Tierschutz soll sich rechnen Kontroverses Agrargespräch in Hohebuch

Landkreis.  Tierschutz für Nutztiere: Kein Thema am Rand, sondern eines, das die Menschen bewegt. Bauern und Handel müssen reagieren. Beim Agrargespräch in Hohebuch prallten die verschiedenen Positionen aufeinander.

Filme und Berichte über das Leiden der Nutztiere während der Haltung, des Transports und in den Schlachthöfen häufen sich in den Medien. "Nach solchen Sendungen haben wir immer einen massiven Einbruch beim Fleischkonsum", stellt ein Landwirt aus dem Publikum fest.

Der Verbraucher wird kritischer. Laut einer Nestlé-Umfrage ist für 90 Prozent der Konsumenten eine tiergerechte Nutztierhaltung wichtig, doch nur etwa ein Drittel von ihnen ist bereit, den Bauern dafür mehr zu bezahlen. Doch Tierschutz in der Landwirtschaft gibt es nicht kostenlos. Schon die ab 2013 vorgeschriebene Gruppenhaltung von tragenden Zuchtsauen werde viele kleinere Betriebe in den Ruin treiben, ist die Befürchtung der hiesigen Schweinezüchter.

Clemens Dirscherl, Leiter des Evangelischen Bauernwerks in Hohebuch, fordert deshalb Subventionen für Stallbaumaßnahmen, die dem Tierwohl dienen. Auch Roger Fechler vom Deutschen Bauernverband sieht immense Kosten auf die Bauern zukommen. Für die meisten Landwirte in der Schweinezucht seien Investitionen für den Tierschutz zumindest kurzfristig absolut unmöglich. Er wisse aber um die Notwendigkeit, den Tierschutz zu verstärken und sei offen für einen Dialog mit dem Tierschutzbund.

Dessen Vizepräsidentin Renate Seidel setzt sich für einen gesetzlich verankerten Tierschutz bei den Nutztieren ein. Um die Kosten erträglich zu halten, befürwortet sie eine schrittweise Entwicklung.

Als Wissenschaftler wendet sich Professor Jörg Hartung von der Tierärztlichen Hochschule Hannover gegen eine emotionsgeladene Diskussion beim Thema Tierschutz. Den Tierschutzbund fordert er auf, Abstand zu nehmen von der Vorstellung einer landwirtschaftlichen Idylle. Moderne Technik in der Tierhaltung widerspreche nicht dem Tierschutz, sondern fördere ihn, etwa mit Laufställen, die auch im Bereich der Schweine- und Geflügelhaltung realisierbar seien. Die Bauern ermahnte er, sich den Herausforderungen des Tierschutzes zu stellen, allerdings vermisst er einen Gesamtplan für den Tierschutz in der Landwirtschaft.

Geht es nach dem Willen von Ralph Dausch von Kaufland, sollen die Tierschutzkriterien für die gesamte Branche eingeführt und Bestandteil des normalen Qualitäts- und Sicherheitssystems werden, das seit 2001 die gesamte Produktionskette von Fleisch kontrolliert. Das würde aber für die Bauern bedeuten, dass sie mit tierfreundlich erzeugtem Fleisch keinen Marktvorteil haben, obwohl sie höhere Kosten hätten als bisher. Den Landwirten verschlug es fast die Sprache.

"Das ist ein starkes Stück", so der Kommentar des Bauernverbandsvertreters Fechler zu den erstmals in der Öffentlichkeit geäußerten Plänen. Es könne nicht sein, dass der Mehrwert von tierschutzgerecht produziertem Fleisch nicht auch bei den Erzeugern ankomme. Aus diesem Grund unterstützen die meisten Landwirte die Einführung des vom Tierschutzbund initiierten Tierwohl-Labels, das den Produzenten höhere Einkommen garantiert. Sicher mit Blick darauf, dass teureres Tierwohl-Fleisch nur einen kleinen Marktanteil haben wird.

Vom Lebensmitteleinzelhandel erwarten die Landwirte mehr Entgegenkommen. Der Handel sollte sich nicht nur als Partner des Verbrauchers sehen und mit Niedrigpreisen zu einer Entwertung des Fleisches beitragen, sondern auch mit den Landwirten das Gespräch suchen.


Kommentare (5)

12.01.2012 16:24 Uhr |   Peter  Küpper

Eine Kuh produziert jährlich etwa so viel Treibhausgase, wie ein

Mittelklassewagenmit einer jährlichen Laufleistung von 30.000 Kilometern.

Zur Produktion einer tierischen Kalorie werden je nach Tierart fünf bis dreißig pflanzliche Kalorien verfüttert. Beim Rind bleiben deutlich über 90 Prozent der Nahrungsenergie auf der Strecke.
12.01.2012 16:20 Uhr |   Peter  Küpper

Es ist unsinnig, hier die Landwirte zu verteufeln.

Diesen ist noch am ehesten am Tierschutz gelegen, immerhin gehen diese ja tagtäglich mit den Tieren um.

Dass sich Filme und Berichte häufen würden, kann ich nicht bestätigen, auch das würde jedoch noch nicht bedeuten, dass sich auch die Fälle häufen würden.
Tatsächlich gibt es eben immer mehr Sender, welche regelmäßig über die gleichen Fälle berichten.

"denn Geiz ist ihnen wichtiger wie Mitgefühl" Das trifft wohl eher auf die Verbraucher zu:

"doch nur etwa ein Drittel von ihnen ist bereit, den Bauern dafür mehr zu bezahlen" .

Offenbar hat also der Verbraucher kein Interesse am Tierschutz - zumindest wenn er dafür bezahlen soll.

I.Ü. ist die Fleischproduktion der größte CO 2 -Verursacher weltweit, bei der "Produktion" von 1 kg Rinderfleisch entstehen ca.Für Rindfleisch wurde ein Wert von 14,8 kg CO2-Äquivalent, ein Hausrind gibt täglich etwa 200 Liter Pansengase täglich, die sich aus etwa 60 % Kohlenstoffdioxid und 40 % Methan (Treibhausgas) zusammensetzen.
13.01.2012 10:12 Uhr |   Elisabeth Petras

Keine Einzelfälle, sondern lt. STudien ist Qual die Regel!

Groß angelegte Studien wie die vom BMELV geförderte der Uni Leipzig (Krautwald-Junghanns et al 2009/10) u. a. m. beweisen, dass eine Tierhaltung, die bei den Geflügeltieren Schmerzen, Schäden und Leiden hervorruft, die Regel und nicht die Ausnahme ist. Fast 100% der Puten leiden unter Fußentzündungen oder Fußschäden, oft schweren Läsionen, Brustblasen durch das Liegen der zu schweren Tiere im eigenen Kot kommen hinzu. Ähnlich sieht es bei den so genannten "Hähnchen" (in Wirklichkeit Masthühner) aus.

Es nutzt also nichts, die Tierschutzverbände schlechtzureden - die Fakten sprechen für sich.

Würde man die Subventionen - wie schon von der EU angeregt - umsteuern, würde der Preisunterschied für den Verbraucher geringer werden. Tier- und Umweltschutz sind gesellschaftliche Anliegen. Wenn Subventionen, dann hier!

Tierqual soltle dagegen nicht länger subvenbtioniert werden!

Zudem muss das Tierschutzgesetz endlich eingehalten und entsprechend kontrolliert werden!

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Autor: SIGRID BAUER | 11.01.2012

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