"So kanns nicht weitergehen"

Schwäbisch Hall.  Gibt es Alternativen zur heutigen Finanzordnung? Verteidiger und Gegner des jetzigen Wirtschaftssystems diskutierten im Brenzhaus in Hall.

Manfred Hegedüs ist Vorstandsmitglied der Sparkasse Schwäbisch Hall-Crailsheim, einer Bank mit regionalem Schwerpunkt. Mit den Einlagen der Kunden würden in erster Linie Unternehmen aus der Region unterstützt, sagt er. Christian Gelleri spricht für die oberbayerische Regionalwährung "Chiemgauer", die 2002 eingeführt wurde. Und Fritz Vogt, einst Geschäftsführer der Genossenschaftsbank in Gammesfeld, sieht sich zwischen Hegedüs und Gelleri. Eine Bank nach dem Vorbild Raiffeisens wie die in Gammesfeld sei als Regionalsystem das Humanste.

Die drei diskutierten zusammen mit Helmut Rau von der "Initiative für natürliche Wirtschaftsordnung" (INWO) im Brenzhaus. Eingeladen hatten die Initiative "Hohenloher Franken" und das evangelische Kreisbildungswerk. Den Einstieg in die Diskussion lieferte Helmut Rau. Als Tauschmittel seien Geld und Ware fest verknüpft. Geld werde aber auch an sich gehandelt, in Form von Krediten, für die Zinsen gezahlt werden. Und ein auf Zinseszins aufgebautes Finanzsystem habe eine Lebensdauer von einigen Jahrzehnten, dann sei die Zins- und Schuldenlast nicht mehr bezahlbar.

Wegen der Staatsverschuldung zahlen die Bürger zusätzlich zu den Steuern Zinsen. 2009 seien 42 Milliarden Euro des 290-Milliarden-Haushalts der Bundesrepublik für die Bezahlung von Krediten aufgewendet worden. Bisher setze die Politik, um die zunehmende Kreditlast zu stemmen, auf Wachstum - auf Kosten der Natur. "So kann das nicht weitergehen", warnt Rau.

Aus Sicht von Gelleri ist eine umlaufgesicherte Regionalwährung eine Möglichkeit, dem Zinssystem zu entkommen. Die Umlaufsicherung soll verhindern, dass Geld gehortet und dem Kreislauf entzogen wird. Deshalb werde der "Chiemgauer" nach drei Monaten ungültig und müsse mit zwei Prozent seines Wertes aufgeladen werden.

Geld müsse vor allem als Tauschmittel dienen und durch Arbeit gedeckt sein. Geld als Handelsware lasse Kapital ohne Arbeit entstehen - so sieht es der Genossenschaftsbanker Fritz Vogt. Er begrüßt die Regio-Geld-Initiativen. Das Problem großer Banken sei die Anonymität der Kunden: "Mit deren Geld geht man anders um als mit Geld von Kunden, die man kennt."

Risikoreiche Investmentgeschäfte, losgelöst von der realen Wirtschaft, heißt Hegedüs nicht gut. Um konkurrenzfähig zu bleiben komme aber auch die Sparkasse nicht ohne Investmentbanking aus. Das Kundengeschäft bringe zu wenig Gewinn. Eine Regio-Währung hält Hegedüs für wenig sinnvoll, das sei nicht der Wunsch der Menschen. Dem widerspreche die Erfahrung mit dem "Chiemgauer", kontert Gelleri. Sie hätten viele starke Partner wie Kommunen, Vereine und Regionalbanken: "Wir haben VR-Bank und Sparkasse mit ins Boot geholt."

Diskussionsleiter Hartmut Walter schlug der Sparkasse vor, zunächst für ein Jahr eine Kooperation mit dem Hohenloher Franken, der hiesigen Regionalwährung, zu wagen. sb


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18.10.2010

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