmen abgeschlossen hat - darunter auch der Schäferwald. Konkrete Anlagenplanungen für dieses Areal liegen laut Ministerium aber noch nicht vor.

HAZ

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