Vorbestrafter Mann muss ins Gefängnis

Trügerische Hilfe beim Autokauf

Schwäbisch Hall.  Als vermeintlicher Autohändler hat ein 35-jähriger Betrüger eine Kreisbewohnerin gehörig hinters Licht geführt. Das Haller Amtsgericht schickt den vorbestraften Mann jetzt für zehn Monate ins Gefängnis.

Autohandel und Autokosmetik sind die Ressorts, mit denen sich der 35-Jährige nach eigenen Angaben beruflich beschäftigt. Sieht man genauer hin, so lebt er einerseits von Arbeitslosengeld und andererseits von undurchsichtigen Geschäften.

Im Sommer letzten Jahres bot er einer 40-jährigen Kreisbewohnerin seine Hilfe beim Kauf eines Gebrauchtwagens an. Die alleinstehende Frau hatte zuvor in einer Zeitung annonciert. Er hatte sich bei ihr gemeldet und verkaufte nach eigenen Angaben zunächst erfolgreich ihr defektes altes Auto. Den Erlös von 650 Euro will er deswegen einbehalten haben, um der 40-jährigen Arbeiterin mit dieser Summe zu einem neuen Gebrauchtwagen zu verhelfen.

Am 18. Juli 2011 fuhr er mit einem Nissan mit roter Nummer bei ihr vor. Unverfroren ließ er sich von ihr 500 Euro aushändigen, angeblich, um den Kauf bei einem Autohaus in ihrem Namen perfekt zu machen. Die Probefahrt aber war nur ein Täuschungsmanöver. Die geschädigte Frau berichtet: "Dann hat er das Auto abgegeben, und das Geld war fort." Sie akzeptierte aber immer noch seine gefälligen Ausreden und gab ihm sogar Geld für einen Flug in seine portugiesische Heimat. Heute weiß sie: "Es sind alles Lügengeschichten gewesen, er war gar nicht in Portugal!"

Ende Juli kam die Wende: Nachdem sie sich auf eigene Faust ein gebrauchtes Auto gekauft hatte, forderte sie von dem 35-jährigen Schwindler ihr geliehenes Geld - an die 3000 Euro - zurück. Er vertröstete sie daraufhin mit vielen Versprechungen und schickte tatsächlich Hunderte von SMS-Nachrichten auf ihr Handy. Erst als sie ihn im Oktober bei der Polizei angezeigt hatte, lenkte er ein und übergab ihr wenig später 700 Euro in bar. Den Rest blieb er bis heute schuldig. Die 40-Jährige aber ist auf das ausstehende Geld angewiesen: "Meine Taschen sind leer!"

Der gepflegt wirkende Angeklagte verteidigt sich damit, die Frau habe ihn beim Autohandel finanziell unterstützen und am Gewinn teilhaben wollen. Vor Gericht dreht er den Spieß um und klagt: "Sie wollte mich nur noch zerstören!" Der Richter nimmt dem erheblich vorbestraften Mann diese Version nicht ab. Er verurteilt ihn wegen Betrugs zu einer Haftstrafe von zehn Monaten ohne Bewährung.

Diese Strafe ist vermutlich nicht das Ende der Fahnenstange. In wenigen Tagen beginnt vor dem Amtsgericht Backnang ein neuer Prozess gegen den 35-Jährigen mit ähnlichen Betrugsvorwürfen.


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Autor: ELEONORE HEYDEL | 09.02.2012

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