Stephen Brauer - Die Hoffnung stirbt zuletzt

Personell kann die FDP nicht aus dem Vollen schöpfen. Gut für Stephen Brauer. Er kandidiert zum zweiten Mal für die Liberalen im Wahlkreis. Auf Platz 17 der Landesliste ist Berlin für ihn allerdings weit weg.

MATHIAS BARTELS | 2 Meinungen

Es müsste schon erdrutschartige Wählerverschiebungen geben, die den Crailsheimer Lehrer in den Bundestag brächten. Will er das überhaupt? "Meine Lebensplanung sieht das momentan nicht vor", sagt er ohne Zögern - und schiebt gleich die Frage an Söhnchen Konrad nach: "Wollen wir nach Berlin?" Der Zweijährige blickt verständnislos. "Im Urlaub vielleicht mal", antwortet der Papa an seiner Statt.

Das wäre also geklärt. Dennoch: Natürlich ist Stephen Brauer mit Leib und Seele dabei, selbstverständlich kämpft er auf seine Art um jede Wählerstimme. Doch genauso selbstredend ist er kein Illusionär. Politik in der Region, im Landkreis - okay. Hier hat sich Brauer in der Tat einen Namen erarbeitet, ist Kreis-Chef der FDP und Fraktionssprecher der Liberalen im Kreistag. Und er hat sich - logisch - deutlich positioniert und mit den Wahlkampfthemen nicht nur seiner Partei auseinandergesetzt.

Wahrscheinlich geht es ihm wie Menschen in der Ehe: Man liebt den Partner nicht immer abgrundtief, aber das Grundverständnis ist da. Stichwort NSA und Geheimdienste: Für Brauer ein "Drecksgeschäft, das einen höchst heiklen Umgang mit persönlichen Daten offentbart". Seine Überzeugung: "Das alles kann uns, kann mir nicht passen."

 



"Mit Augenmaß und gesundem Menschenverstand ran an die große Politik"

Oder Stichwort Atomkraft: "Da ist eine klare Absage fällig", meint er, "CO2 sparen ohne Atom-Technik ist vonnöten." Der FDP-Mann hält auch nichts vom "Ablasshandel" in Sachen Kohlendioxid: "Einen Tod müssen wir sterben - entweder wir müssen Abstriche machen bei der Energieversorgung oder alles wird teurer. Das wäre dann in Kauf zu nehmen." Für ihn ist es "nicht sinnvoll, weiterhin fossile Brennstoffe aus der Erde zu holen". Die Folge: Erneuerbare Energien müssen sein, aber "keine reine Subventionierung ohne Ende". Brauer: "Wenn Sonne und Wind keinen Sinn machen, muss ein freier Markt geschaffen werden, sonst fördern wir bis zum Nimmerleinstag Gespenster."

Starke Worte und klare Positionen des Kandidaten also - im Widerspruch zum oft zu beobachtenden Eiertanz seiner Partei. Geradeaus, ehrlich und zielstrebig, das sind die Attribute, denen sich der FDP-Mann verpflichtet fühlt. "Keine krummen Dinger mit Brauer" war sein Slogan zur Wahlkampf-Premiere 2009. Damals verteilte er Bananen. Südfrüchte hat er diesmal nicht geordert, aber die Stoßrichtung ist eine ähnliche: "Mit Augenmaß und gesundem Menschenverstand ran an die große Politik!"

Weniger Raubtierkapitalismus, der seiner Partei gern unterstellt werde. Politik müsse stärker auf Daten und Fakten aufbauen und auch mal Unpopuläres vertreten. Brauers Voraussetzung für "mehr Demokratie" ist der "mündige Bürger - hier sei leider zuletzt einiges verloren gegangen. "Oder alles wird zerredet", nennt er die schlechte Alternative, "denn irgendeiner hat immer was dagegen". Umso wichtiger: "Ziele und Werte vorgeben." In seinen Augen auch eine Aufgabe der Politik.

Fraglich, ob jemals eine schwarze Null geschrieben wird

Stephen Brauer verhehlt nicht, dass er sich in den Niederungen regionaler Politik wohler fühlt als in Berliner "Höhenluft" - wenn es um den Ausbau der A 6 geht etwa (da plädiert er fürs "PPP-Modell", also den Ausbau mit Privatunternehmern sowie eine zweckgebundene PKW-Maut), oder die Pläne fürs neue Landratsamt ("Können wir uns 25 bis 40 Millionen Euro Schulden für solch ein Projekt wirklich leisten?") oder gar das bereits in Bau befindliche neue Klinikum in Crailsheim ("Der Erfolg hängt von so vielen Unwägbarkeiten bis hin zu einzelnen Ärzten ab, dass fraglich bleibt, ob jemals eine schwarze Null geschrieben wird").

Für einen Abgeordneten aus der Region geht es seiner Ansicht nach aber stets darum, wichtige Anliegen aus dem Wahlkreis in Berlin zu vertreten. Von daher kümmert sich Stephen Brauer im Wahlkampf halt auch um die marode Straße nach Hörlebach, den Bahnhalt in Wallhausen oder andere Auswirkungen der Entscheidungen im Land, im Bundestag oder in Europa. Altenbetreuung auf dem Land etwa ist solch ein Thema. Die bürgerlichen Parteien fordern freien Wettbewerb. Brauer: "Wir sollten froh sein, wenns überhaupt einer macht!"

Die FDP sei als kleine Partei mit wenigen Mitgliedern zwar "übersichtlich und leicht zu führen", doch zugleich personell so belastet, dass für Parteiposten kaum Mitstreiter bereitstehen. Den Einwand, dass dann ja eine schnelle Parteikarriere aufs Parkett zu legen sei, lässt Stephen Brauer nicht gelten: "Umso mehr Arbeit bleibt an den Protagonisten hängen." Wenn er etwas hätte werden wollen, wäre er zur SPD gegangen, scherzt er. "Da wäre ich einer der wenigen unter 60."

Immerhin hat ihn der Wahl-oMat-Test tatsächlich der FDP zugeordnet, "mit Nähe zur CDU", ergänzt Brauer. Und die Erfolgsaussichten der Liberalen? "Nach NRW und Niedersachsen wage ich da überhaupt keine Prognose mehr - alles ist möglich", sagt der Kandidat - und lächelt. Die Hoffnung stirbt zuletzt. . .

2 Kommentare

08.08.2013 21:45 Uhr

Klimawandel

"Klimaschutz" - Herr Brauner sieht darin vor allem die Reduzierung von CO2:

In der Atmosphäre sind 400 ppm CO2, also 0,004%, enthalten. Von diesen 0,004% sind 3-4 % menschengemacht (IPCC sagt 3%), macht also maximal 0,00016%. Deutschland ist für ca. 2,3% davon verantwortlich, also 0,00000368% des CO2s in der Atmosphäre. Oder in 100 Jahren eine Erhöhung um 0,000368% - bzw. von 0,004% auf 0,0040368%. Eine Erhöhung, die wir einsparen können, wenn wir 100% des CO2 sparen (also auch den Menschen das Ausatmen verbieten).

Die Wirksamkeit von Globuli ist da viel einleuchtender für mich.

Herr Brauer - mit solchen Aussagen machen Sie die FDP unwählbar!

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08.08.2013 16:03 Uhr

Äh?

Wie geht das? Ein Interviewter (siehe redaktionelle Berichtigung) distanziert sich im Gespräch ausdrücklich von einer Behauptung, nur um sie anschließend vom Interviewer als eigene Aussage in den Mund gestopft zu bekommen.

Journalismus aus der Anstalt. Der Klimawandel scheint mittlerweile aber auch vor nichts mehr haltzumachen.

W. Moser, Fichtenau

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