Welpen zu Schleuderpreisen

Polizisten stoppen auf der A6 bei Kleinallmerspann ein Auto aus Tschechien. Im Kofferraum sind elf Hundewelpen eingepfercht. Der Zufallsfund wirft ein Schlaglicht auf ein großes Problem: illegalen Tierhandel.

JOCHEN HÖNESS |

Elke Preuß pfeift ein paar Mal kurz hintereinander, dann fängt es an zu wuseln. Angelockt von dem Geräusch wagen sich vier Hundewelpen in den eingezäunten Außenbereich. "Ein fünfter Welpe ist noch drinnen, der ist ein bisschen schüchterner als die anderen", erklärt die Tierpflegerin.

Die Hunde haben an jenem Freitagmorgen ihre erste Nacht im Michelfelder Tierheim hinter sich. Sie wirken munter und lebhaft - doch eigentlich sollten sie ganz woanders sein: bei ihrer Mutter. "Wir schätzen das Alter der Welpen auf sechs bis sieben Wochen", erklärt Elke Preuß. "Das ist eindeutig zu früh, um sie vom Muttertier zu trennen." Diejenigen, die für die verfrühte Trennung verantwortlich sind, interessiert das jedoch nicht.

Der Fahrer macht wiedersprüchliche Angaben

In der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag der Vorwoche kontrolliert eine Polizeistreife auf der A6 bei Kleinallmerspann einen Volkswagen mit tschechischer Zulassung. Am Steuer sitzt ein 32-jähriger Tscheche. Im Kofferraum: mehrere Boxen mit insgesamt elf Hundewelpen. Einfuhrpapiere oder Impfbescheinigungen kann der Mann nicht vorweisen. Zu Zweck und Ziel des Transports macht er widersprüchliche Angaben.

Daraufhin entscheiden die Polizisten, die Tiere zu beschlagnahmen. Sie informieren das Veterinäramt des Haller Landratsamtes. Dort ist unter anderem für solche Fälle ein Notdienst eingerichtet, erklärt Amtstierärztin Dr. Julia Pöttinger. Gemeinsam mit der Polizei nehmen die Veterinäre vor Ort eine Bestandsaufnahme vor, leiten erste Untersuchungen ein und prüfen, ob ein "gültiger Tierseuchenstatus" vorliegt. Bei den elf Hundewelpen ist dies nicht der Fall, da eben die entsprechenden Nachweise fehlen. Somit müssen sie 14 Tage in Quarantäne; sechs Welpen kommen nach Crailsheim ins Tierheim, fünf nach Michelfeld.

"Nach der Quarantäne müssen alle Tiere beim Tierarzt vorgeführt werden", erklärt Dr. Pöttinger. Die Rechnung bekommt das Amt. "Wir versuchen natürlich, uns das Geld beim Verursacher wieder zu holen. Aber die Erfolgsaussichten sind gering."

Hundewelpen zum Dumpingpreis auf unseriösen Seiten

Sowohl die Amtstierärztin als auch Tierpflegerin Elke Preuß vermuten, dass illegaler Tierhandel der Hintergrund des Welpentransports ist. Dieses Problem greift immer weiter um sich, vor allem durch das Internet: Unseriöse Anbieter verkaufen auf einschlägigen Plattformen Hundewelpen zum Dumpingpreis - darunter auch eine ganze Reihe an Rassehunden. Für letztere wird in Deutschland schnell ein vierstelliger Betrag fällig. Die Online-Inserate beginnen bei 200 bis 300 Euro.

Die Billig-Hunde stammen meist aus Osteuropa, werden dort Tierschutzorganisationen zufolge unter unsäglichen Bedingungen "produziert". Oft werden die Hündinnen zwangsbelegt, also gegen ihren Willen von einem Rüden gedeckt. Schwangerschaft und Geburt vollziehen sich in Hütten oder Kellern; die Versorgung der Tiere ist völlig unzureichend. Bereits nach fünf bis sechs Wochen werden sie an die Käufer gegeben, obwohl die Welpen eigentlich acht bis zehn Wochen beim Muttertier bleiben sollten. Die Folgen: schlechter gesundheitlicher Zustand der Jungtiere, gestörtes Sozialverhalten, häufige Tierarztbesuche. So zahlen die Käufer solcher Welpen unterm Strich meist mehr als diejenigen, die das Tier bei einem seriösen Züchter zum höheren Preis kaufen.

"Ich kann vom Kauf solcher Tiere nur ganz klar abraten", sagt Dr. Julia Pöttinger. "Doch so lange die Nachfrage nach Billig-Welpen da ist, wird es auch ein Angebot geben."

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